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Geburtstags-Interview, Teil 3

Hoeneß über: das Alter

Uli Hoeneß wird 60! Am 5. Januar feiert der Präsident des FC Bayern runden Geburtstag. Auf fcbayern.de lesen Sie aus diesem Anlass ein dreiteiliges Interview mit dem Jubilar. Im letzten Teil spricht Hoeneß unter anderem über Ruhestand, den Tod und seine größte Aufgabe in den kommenden Jahren. Vor allem aber kann der langjährige FCB-Manager feststellen: „Ich bin sehr zufrieden.“

Das Geburtstagsinterview mit Uli Hoeneß, Teil 3:

fcbayern.de: Herr Hoeneß, darf man Sie jetzt als 60er bezeichnen?
Hoeneß: „Ich habe damit überhaupt kein Problem. Ich hoffe nur nicht, dass der eine oder andere Fan daraus eine Verbindung herstellt. Denn diesmal kann ich dafür wirklich nichts. Das steht so in meinem Pass! 5. Januar 1952. Da kann auch ich nichts ändern.“

fcbayern.de: Mit 60 denkt der eine oder andere schon mal an Ruhestand. Sie auch?
Hoeneß: „Ich glaube, da unterscheide ich mich von vielen. Ich werde versuchen, so weiterzuleben wie bisher. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich jetzt ein anderer Mensch werde. Mein Leben hat sich schon durch die Tatsache, dass ich nicht mehr aktiv Manager bin, gewaltig verändert. Was ich auf absehbare Zeit aber nicht machen will, ist, mich total zur Ruhe zu setzen. Ich will nicht auf meinem Berg hocken, warten, wie die Sonne auf- und untergeht, und dazwischen Golf spielen. Ich will versuchen, ein sehr aktiver Sechzigjähriger zu sein.“

fcbayern.de: Ist das Ihr Rezept gegen das Altern?
Hoeneß: „Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass man aktiv bleibt. Ich kenne viele, die super Manager waren. Die haben von morgens sieben bis abends um neun Uhr gearbeitet - und dann haben sie sich um ihren Schrebergarten gekümmert, sind mit dem Hund spazieren gegangen, haben sich eine Ferienwohnung gekauft und sind ständig nur noch in denselben Urlaubsort gefahren. Wenn du die nach fünf Jahren wiedersiehst, dann denkst du: Der ist jetzt erst 65? Wenn ich dagegen Helmut Markwort sehe mit seinen 75 Jahren, der bis vor zwei Jahren voll gearbeitet hat und heute auch noch genug tut - dann denkst du: So stelle ich mir das eher vor.“

fcbayern.de: Hätte sich Ihre Frau nicht gefreut, Sie nach Ihrem Rückzug aus dem Bayern-Vorstand mehr zu sehen?
Hoeneß: „Meine Frau hat es sich schon ein bisschen anders vorgestellt. Auf der anderen Seite ist sie aber auch dran interessiert, dass es mir gut geht. Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo ich es so mache, wie sie es sich vorstellt.“

fcbayern.de: Haben Sie manchmal den Gedanken, dass man mit 60 den größten Teil seines Lebens hinter sich hat?
Hoeneß: „Dieses Gefühl überkommt mich nur dann kurzfristig, wenn aus meinem Umfeld jemand schwer krank wird, jemand stirbt. Diese Einschläge kommen natürlich häufiger als vor zehn oder 20 Jahren. Aber damit muss man fertig werden. Das ist nun mal so.“

fcbayern.de: Denken Sie öfters an den Tod?
Hoeneß: „Das sind Dinge, die ich nicht wegschiebe. Aber ich sage jetzt nicht: Ich habe noch so vieles vor mir, was ich eigentlich noch machen möchte und was ich noch nicht geschafft habe. Beethovens Unvollendete ist nicht in meinem Repertoire.“

fcbayern.de: Gerade durch ihren Flugzeugabsturz wissen Sie ja, wie schnell es gehen kann.
Hoeneß: „Wenn es passiert, dann lieber schnell als zehn Jahre lang.“

fcbayern.de: Haben Sie ein ganz große Ziel, das Sie unbedingt noch erreichen möchten?
Hoeneß: „Natürlich können wir uns jetzt nicht zurücklehnen und nur noch versuchen, zu erhalten. Stillstand ist Rückschritt! Wir haben wesentliche Ziele für den FC Bayern erreicht. Wir haben den Verein wirtschaftlich gesundet, ihn als AG neu strukturiert, mit adidas und AUDI zwei fantastische Shareholder ins Boot geholt, eine Infrastruktur an der Säbener Straße entwickelt, die wie ein Park ist, mit dem AUDI Dome eine kleine Heimat für die Basketballer geschaffen, mit der Allianz Arena eine Heimat für den Fußball. Wenn das Stadion in fünf, sechs Jahren, spätestens acht Jahren abbezahlt ist, dann steht der Verein super da. Auch die gesellschaftliche Stellung des Vereins ist so gut wie nie zuvor. Wenn plötzlich der Top-Manager von Henkel in einem Interview sagt: ‚Ich habe meinen Leuten gesagt, was können wir vom FC Bayern lernen?‘ Dann ist das fast ein Ritterschlag.“

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