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'Ein geiles Gefühl'

FCB freut sich auf 'Fußballfest' in Berlin

Die Zuschauer im Stadion und an den Fernsehgeräten rieben sich verwundert die Augen. Ist das wirklich David Alaba? Er war es tatsächlich. Erst 19 Jahre jung, aber bereits abgezockt wie ein alter Hase marschierte der Österreicher als erster Schütze zum Elfmeterpunkt - und verwandelte eiskalt. Es war der Startschuss für ein blitzsauberes Elfmeterschießen des FC Bayern: Nach Alaba gaben sich auch Franck Ribéry, Philipp Lahm und Toni Kroos keine Blöße, während die Gladbacher Dante und Havard Nordtveit patzten bzw. an Manuel Neuer scheiterten.

Es brachen alle Dämme. Der Jubel über den 4:2-Sieg nach Elfmeterschießen im DFB-Pokal-Halbfinale bei Borussia Mönchengladbach kannte keine Grenzen mehr. „So ein geiles Gefühl. Die Freude ist riesig“, sagte Mario Gomez stellvertretend für seine Teamkollegen. Sportdirektor Christian Nerlinger fügte an: „Wir sind überglücklich, dass wir unseren Traum von Berlin erfüllt haben.“ Am 12. Mai wird dort nun das Finale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund steigen.

Es war allerdings ein steiniger Weg, den die Münchner am Mittwochabend zu bewältigen hatten. Der Bundesliga-Dritte Gladbach leistete erbitterten Widerstand - wie schon in den beiden vorherigen Duellen dieser Saison. Nach zwei Niederlagen (0:1, 1:3) hatten die Bayern diesmal allerdings das bessere Ende für sich. Und das völlig verdient. Denn bereits in den ersten 90 Minuten hatten Toni Kroos (6. Minute), Gomez (15.) oder Arjen Robben (49.) den Siegtreffer auf dem Fuß.

„Das Vergeben dieser Gelegenheiten ist das Einzige, was ich meinem Team ankreiden kann. Sonst haben wir eine großartige Gesamtleistung gebracht“, zeigte sich Cheftrainer Jupp Heynckes, der seinen grippalen Infekt überwunden hat, hoch zufrieden. Geburtstagskind Nerlinger lobte ebenfalls das „sehr kompakte“ Auftreten des Rekordmeisters und die Tatsache, dass der FCB auch in der Verlängerung noch zusetzen konnte: „Wir haben gezeigt, dass wir topfit sind.“

Trotz der Überlegenheit des FC Bayern (19:11 Torschüsse) hatte auch Gladbach in Person von Marco Reus (81.) die Riesenchance, die Partie vorzeitig zu entscheiden. In Neuer fand der Nationalspieler allerdings seinen Meister. „Gladbach war brandgefährlich“, sagte Nerlinger. Coach Heynckes sah einen „außergewöhnlichen Pokal-Fight zweier sehr guter Mannschaften“, Neuer erklärte: „Gladbach ist schwer zu spielen. Wir können mit unserer Leistung glücklich und zufrieden sein.“

Und so fiel die Entscheidung schließlich im Elfmeterschießen. „Reine Glückssache“, wie Torhüter Neuer später analysierte. Alaba machte nervenstark den Anfang. „Der Trainer hat mich gefragt und ich habe mich gut gefühlt. Zum Glück ist er reingegangen“, blickte der Jungspund zurück. Respekt erntete Alaba auch von seinen Kollegen. Ribéry sagte: „David ist erst 19, aber ein guter Junge. Ich bin glücklich für ihn.“

Zum 18. Mal nach Berlin

Auch Ribéry selbst, Lahm und Kroos blieben im Gladbacher Hexenkessel cool. „Unsere Schützen sind sehr sicher und haben eine gute Schusstechnik. Das hat man gesehen“, erklärte Kapitän Lahm. Ein echter Nervenkrimi, den die Münchner für sich entschieden. Auch dank Neuer, der den entscheidenden Elfmeter von Nordtveit parierte.

Enttäuschung bei Gladbach (Trainer Lucien Favre: „Das ist schwer zu verdauen.“), Vorfreude auf das Finale in Berlin bei den Bayern. Es ist das 18. in der Geschichte des deutschen Rekordmeisters. „Das ist ein Highlight - das wird ein Fußballfest“, sagte Präsident Uli Hoeneß. Elfmeter-Matchwinner Neuer, der im vergangenen Jahr mit seinem Ex-Verein Schalke 04 Pokalsieger wurde, fiebert bereits jetzt dem Duell der „beiden derzeit besten deutschen Teams“ entgegen: „Das wird ein richtiger Kracher, ich will meinen Titel verteidigen.“

Jetzt Hannover, dann Marseille

Doch bis dahin sind es noch knapp zwei Monate. Vorher, weiß Kroos, „haben wir zunächst viele andere Aufgaben zu bewältigen“. Am Samstag wartet Hannover in der Bundesliga, am Mittwoch Olympique Marseille in der Champions League. Mit diesem Mut, dieser Leidenschaft und diesem Siegeswillen sollte der FCB den eingeschlagenen, „guten Weg“ (Neuer) aber nicht mehr verlassen.