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'Das wird ein schönes Weihnachten'

Ribéry so gut wie nie

Sie versuchten es zu zweit, manchmal auch zu dritt, aber Franck Ribéry war einfach nicht aufzuhalten. Immer und immer wieder sauste der Franzose am Dienstagabend durch die Abwehrreihen des VfL Bochum. Rekordverdächtige 33 Zweikämpfe bestritt er im letzten Spiel des Jahres, den letzten in der Nachspielzeit. Da flitzte er im Strafraum an seinem Gegenspieler Marcel Maltritz vorbei und passte in den Rücken der Bochumer Abwehr, wo Arjen Robben stand und den 2:1-Siegtreffer erzielte.

Es war Ribérys elfte Torvorbereitung in der ersten Saisonhälfte. Darüber hinaus erzielte er bei seinen 25 Einsätzen auch zehn Treffer selbst - summa summarum ergibt dies die beste Hinrunde, die Ribéry jemals in seiner Karriere gespielt hat. „Das wird ein schönes Weihnachten mit meiner Familie“, sagte der 28-Jährige, der im September zum dritten Mal Vater geworden war. Gemeinsam feiert Familie Ribéry in Francks Heimatort Boulogne-sur-Mer Weihnachten.

„Dort ist es auch sehr kalt“, erzählte Ribéry, „aber wichtiger ist, dass ich mit meiner Familie zusammen bin, dass wir feiern und lachen, dass ich den Kopf frei bekomme und mein Körper sich erholt.“ Sonnen kann sich der FCB-Flügelflitzer an der französischen Kanalküste ja in Erinnerungen an seine Hinrunde: Noch nie zuvor hatte er in der ersten Saisonhälfte so viele Torbeteiligungen (21), häufiger als jeder andere Bundesligaspieler suchte er das Dribbling (153 Mal), kein FCB-Profi bestritt mehr Zweikämpfe in der Liga (294).

„Ich fühle mich so gut wie unter Trainer Hitzfeld. Mit Jupp Heynckes habe ich wieder einen Trainer, der mich versteht und mich mit dem Ball machen lässt, was ich will“, weiß Ribéry, wem er es zu großen Teilen zu verdanken hat, dass er jetzt an seine erste Bayern-Saison (2007/08) anknüpft. Heynckes sei „fast wie ein Vater” für ihn, sagte der Franzose.

Klare Worte vom Trainer

Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl, aber auch mit klaren Forderungen hat Heynckes Ribéry in Topform gebracht. Der Flügelflitzer sei einer der Spieler, „bei denen ich weiß, wie ich sie anzufassen und wie ich sie zu motivieren habe. Ich weiß aber auch, was sie mir zurückgeben müssen - auf dem Trainingsplatz und im Spiel“, erzählte der FCB-Chefcoach. Von Ribéry erwartet er Mitarbeit in der Defensive und Tore. „Ich habe ihm gesagt, dass ein Spieler seiner Klasse noch mehr Tore erzielen muss. Er muss manchmal egoistischer sein.“

Ribéry hat sich die Worte seines Trainers zu Herzen genommen. „Franck machte Zusatzschichten im Kraftraum, arbeitete auch mit Wehwehchen“, berichtete Heynckes kürzlich im kicker-Interview vom Fleiß seines Flügelflitzers, der endlich eine Halbserie fast verletzungsfrei bestreiten konnte. Abgesehen von einer Sprunggelenksverletzung am Ende der Sommer-Vorbereitung blieb er von größeren Zwangspausen verschont. In den letzten Jahren war dies ganz anders.

'Er blüht richtig auf'

„Franck hat eine schwierige Periode hinter sich. Jetzt fühlt er sich topfit, er blüht wieder richtig auf“, bemerkte Ribérys Freund Daniel van Buyten. Dass er zudem auf der linken Seite mit Philipp Lahm, der unter Heynckes die Abwehrseiten wechselte, seinen Lieblingspartner zurückgewonnen hat, gibt seinem Spiel zusätzliche Sicherheit. „Wir verstehen uns blind“, sagte Ribéry.

Ein Auge zugedrückt hat zum Ende der Hinrunde Uli Hoeneß. Nach Ribérys gelb-roter Karte gegen Köln war der FCB-Präsident gnädig gestimmt. „Franck hat uns so viel Freude gemacht in diesem halben Jahr. Den muss man jetzt in den Arm nehmen und sagen: Haste Mist gebaut. Da muss man auch mal vergessen können“, meinte der FCB-Präsident.

'Er kann noch viel mehr'

Ribéry wollte mit seiner Leistung in Bochum den Platzverweis wiedergutmachen. „Wegen der Sache gegen Köln war es für mich sehr wichtig, dass ich heute sehr gut gespielt habe“, erklärte er nach dem Bochum-Spiel. In der Rückrunde will er da weitermachen, wo er im rewirpowerSTADION aufgehört hat. „Wenn ich gesund bleibe, kann ich nächsten Sommer vielleicht wirklich sagen, dass dies meine beste Saison aller Zeiten war. Das geht aber nur mit Hilfe der Mannschaft. Und wenn wir Titel holen“, sagte er.

Heynckes ist überzeugt, dass Ribéry das schaffen kann, wenn er weiter hart arbeitet. „Er darf sich nicht ausruhen, er kann noch viel mehr. Franck kann erst zufrieden sein, wenn er wieder Fußballer des Jahres in Frankreich und irgendwann in Europa ist. Dann kann er bei mir mal drei Tage frei haben.“ Wenn das nicht Motivation genug ist.

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