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Alabas Chance

'Ich muss mich weiter steigern'

Um ein Haar hätte David Alaba den Augsburger Anschlusstreffer verhindert. Beim Schuss von Hajime Hosogai (59. Minute) stand er auf der Torlinie und schlug den Ball reaktionsschnell an den Innenpfosten, von wo aus er ins Spielfeld zurückprallte. Doch der Schiedsrichter entschied auf Tor. „Es ging so schnell. Ich weiß nicht, ob der Ball hinter der Linie war“, sagte der Bayern-Profi später. Die Zeitlupe bewies: Es war ein regulärer Treffer.

Auch wenn Alaba in dieser Szene im Pech war, bei seinem vierten Startelf-Einsatz in dieser Saison machte er „ein gutes Spiel“, wie Jupp Heynckes sagte. „Man muss sehen, dass David erst 19 Jahre alt ist. Er hat den Ball gut zirkulieren lassen, hat sehr umsichtig Fußball gespielt und war ruhig am Ball“, lobte der FCB-Chefcoach sein jüngstes Kader-Mitglied. „Er hat gut gespielt, hat sich voll reingehauen, gekämpft, hatte wenig Ballverluste“, war auch Christian Nerlinger zufrieden mit dem österreichischen Youngster.

Youngster? Nur noch vom Alter her. Denn inzwischen ist Alabas Bundesliga-Debüt - im März 2009 als jüngster FCB-Profi aller Zeiten - zweieinhalb Jahre her. 32 Ligaspiele und 15 Länderspiele hat er mittlerweile absolviert. In dieser Saison stand er in 15 von 18 Pflichtspielen auf dem Platz, gehörte dabei vier Mal zur FCB-Startformation. Und genau da möchte Alaba natürlich noch häufiger stehen.

Heynckes von Alaba überzeugt

Das sei im Moment aber schwierig, hatte Heynckes vor einigen Wochen schweren Herzens erklärt. „Der Junge könnte bei uns spielen, davon bin ich überzeugt“, sagte der Bayern-Trainer, verwies aber gleichzeitig auf die bestens funktionierende Mannschaft. Alaba, der das Niveau habe, „beim FC Bayern nicht nur zu spielen, sondern in ein, zwei Jahren auch ein absoluter Topspieler zu werden“, müsse geduldig auf seine Chance warten.

Diese Chance scheint jetzt gekommen zu sein. Nach der schweren Verletzung Schweinsteigers entschied sich Heynckes in Augsburg dafür, Alaba auf der Doppelsechs auflaufen zu lassen. In einem Einzelgespräch bereitete er ihn auf diese Aufgabe vor. „Der Trainer hat mir gesagt, dass er mir vertraut, dass ich ruhig spielen und wie im Training einfach Gas geben soll“, berichtete Alaba, der zuvor hauptsächlich auf dem linken Flügel zum Einsatz gekommen war.

Erst 'okay', dann 'nicht mehr so gut'

Ganz ungewohnt war die Rolle im defensiven Mittelfeld aber nicht für den Österreicher. In der Rückrunde der letzten Saison hatte er als Leihspieler in Hoffenheim dort Erfahrung gesammelt. In Augsburg war Alaba nach dem Schlusspfiff nicht unzufrieden mit seiner Leistung: „Meine erste Halbzeit war okay, in der zweiten Halbzeit lief es leider nicht mehr so gut.“ Alaba weiß: „Ich muss mich weiter steigern und entwickeln. Das war jetzt mal der Anfang.“

In den kommenden Wochen kann Alaba auf weitere Einsätze hoffen, nachdem Heynckes neben Schweinsteiger auch auf Tymoshchuk (Rot) verzichten muss. „Dass beide nun ausfallen, schmerzt uns schon sehr“, sagte Alaba ganz uneigennützig. Am Montag reiste der 19-Jährige zur österreichischen Nationalmannschaft, wo er unter dem neuen Nationalcoach Marcel Koller eine wichtige Rolle spielen soll - genau das will Alaba irgendwann einmal auch beim FC Bayern.