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In Horst-Hrubesch-Manier

Kopfball-Ungeheuer Müller trifft wieder

In Stuttgart hatte Thomas Müller bereits stark aufgespielt. Zwei Torvorlagen, nur ein eigener Treffer wollte nicht so recht gelingen. Auch ein paar Tage zuvor in Hamburg war der Torschützenkönig der WM 2010 knapp gescheitert. Am Samstag brach nun endlich der Bann: Müller traf zum 2:0-Endstand gegen den 1. FC Kaiserslautern, es war sein erstes Erfolgserlebnis nach fast 20 Stunden (1162 Minuten). „Es hat sich gut angefühlt“, sagte der Nationalspieler anschließend.

Es war ein Tor mit Ankündigung - und zwar im doppelten Sinne. Nicht nur Müllers aufsteigende Form deutete darauf hin. Auch familieninterne Unterstützung trug seinen Teil dazu bei: Thomas‘ Bruder Simon, der derzeit ein Praktikum auf der Geschäftsstelle des FC Bayern absolviert, war sich bereits am Freitag vor der Partie sicher: „Morgen ist es soweit, der Thomas macht eine Bude.“ Simon schmunzelte dabei, es war wohl brüderliche Intuition.

Denn Thomas ließ sich einen Tag später nicht lange bitten und erfüllte mit einem phänomenalen Kopfball in Horst-Hrubesch-Manier den Wunsch seines jüngeren Bruders. „Ich war überrascht, dass ich so hoch springen und mich gegen drei Bullen durchsetzen kann“, sagte der bestens gelaunte Müller nach seinem Treffer (30.) und fügte an: „In solchen Höhen war ich wohl niemals zuvor.“

Auch seine Teamkollegen staunten nicht schlecht, nachdem Müller nach einem Freistoß von Toni Kroos per Kopf eingenetzt hatte. „Ein grandioses Tor“, sagte Mario Gomez, „erst habe ich gedacht, er hat sich alles gebrochen - aber wie er so ist der Müller: Dann steht er auf und lacht.“ Drei Verteidiger des 1. FC Kaiserslautern und Torhüter Kevin Trapp hatte Müller einfach übersprungen. „Hut ab!“, erklärte Gomez und Kapitän Philipp Lahm berichtete mit einem Augenzwinkern: „Ich habe mich schon gewundert.“

Keine Späßchen in der Mannschaft

Seit dem 24. September 2011 (3:0 gegen Leverkusen) war Müller einem Tor nachgejagt, die Medien zählten die Minuten. Eine Tatsache, die den 22-Jährigen offenbar kalt ließ. „Ich habe mich damit nicht explizit beschäftigt“, sagte Müller. Es gehe bei ihm nicht in erster Linie um die Torausbeute, sondern darum, „dass ich meinen Beitrag zu unserem Spiel leiste“.

Gomez sieht das ähnlich. „Thomas definiert sich nicht über Tore“, erklärte er. Dennoch habe er sich sehr über Müllers Treffer gefreut. Intern habe es das Minutenzählen nicht gegeben. Denn dies, so Gomez, hätte Müller sicher nicht lockerer gemacht und den Druck weiter erhöht. „Auch nicht aus Spaß“, fügte der TORero an, denn: „Beim Spaß ist auch immer ein bisschen Ernst dabei.“

'Sich damit nicht belasten'

Für Cheftrainer Heynckes war es „eine Frage der Zeit“, wann Müller wieder treffen würde: „Ich habe ihm gesagt, dass er sich damit nicht belasten soll, sondern einfach versuchen, die Durststrecke zu beenden.“ Im Training und auch in den vergangenen Spielen habe Müller richtig überzeugt, erklärte Heynckes.

Christian Nerlinger betonte, „dass es mal Phasen gibt, in denen man Pech im Abschluss hat“. Doch Müller sei ein Typ, der „gut damit umgehen“ könne, so der Sportdirektor. Trotz allem war auch bei Müller nach der Partie die Erleichterung über das ersehnte Erfolgserlebnis zu spüren. Bei Bruder Simon bestimmt auch. Denn der wird - wie Thomas - darauf nun fürs Erste nicht mehr angesprochen.

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