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Nur noch Dritter

FCB muss 'schleunigst in die Gänge kommen'

Enttäuscht, wortlos und mit hängenden Köpfen verließen die Spieler des FC Bayern am Samstagabend das MAGE SOLAR Stadion in Freiburg. Kaum mehr als 30 Meter beträgt die Strecke von der Kabine durch die Mixed-Zone bis zum wartenden Mannschaftsbus, doch für die Akteure des Rekordmeisters war es nach dem enttäuschenden 0:0 im vorangegangenen Spiel beim Tabellenletzten kein einfacher Weg vorbei an den wartenden Pressevertretern.

„Das war heute nicht der FC Bayern, wie wir ihn uns vorstellen“, fand Christian Nerlinger deutliche Worte nach einem „sehr ernüchternden Abend“ im Breisgau, der ihn „sehr nachdenklich“ stimmte. Durch das torlose Remis bei den abstiegsbedrohten Freiburgen rutschte der FCB auf den dritten Tabellenplatz ab und hat nun vier Punkte Rückstand auf Titelverteidiger Borussia Dortmund. „Wenn wir so weitermachen wie heute, werden wir mit der deutschen Meisterschaft nichts am Hut haben“, erklärte Nerlinger.

Besonders die Leistung der Münchner in der ersten Halbzeit bezeichnete der FCB-Sportdirektor als „großes Rätsel. Wir haben alles vermissen lassen, was es braucht, um erfolgreichen Fußball zu spielen.“ Konkret vermisste Nerlinger „grundlegende Elemente wie Aggressivität, Einstellung und Laufbereitschaft“ bei der Mannschaft, die den angestrebten Meistertitel nun „nicht mehr in der eigenen Hand“ hat, wie Kapitän Philipp Lahm anmerkte. „Das war heute ein großer Rückschlag.“

Auch Trainer Jupp Heynckes war mit dem Auftritt seines Teams in den ersten 45 Minuten „sehr unzufrieden“. In der Vorbereitung auf die Begegnung habe er seine Spieler darauf hingewiesen, „dass wir auf einen Gegner treffen, der sehr aggressiv, sehr laufstark spielt und rustikal in die Zweikämpfe geht. Und das haben wir in der ersten Halbzeit zu spüren bekommen“, erklärte der Fußballlehrer nach dem Schlusspfiff.

Seine Elf habe die erste Halbzeit „verschlafen, viel zu pomadig gespielt. Wir haben gedacht, dass wir mit unseren spielerischen Mitteln hier zurechtkommen.“ Stattdessen hätte sie das „Tempo mit aufnehmen und gegenhalten“ müssen. „Das ist sehr enttäuschend, wir haben uns viel vorgenommen“, meinte Lahm, „aber in der ersten Halbzeit war das viel zu wenig von uns. Dann kann man auch hier in Freiburg nicht gewinnen.“

Nach der Halbzeitpause, in der Heynckes nach eigener Aussage „etwas laut und energisch“ gewesen ist, wurde das Spiel der Bayern besser. „Da haben wir Druck gemacht und Torchancen herausgearbeitet. Da war die Mannschaft so, wie ich es mir gewünscht habe“, so Heynckes, „wie man es normalerweise über 90 Minuten machen muss: mit Biss, mit Leidenschaft und mit Power. Da hatte meine Mannschaft ein anderes Gesicht.“

Die Alarmglocken schrillen

Doch trotz einer deutlichen Steigerung in Halbzeit zwei (Nerlinger: „Es war etwas besser, aber immer noch nicht genug“) reichte es am Ende nicht zum erhofften Dreier. „Es wirkt so, als ob einige nicht kapiert haben, um was es geht“, kritisierte Nerlinger. „Wir sind in der Liga gewaltig unter Druck, haben acht Punkte Vorsprung in vier Zähler Rückstand umgewandelt. Das ist sehr besorgniserregend. Spätestens jetzt schrillen beim FC Bayern die Alarmglocken.“

Vier Tage hat der FCB nun bis zum nächsten Spiel, dem ersten Champions-League-Achtelfinale beim FC Basel, um die Partie in Freiburg „knallhart“ (Heynckes) zu analysieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. „Wir müssen schleunigst in die Gänge kommen und uns anders präsentieren“, forderte Nerlinger. „Es müssen sich sehr schnell grundlegende Dinge ändern, sonst wird es eine enttäuschende Saison für den FC Bayern München.“

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