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Von Phantom- bis Turbantor

FCB gegen FCN - ein Derby, viele Geschichten

FCB gegen FCN, Bayern gegen Franken, zum 184. Mal steigt am Samstag das Derby zwischen dem deutschen Rekordmeister und dessen Vorgänger. 1987 löste der FC Bayern mit seiner zehnten Meisterschaft den Club als Rekordtitelträger ab. Dies, die räumliche Nähe (rund 150 Kilometer) und die traditionelle bayerisch-fränkische Rivalität machen das Spiel zu einem immer heißen Derby.

„Für die Fans ist dieses Spiel sehr wichtig. Also ist es das auch für uns“, sagte David Alaba, der „leidenschaftlich“ kämpfende Gastgeber erwartet. „In Nürnberg war es bisher immer eng“, weiß Thomas Müller, wie schwer sich der FC Bayern gerade auswärts gegen die Clubberer zuletzt getan hat.

Das zeigt auch ein Blick in die Statistik. Aktuell warten die Münchner seit 2005 auf einen Sieg in Nürnberg (3 Remis, 1 Niederlage). Insgesamt feierten sie in Nürnberg in 27 Bundesligaspielen nur 12 Siege (8 Niederlagen, 7 Unentschieden). Die Tordifferenz ist sogar negativ (39:42). Zuletzt, im April 2011, endete das Auswärtsspiel in Nürnberg 1:1. Doch dies ist nur eines von mehreren denkwürdigen Derbys zwischen Bayern und Nürnberg. fcbayern.de hat in den Annalen nachgeschlagen.

Das erste Liga-Derby
Vor mehr als 45 Jahren, am 30. Oktober 1965, trafen der FC Bayern und der 1. FC Nürnberg zum ersten Mal in der Bundesliga aufeinander. 40.000 Zuschauer im Grünwalder Stadion sahen eine einseitige Partie. Der Aufsteiger aus Münchner dominierte, schaffte es aber nicht, den Nürnberger Abwehrriegel zu knacken. 0:0 hieß es am Ende und FCB-Trainer Tschik Cajkovski schimpfte über die destruktive Spielweise der Franken.

Die bitterste Niederlage
Zwei Jahre später, am 2. Dezember 1967, war der FC Bayern zu Gast in Nürnberg und kassierte die bis heute höchste Niederlage gegen Nürnberg, die in Franken als legendär gilt. 7:3 gewann der Club, FCN-Stürmer Franz Goldköpfchen Brungs traf fünf Mal - ein Kunststück, das seitdem keinem Nürnberger Spieler in der Bundesliga mehr gelang. Am Ende der Saison machten die Franken nach einem 2:0-Sieg gegen Bayern am vorletzten Spieltag die deutsche Meisterschaft perfekt - es ist bis heute ihre letzte.

Die letzte Niederlage
Nur ein einziges Mal ging der FC Bayern im neuen Jahrtausend gegen den 1. FC Nürnberg als Verlierer vom Platz. Am 2. Februar 2007 ließen die Nürnberger, die die Saison als DFB-Pokalsieger abschlossen, den Münchnern beim 3:0 (1:0) im Frankenland keine Chance. Ivan Saenko, Markus Schroth und Robert Vittek sorgten für einen verhagelten Einstand von Ottmar Hitzfeld, der einen Tag zuvor Felix Magath als FCB-Chefcoach beerbt hatte.

Das Turbantor
Legendär bis heute ist auch das Pokalfinale vom 1. Mai 1982 zwischen Bayern und Nürnberg. Zur Halbzeit führten die Clubberer im Frankfurter Waldstadion mit 2:0, doch dann überrollten die Münchner die Franken. Karl-Heinz Rummenigge, Wolfgang Kraus und Paul Breitner drehten die Partie, in Erinnerung blieb aber vor allem der Schlusspunkt durch Dieter Hoeneß. Der FCB-Stürmer hatte in der ersten Halbzeit nach einem Zusammenstoß mit Nürnbergs Alois Reinhardt eine drei Zentimeter große Platzwunde davongetragen, spielte aber mit einem Turban-ähnlichen Verband weiter. Und in der 89. Minute erzielte er den 4:2-Endstand - per Kopf.

Das Phantomtor
War der Ball drin? Im Münchner Olympiastadion machte sich bereits ein enttäuschtes Stöhnen breit, die FCB-Profis hatten schon abgedreht, doch der Linienrichter hatte ein Tor gesehen. In der 24. Minute des Bundesligaspiels zwischen Bayern und Nürnberg am 23. April 1994 fiel einer der kuriosesten Treffer der deutschen Fußballgeschichte, der keiner war. Nach einer Ecke stocherte Thomas Helmer den Ball am Tor vorbei, doch der Linienrichter hatte den Ball im Tor gesehen und der Schiedsrichter folgte seiner Auffassung: 1:0 für Bayern. Am Ende gewann der FCB 2:1, auch weil Nürnbergs Manfred Schwabl kurz vor dem Abpfiff mit einem Elfmeter an Raimond Aumann scheiterte. Die Nürnberger protestierten und zehn Tage später gab es ein Wiederholungsspiel (siehe nächster Punkt).

Der höchste Bayern-Sieg
Dieses Wiederholungsspiel führte zum bislang höchsten Bayern-Sieg im bayerisch-fränkischen Derby. 5:0 gewannen die Münchner am 3. Mai 1994 (2x Mehmet Scholl, 2x Bruno Labbadia, 1x Dietmar Hamann) und feierten vier Tage später die Meisterschaft. Die Nürnberger hingegen stiegen ab. Besonders bitter: Hätte Schwabl im ersten Duell den Elfmeter genutzt und die Partie wäre 2:2 ausgegangen, wäre der Club in der Bundesliga geblieben und Bayern wäre nicht Meister geworden (vorausgesetzt, die Ergebnisse aller übrigen Spiele bleiben unverändert).

Das Wettschießen
Sage und schreibe 18 Schüsse vom Elfmeterpunkt brauchte es, bis in der Zweitrundenpartie des DFB-Pokals zwischen Bayern und Nürnberg am 28. Oktober 2003 der Sieger feststand. Nach 90 Minuten und Verlängerung hatte es im Olympiastadion 1:1 gestanden (Tore: Vittek und Makaay), es folgte ein denkwürdiges Elfmeterschießen. Nach 17 Versuchen (und je zwei Fehlschüssen auf jeder Seite) stand immer noch kein Sieger fest, dann stand Nürnbergs Mark Nikl am Punkt - und scheiterte an Oliver Kahn. Der FC Bayern gewann mit 8:7 n.E.

Der Olympiastadion-Abschied
Der 1. FC Nürnberg war der Gegner des FC Bayern im letzten Spiel im Olympiastadion. Am 14. Mai 2005 verabschiedete sich der Rekordmeister mit einem klaren 6:3 (5:0)-Derbysieg von der langjährigen Spielstätte. Schon zuvor war dem FCB die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen gewesen. Die beiden letzten Tore im Olympiastadion schoss aber ein Nürnberger: der Slowake Samuel Slovak.

Die letzten Derbys
In der Hinrunde (29. Oktober 2011) feierte der FCB einen klaren 4:0-Erfolg gegen den 1. FCN. Mario Gomez, Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry machten schon vor der Pause alles klar, im zweiten Durchgang besorgte Gomez den Endstand. „Das war ein Duell auf Nicht-Augenhöhe“, sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking nach dem Schlusspfiff. Ein halbes Jahr zuvor, am 29. April, war der FC Bayern zum letzten Mal bei den Franken zu Gast und kam nicht über ein 1:1 hinaus. Christian Eigler egalisierte damals die Pausenführung der Bayern durch Thomas Müller. Nach dem Schlusspfiff sah Arjen Robben zudem die Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung. Am Tag danach wurde Louis van Gaal beurlaubt und Andries Jonker wurde Interimscoach.

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