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Manuel Neuer im Interview

'Ich will endlich mal die Schale'

Manuel Neuer ist eigentlich immer freundlich: Er grüßt höflich, er strahlt, er weiß, wie man sich zu benehmen hat. Nur zwei Dinge kann Bayerns Nummer überhaupt nicht leiden: Gegentore und Niederlagen! Zum Glück gab es davon in der Vorrunde der Saison 2011/12 nicht allzu viele (10 Gegentore, 4 Bundesliga-Niederlagen). Auch, weil Neuer im Tor des FC Bayern eine unglaubliche Souveränität ausstrahlte und da war, wenn er gebraucht wurde.

Das dies nicht so häufig der Fall war wie in seiner Zeit bei Schalke 04, sei „eine große Umstellung“ für ihn gewesen, wie er im Interview mit fcbayern.de verriet. Neuer hat diese gemeistert und ist aus dem Tor des deutschen Rekordmeisters sowie der Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken. Im ersten Teil des Interviews spricht der 25-Jährige unter anderem über das Trainingslager in Katar und seine Ziele für 2012.

Das Interview mit Manuel Neuer, Teil 1:

fcbayern.de: Manuel, waren die zwölf Tage Urlaub über Weihnachten genug, um die Akkus wieder voll aufzuladen?
Neuer: „Ich habe mich sehr gefreut das Team wiederzusehen. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Jedes Training macht mir riesig Spaß - auch wenn es im Trainingslager bei harten Einheiten ab und zu Momente gibt, in denen man lieber im Bett liegen würde.“ (lacht)

fcbayern.de: Wie fällt Dein Fazit des Trainingslagers in Katar aus?
Neuer: „Wir hatten ideale Bedingungen. Wetter, Plätze, die Arbeit war top. Wir haben gut gearbeitet und ich denke, dass wir gut vorbereitet in das Spiel in Gladbach gehen können. Doch noch haben wir elf Tage bis dahin und müssen weiter Gas geben.“

fcbayern.de: Hast Du vom Land Katar etwas sehen können?
Neuer: „Während des Trainingslagers nicht. Ich war einmal hier mit der U19, privat bislang noch nie. Ich weiß von dem Land nur, dass es etwa zwei Millionen Einwohner hat, aber nur ein Viertel echte Kataris sind. Das ist schon bewundernswert, was sie hier geschaffen haben, und das aus dem Nichts.“

fcbayern.de: Kannst Du Dich 2012 noch verbessern?
Neuer: „Ich möchte mich immer weiterentwickeln, es gibt kein spezifisches Detail, wo ich jetzt sagen kann, das fehlt mir noch. In jedem Bereich will ich die Messlatte höher legen. Ich will immer an meine Grenzen kommen und hoffe, dass ich noch Luft nach oben habe.“

fcbayern.de: Du wurdest von der Internationalen Föderation für Fußball-Geschichte und -Statistik (IFFHS) zum zweitbesten Torhüter der Welt gewählt. Eine Ehre?
Neuer: „Definitiv ist diese Auszeichnung etwas Besonderes für mich. Aber generell ist für mich der Erfolg mit der Mannschaft viel wichtiger, ich bin ein Teamplayer und sehe mich nicht als Einzelkämpfer. Auch wenn ich Tennis spiele, trete ich lieber im Doppel als im Einzel an. Sich zusammen zu freuen macht deutlich mehr Spaß - auch abseits des Sports.“

fcbayern.de: Du musstest Dein Spiel beim FC Bayern umstellen, da Du viel weniger zu tun bekommst als bei Schalke…
Neuer: „Es war nicht einfach für mich anfangs. Ich habe einige schwierige Situationen erlebt, bei denen ich von der einen auf die andere Sekunde hellwach sein musste. Und das ist schwierig, wenn man davor sehr lange nahezu beschäftigungslos war. Bayern war schon eine große Umstellung.“

fcbayern.de: Ist das sogar anstrengender als ständig geprüft zu werden?
Neuer: „Ja, vor allem für den Kopf ist es eine enorme Belastung. Man muss immer im Spiel sein, alles genau beobachten, hat aber kaum eine Möglichkeit sich auszuzeichnen.“

fcbayern.de: Wie kann man das trainieren?
Neuer: „Zunächst einmal benötigt man eine gute Ausdauer, damit man sich länger konzentrieren kann. Da habe ich sehr gute Werte. Und: Wenn ein Spieler mal verletzt ist oder jemand ausgewechselt wird, laufe ich schnell ins Tor und trinke einen Schluck. Da schalte ich für ein paar Sekunden komplett ab. Das tut richtig gut, auch wenn es sich vielleicht etwas blöd anhört. Diese Momente der Erholung können später im Spiel entscheidend sein.“

fcbayern.de: Mit welcher Einstellung bist Du im Sommer zum FC Bayern gekommen?
Neuer: „Ich habe natürlich nicht gleich um mich geschlagen und die Ellbogen ausgefahren, sondern habe erst einmal alles beobachtet. Es war mir aber klar, dass ich bei Bayern Verantwortung übernehmen werde und das auch von mir verlangt wird. Schließlich war ich schon bei Schalke Kapitän. Durch die Nationalmannschaft kannte ich schon viele Spieler. Das hat mir alles erleichtert. Im Ausland hätte ich mich schwieriger zurechtgefunden.“

fcbayern.de: Beim FC Bayern darfst Du endlich offen über Titel sprechen…
Neuer: „Ich finde es einfach besser mit offenen Karten zu spielen, da ich ein ehrlicher Typ bin. Warum sollte man nicht offen nach außen transportieren dürfen, welch hohe Ziele man sich steckt?“

fcbayern.de: Und die wären?
Neuer: „Ich will endlich mal die Schale. Das ist mein größtes Ziel - auch wenn das andere Spieler, die schon länger hier sind und das Ding schon oft in die Höhe gestreckt haben, nicht so gerne hören werden.“

fcbayern.de: Wo siehst Du den FC Bayern im internationalen Vergleich?
Neuer: „Das hat viel mit der Tagesform zu tun. Wir haben in der Champions League schon viele gute Leistungen gezeigt. Wenn wir das wiederholen oder noch toppen, dann können wir mit Barcelona oder Madrid mithalten.“

fcbayern.de: Wie sieht die Perspektive der Mannschaft aus?
Neuer: „Die ist sehr gut. Es gibt viele deutsche Nationalspieler, die allesamt langfristige Verträge haben. Das kann nur förderlich sein.“

fcbayern.de: Dein Vertrag geht bis 2016. Vorstellbar, für immer bei den Bayern zu spielen?
Neuer: „Ich bin jetzt erst mal hier angekommen und muss den Ball flachhalten. Vieles ist denkbar, aber ich habe einen langfristigen Vertrag und deshalb ist es zu früh, sich da festzulegen.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

Den zweiten Teil des Interviews mit Manuel Neuer lesen Sie am Dienstag bei fcbayern.de

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