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Retter Hoeneß

'Ich möchte etwas zurückgeben'

Als Spieler, Manager und Präsident hat er alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Weltpokal, Champions League, UEFA-Cup, Meisterschaft, Pokal, Weltmeisterschaft, Europameisterschaft und vieles mehr. Uli Hoeneß, der an diesem Donnerstag seinen 60. Geburtstag feiert, ist ein Siegertyp. Doch er hat nicht vergessen, dass es auch Verlierer gibt. Im Fußball genauso wie in der Gesellschaft. Sie hat der heutige FCB-Präsident nie aus den Augen verloren. „Man muss als Großer auch den Kleinen helfen“, sagte er.

50 D-Mark habe er in der Tasche gehabt, als er 1970 von Ulm nach München gekommen sei, erzählte Hoeneß einst. „Und dann hat mir der Fußball all das ermöglicht, was ich heute geworden bin. Irgendwann hat sich bei mir ein Gefühl gefestigt: Ich möchte etwas zurückgeben.“ Und das tut Hoeneß, auch wenn er darum am liebsten nicht viel Aufhebens macht. Zu seinem Ehrentag sei eine kleine Ausnahme gestattet.

Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, der FC St. Pauli, Energie Cottbus… Die Liste der Vereine, die kurz vor dem finanziellen Kollaps standen und bei Hoeneß Hilfe fanden, ist lang. Oft hat er seine Bayern zu einem Benefizspiel antreten lassen. Kostenlos. „Ohne Uli Hoeneß hätte unser Verein nicht überlebt“, berichtete beispielhaft Darmstadts Präsident Hans Kessler, „für Uli Hoeneß war es selbstverständlich, einem Traditionsverein wie uns zu helfen. Er sagte: 'Die große deutsche Fußballgemeinschaft muss zusammenstehen.' Das werde ich nie vergessen.“ Auch der Mainzer Dom und viele Stiftungen profitierten von Benefizspielen des FC Bayern. Seine Gagen für Werbe-Auftritte spendet er stets an soziale Projekte, häufig greift er auch tief in die eigene Tasche.

Legendär ist Hoeneß' Einsatz für verletzte Bayern-Profis. Er saß in ihren Krankenzimmern, wenn sie nach schwersten Operationen erwachten, er verlängerte Verträge von Spielern, die gerade für Monate verletzt ausfielen. Er saß jeden Morgen am Bett von Gerd Müller, als dieser wochenlang schwer krank war. Er versuchte alles, um zu helfen, als Sebastian Deisler an Depressionen erkrankte oder als die Tochter von Sammy Kuffour starb.

Gegen Krebs, für Zivilcourage

Für Not leidenden Menschen hat Hoeneß immer ein offenes Ohr. Für den ehemaligen FCB-Nachwuchstrainer Udo Bassemir, der an Leukämie erkrankte, setzte Hoeneß alle Hebel in Bewegung, um einen passenden Knochenmarkspender zu finden. Auch Ivan, einem ebenfalls krebskranken Junge aus der Ukraine, den der damalige Bayern-Manager bei einem Spiel in Kiew kennen lernte, konnte dank Hoeneß geholfen werden. Für beide wurden Knochenmarkspender gefunden, beide besiegten ihre schwere Krankheit.

Als 2009 in München ein Mann von Jugendlichen auf einem S-Bahnhof zu Tode getreten wurde, weil er Kinder schützen wollte, die sich bedroht fühlten, würdigte Uli Hoeneß den verstorbenen Dominik Brunner beim nächsten Heimspiel in der Allianz Arena in einer ergreifenden Ansprache als „Vorbild für Zivilcourage und praktizierte Nächstenliebe“. Hoeneß sagte: „Wir alle in der Gesellschaft sind aufgerufen, da nicht still zu sein. Wir müssen uns alle gegen Gewalt wehren und vor allen Dingen gegen das Wegsehen.“ Ein paar Wochen später übernahm Hoeneß den Kuratoriumsvorsitz der Dominik-Brunner-Stiftung und gründete zusammen mit Politik, Polizei und Kirche die Initiative Münchner Courage, die Bürger zu Solidarität und Zivilcourage ermutigen will.

Aktiv im FC Bayern Hilfe e.V.

Zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner gründete Hoeneß im April 2005 den FC Bayern Hilfe e.V. Darin bündelt der Rekordmeister seitdem sein soziales Engagement für unschuldig in Not geratene Personen. Auslöser dafür war der Tsunami, der an Weihnachten 2004 im Indischen Ozean eine Katastrophe ausgelöst hatte. Der FC Bayern förderte danach den Wiederaufbau zerstörter Gebiete mit fast einer halben Million Euro und gründete ein paar Monate später den FC Bayern Hilfe e.V., der inzwischen von Hopfner geführt wird und in dessen Vorstand Hoeneß bis heute sitzt.

Uli Hoeneß hat vielen geholfen. Und er wird es auch weiter tun. Jupp Heynckes weiß: „Wenn ich ihn mitten in der Nacht um drei Uhr anrufen und um Hilfe bitten würde, würde er eine Stunde später auf der Matte stehen - und wenn er einen Lear-Jet nehmen müsste.“