präsentiert von
Menü
Wie ein 'Hurrikan'

Gomez unterstreicht mit Hattrick seine Klasse

Viel fehlte nicht. Genauer gesagt nur wenige Zentimeter. Dann hätte Mario Gomez sogar seinen ersten Viererpack in der Champions League geschnürt. Es lief bereits die vierte Minute der Nachspielzeit, als Bayerns Toptorjäger mit letzter Kraft zu einem Schuss aus rund 70 Metern ansetzte, um den für einen Eckball weit aus seinem Tor geeilten Torhüter Morgan De Sanctis zu überlisten. „Er hat irgendwie gar nicht gemerkt, dass ich geschossen habe. Und als der Ball dann an ihm vorbei ging, war ich mir sicher, ‚jetzt geht er rein‘“, schilderte Gomez die kuriose Szene am Tag danach. Tat er aber nicht, weil De Sanctis noch einmal alles aus sich herausholte und das Spielgerät von der Linie kratzte.

„Viele Torhüter geben in der 94. Minute bei diesem Spielstand auf. Neapel nicht, auch der Torwart nicht. Sie sind gelaufen bis zum Umfallen“, fügte Gomez an. Entscheidend geholfen hat es den Italienern bei der 2:3-Niederlage in München (der Nachbericht) am Mittwochabend allerdings nicht, gegen die Tor-Gala von Torero Gomez waren sie machtlos - auch De Sanctis. Innerhalb von 25 Minuten (17., 23., 42.) zauberte der FCB-Stürmer einen lupenreinen Hattrick auf den grünen Rasen der Allianz Arena - der erste eines deutschen Spielers in der Geschichte der Königsklasse.

Kein Wunder, dass Gomez anschließend mit Lob überhäuft wurde. „Das war wunderbar, er hat alles richtig gemacht. Kompliment“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Viele Worte wollte der Vorstandsvorsitzende des FCB nicht verlieren, Gomez‘ Tore hätten bereits genug Aussagekraft. Rummenigge: „So ein lupenreiner Hattrick passiert nicht oft - nicht mal bei anderen großen Klubs wie dem FC Barcelona.“ Die Statistik sagt: Das letzte Mal gelangen einem Spieler in der Champions League vor rund einem Jahr drei Tore in einer Halbzeit. Damaliger Protagonist: Gareth Bale von Tottenham Hotspur bei der 3:4-Niederlage bei Inter Mailand.

Neben Rummenigge geriet auch Christian Nerlinger ins Schwärmen. Bayerns Sportdirektor sprach von einer „Weltklasse-Leistung“, das Strahlen in seinem Gesicht war dabei nicht zu übersehen. Nicht nur Gomez‘ Vollstrecker-Qualitäten seien „perfekt“, sondern auch seine aufopferungsvolle Defensivarbeit. „Er hat geackert, gekämpft, die Bälle super gehalten“, lobte Nerlinger. Und Chefcoach Jupp Heynckes bescheinigte Gomez eine „überragende Partie. Besser geht’s nicht!“

Titel wichtiger als persönliche Rekorde

Lobeshymnen von allen Seiten. Und was sagt der Mann selbst, der nun mit 17 Toren erfolgreichster deutscher Champions-League-Torschütze aller Zeiten ist (vor Michael Ballack)? „Sicherlich freue ich mich über jedes Tor und bin stolz darauf - zumal das ja gestern auch wichtige waren“, erklärte der 25-Jährige. „Besser oder größer“ fühle er sich dadurch aber nicht. Überheblichkeit ist für Gomez ein Fremd-, Bescheidenheit ein Lieblingswort: „Was am Ende bleibt, sind Titel mit der Mannschaft und nicht irgendwelche persönlichen Rekorde.“

Bis zu diesen Titeln muss der FC Bayern noch einige Brocken aus dem Weg räumen. Immerhin: Das Achtelfinale der Champions League ist greifbar und auch in der Bundesliga sieht es derzeit gut aus. Dass Gomez‘ Kumpel Bastian Schweinsteiger in den kommenden Wochen wegen des Schlüsselbeinbruchs (eigener Bericht) fehlen wird, trifft die Bayern - und auch Gomez - allerdings hart. „Er organisiert unser Spiel, er gibt Takt und Tempo vor. Es wird schwierig, ihn zu ersetzen“, weiß Gomez. Angst und bange wird dem Nationalspieler aber keineswegs. Nun würden andere nachrücken. Gomez betonte: „Wir haben viele Spieler mit Führungsqualitäten - ganz viele.“

Einer davon ist der FCB-Torjäger selbst. Schon allein wegen seiner Leistungen in den vergangenen Monaten hat er sich mächtig Respekt erarbeitet. Nicht nur bei seinen Teamkollegen. Die italienische Zeitung Gazzetta dello Sport titelte am Donnerstag: „Die Bayern haben Hurrikan Gomez“. 19 Tore hat Bayerns Wirbelsturm in den vergangenen 17 Partien erzielt. Sowohl die Torschützenliste der Champions League (5 Tore, gleichauf mit Messi) als auch der Bundesliga (12 Tore) führt Gomez an.

„Diese Tormarken sind nicht wichtig für mich, das ist was für die Öffentlichkeit“, wiegelte der Torjäger ab. Viel wichtiger sei die tolle Leistung der Mannschaft in der ersten Halbzeit. Da hätte man „unglaublich attraktiven, guten und erfrischenden Fußball“ gespielt. Dass es nach der Pause holpriger wurde, verschwieg Gomez nicht. „Eigentlich waren sie am Boden, aber sie sind zurückgekommen. Das darf nicht passieren“, monierte der Stürmer.

Nachlässigkeiten duldet Gomez nicht, gegen den FC Augsburg am kommenden Sonntag forderte er volle Konzentration: „Wir müssen dieses Spiel mit 100 Prozent angehen - und nicht mit 90, 95 oder 98.“

Weitere Inhalte