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Uli Hoeneß wird 60 - 'Er ist FC Bayern'

Happy birthday, Mr. Präsident!

Wenn man Uli Hoeneß ein Denkmal setzen möchte, wie müsste das aussehen? Wäre in Stein gehauen, wie er jubelnd auf der Tribüne hochspringt? Oder wie ihn die Spieler auf dem Platz in die Luft werfen? Was hielte er in der Hand? Den Champions-League-Pokal? Die Meisterschale? Eine Schatulle? Und wie um alles in der Welt würde man sein großes Herz darstellen?

Am heutigen Donnerstag feiert der Mr. FC Bayern seinen 60. Geburtstag. „Er denkt FC Bayern, er fühlt FC Bayern, er lebt FC Bayern, er ist FC Bayern. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, sein Leben lang“, so beschreibt Karl-Heinz Rummenigge die außergewöhnliche Rolle, die Uli Hoeneß seit 42 Jahren für den FC Bayern spielt. Erst als Spieler, dann als Manager und inzwischen als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender.

„Er hat einen extrem großen Beitrag dazu geleistet, dass dieser Klub wunderbar in der Fußballwelt dasteht“, betonte Rummenigge und kündigte für den 13. Januar eine große Geburtstagsfeier an. Dann wird der FC Bayern seinen Uli Hoeneß, der sein Verhältnis zum FC Bayern einst als „Symbiose“ bezeichnete, hochleben lassen. „Das hat er verdient“, sagte der FCB-Vorstandschef und fügte hinzu: „Er ist ja auch eine Art Feierbiest.“

Und es gibt jede Menge zu feiern aus 60 Jahren Uli Hoeneß. 1970 war der gebürtige Ulmer zum FC Bayern gewechselt. In den folgenden Jahren gewann der schnelle, ausdauernde und dribbelstarke Stürmer in München den Weltpokal, drei Mal den Europacup der Landesmeister, drei Deutsche Meisterschaften und einmal den DFB-Pokal. Mit der Nationalmannschaft wurde er Welt- und Europameister. Nach 239 Bundesligaspielen (86 Tore) stoppte ihn schließlich 1979 eine Knieverletzung. Doch das frühe Ende seiner Profilaufbahn war nur der Anfang einer zweiten Karriere. Seitdem prägte Uli Hoeneß den FC Bayern wie kein Zweiter. Unter seiner Regie stieg der Klub zur Weltmarke auf.

Dabei stellten sich den meisten nur zwei Fragen, als Uli Hoeneß im Mai 1979 Manager des FC Bayern wurde: Kann ein 27-Jähriger Manager sein? Und vor allem: Kann er Manager des FC Bayern sein, des Vereins, den er selbst mit Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und Paul Breitner in die europäische Elite geführt hatte?

Fundament in den 80er Jahren

Uli Hoeneß hat diese Fragen damals so eindeutig beantwortet, wie das heute jeder von ihm kennt: Nicht das Alter entscheide, sondern die Leistung. Ihm stellten sich andere Fragen zu zwei großen Problemen. Die Bayern waren seit fünf Jahren nicht mehr Deutscher Meister geworden und die Klubkasse war mit sechs Millionen Mark belastet. Um wirtschaftlich erfolgreich arbeiten zu können, musste der FC Bayern eine Marke werden: der beste deutsche Verein.

Noch als Spieler hatte Uli Hoeneß ein Jahr zuvor die Rückkehr seines langjährigen Freundes Paul Breitner durch die Vermittlung des Ulmer Lastwagenherstellers Magirus Deutz gemanagt. Mit Breitner, dem jungen Karl-Heinz Rummenigge und auch mit Klaus Augenthaler besaß das Team wieder Qualität. Die in Serie erzielten Meisterschaften der 80er Jahre legten das Fundament für den wirtschaftlichen Aufschwung des Klubs. Sechs gewannen die Bayern im ersten Jahrzehnt, das Uli Hoeneß als Manager gestaltete, elf weitere folgten, dazu kamen zehn Pokalsiege, 1996 der Erfolg im UEFA-Cup und 2001 der Triumph in der Champions League sowie im Weltpokal.

In der Nacht von Mailand, als die von Ottmar Hitzfeld als Trainer geführte Bayern-Elf um Stefan Effenberg und Oliver Kahn Valencia im Elfmeterschießen bezwang, erfüllte sich der größte Wunsch des Managers. „Wir haben immer versucht, auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis den maximalen sportlichen Erfolg zu erzielen. Mit diesem Sieg ist der Beweis erbracht, dass es möglich ist“, jubelte Uli Hoeneß damals. Noch heute hängt in seinem Büro ein großes Bild mit der legendären Fan-Choreographie aus dem Mailänder San-Siro-Stadion: „23. Mai 2001 - Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben!“

Von Anfang an hatte Uli Hoeneß einen FC Bayern von dauerhafter internationaler Bedeutung im Blick, auf Augenhöhe mit den Klubs aus Madrid, Mailand, Barcelona oder Turin. Mit dem Einzug in insgesamt sechs europäische Endspiele (seit 1979) hat sich die Vision des langjährigen Managers und heutigen Präsidenten erfüllt, auch wenn vier dieser Finalspiele verloren gingen: zwei im Landesmeistercup gegen Aston Villa (1982) und den FC Porto (1987), zwei in der Champions League gegen Manchester United (1999) und Inter Mailand (2010).

Das Prinzip kaufmännischer Sorgfalt

Während die Konkurrenten aus Italien, Spanien und England mit abenteuerlichen Kreditgeschäften, phantastischen TV-Rechte-Einnahmen und dank einer für den Profisport gnädigen Steuerpolitik das Transfergeschäft und damit - wenn auch nicht immer - die Wettbewerbe beherrschten, handelte Uli Hoeneß nach dem einfachen, aber nachhaltigen Prinzip kaufmännischer Sorgfalt. Kompromisslos hat er sich an seine Regel gehalten, nicht mehr auszugeben als eingenommen wurde bzw. auf dem über die vielen Jahre gewachsenen Festgeldkonto zur Verfügung steht.

Als Ende der 80er Jahre Merchandising das Zauberwort für Geldvermehrung in der Bundesliga wurde, erkannte Uli Hoeneß als Erster diesen Trend und schuf hierfür schnell die Strukturen. Es gab Bayern-Bettwäsche, Bayern-Handtücher, Bayern-Mode, Bayern-Parfum, etc. Heute führt der Merchandising-Katalog des FC Bayern mehr als 600 Artikel.

Von 12 Millionen Mark auf 300 Millionen Euro

Als Verein machten die Bayern 1979 ca. zwölf Millionen Mark Umsatz, der größte Teil davon stammte aus dem Verkauf der Eintrittskarten. Mit dem Transfer von Karl-Heinz Rummenigge an Inter Mailand 1984 für damals unglaubliche 10,5 Millionen Mark war der Klub schuldenfrei. Heute setzt der Fußball-Konzern FC Bayern München mit Karl-Heinz Rummenigge an der Spitze deutlich mehr als 300 Millionen Euro um.

Von Anfang an hat Uli Hoeneß Fußball an den üblichen Wirtschaftsverkehr binden wollen, was vor allem eine kaufmännische Haltung zum Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben verlangte. Seine Philosophie von Markenbildung und Partnerschaft zahlt sich bis heute beim Sponsoring aus. Verträge sollen nachhaltig, also langfristig geschlossen werden - und die Bayern sind treue Vertragspartner. Uli Hoeneß hat vor allen anderen begriffen, dass Fußball auch ein Dienstleistungsgeschäft ist, in dem nicht nur der eine sein Geld gibt, sondern der Klub zurückzahlt: mit großer Unterhaltung, mit Einzigartigkeit, mit Erfolg.

Hoeneß, der Visionär

Dass Uli Hoeneß Ziele offensiv formuliert, entspricht seinem selbstbewussten Naturell. Für die eine oder andere seiner Visionen ist er zunächst entweder bekämpft oder belächelt worden. So auch bei der Einschätzung des Fernsehmarktes. Um 1990 äußert er sich noch begeistert darüber, dass die Fernsehrechte der Bundesliga auf 100 Millionen Mark steigen würden, ein paar Jahre später formuliert er den gewaltigen Satz, er sehe die Erlöse aus der Zentralvermarktung der TV-Rechte des deutschen Profifußballs bei einer Milliarde Mark, also 500 Millionen Euro - jährlich. Er sollte Recht behalten. Der bislang letzte TV-Rechte-Abschluss der Deutschen Fußball Liga (DFL) erbrachte 2008 412 Millionen Euro pro Jahr.

Inzwischen und besonders seit seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft im November 2009, als er nach 30 Managerjahren mit 99,3 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt wurde, hält Uli Hoeneß regelmäßig vor Führungskräften der deutschen Wirtschaft Vorträge, in denen er erklärt, wie aus der Emotion und der Unberechenbarkeit des Spiels finanzielle Planungssicherheit und Gewinn entstehen können. Die Kunst ist, wie so oft, die Balance zu halten.

Bei Problemen Hoeneß anrufen!

Uli Hoeneß hat sehr früh erkannt und ausgesprochen, was in München, der olympischen Stadt mit der weltberühmten Stadionarchitektur, über Jahrzehnte ein Politikum war: Bayern, formulierte er 1989, braucht ein eigenes Fußballstadion. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, die auch dem Einsatz des damaligen FCB-Präsidenten Franz Beckenbauer als OK-Chef der WM zu verdanken war, hat bei der Durchsetzung der Stadionpläne eine große Rolle gespielt. Mit der 2005 in München-Fröttmaning eingeweihten Allianz Arena lässt sich alles in Verbindung bringen, was das moderne Fußballmanagement, wie Uli Hoeneß es in Deutschland etabliert hat, prägt. Sie ist die angemessene Dienstleistung für den Zuschauer, die Sponsoren, das Fernsehen und auch für die Mannschaft.

Es gibt beim FC Bayern eine Regel, die Neuankömmlinge sehr schnell lernen. Die Regel lautet: Bei Problemen Uli Hoeneß anrufen. Manche Spieler haben sich daran erinnert, nachdem sie ihren Wagen nachts in einen Graben gesteuert hatten. Andere suchten finanziellen Rat. Uli Hoeneß hat regelmäßig geholfen. Jeder, der beim FC Bayern arbeitet, schätzt seine menschliche Seite und niemand, der den FC Bayern verließ, hat schlecht über Uli Hoeneß gesprochen.

Stärke als Verpflichtung

Wie kein anderer Verein hat der FC Bayern angeschlagene Klubs bei der Bewältigung finanzieller Schwierigkeiten und auch ganz allgemein karitative Ziele unterstützt. Vereine wie der FC St. Pauli oder zuletzt im Juli 2011 Carl Zeiss Jena haben von der Benefizspielbereitschaft des FCB genauso profitiert wie der Mainzer Dom (siehe eigener Bericht).

Uli Hoeneß, zweifacher Familienvater und inzwischen auch Opa, hat die sportliche und wirtschaftliche Stärke immer auch als Verpflichtung verstanden. Er vertritt eine Art soziale Marktwirtschaft des Fußballs, die den Erfolg und die Entwicklung des eigenen Vereins in den Mittelpunkt stellt, die aber auch Rücksicht auf Schwächere nimmt, auf Menschen ganz allgemein, denen es nicht so gut ergangen ist im Leben.

'Der Manager schlechthin'

Er sitzt am Krankenbett verletzter Spieler, er setzt sich für kranke und Not leidende Mitmenschen ein, er sammelt Spenden und greift selbst tief in die eigene Tasche, er engagiert sich für Zivilcourage. Uli Hoeneß hat auf seinem Weg nach oben die meisten hinter sich gelassen, weggeschaut hat er deshalb nie. Auch deswegen kann Uli Hoeneß zu seinem 60. Geburtstag zufrieden feststellen: „Ich habe es scheinbar geschafft, am Ende meines Berufslebens mehr Leute zufriedenzustellen als nicht zufriedenzustellen.“

Die Gratulanten stehen seit Tagen Schlange. „Wenn es Uli Hoeneß nicht gäbe, müsste er erfunden werden“, sagte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. Christian Nerlinger, der als Sportdirektor die schwere Nachfolge des Managers Hoeneß angetreten hat, lobte den Jubilar als „den Manager schlechthin. Ich glaube, so eine Managerleistung wird es im Fußball nicht wieder geben.“ Günter Netzer bewundert „diese nie erlahmende Energie“ von Uli Hoeneß. „Er lässt nichts Böses an den Klub herankommen. Denn über allem steht bei Uli Hoeneß die bedingungslose Liebe zum FC Bayern.“

Wie ein Denkmal für Uli Hoeneß aussehen müsste? Man muss sich nur umsehen. Unzählige existieren schon: in München-Fröttmaning, an der Säbener Straße, in den Vitrinen der Geschäftsstelle und überall dort, wo Uli Hoeneß jemandem aus der Not geholfen hat.