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'Großes Kompliment'

FCB holt 'Traumergebnis' am Mittelmeer

Noch einen kleinen Happen essen. Und ab ging’s auf die Zimmer. „Wenn wir früher auswärts im Europapokal 2:0 gewonnen haben, ist der Champagner in Strömen geflossen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beim nächtlichen Bankett. Doch für Ausgelassenheit ist beim FC Bayern Ende März 2012 noch kein Platz. „Liebe Spieler, es steht noch sehr viel Arbeit an. Am Ende, wenn dann alles vorbei ist, können wir hoffentlich feiern“, fuhr Rummenigge fort. Bis dahin wird es Anfang/Mitte Mai sein, doch die Basis für eine erfolgreiche Saison ist geschaffen.

Der FC Bayern ist DFB-Pokal-Finalist, Tabellenzweiter in der Bundesliga - und seit Mittwochabend steht auch die „Tür zum Halbfinale“ der Champions League „sehr weit“ offen, wie Rummenigge nach dem 2:0 (1:0)-Auswärtssieg des deutschen Rekordmeisters bei Olympique Marseille im Viertelfinale-Hinspiel betonte: „Wir haben den Abend sehr genossen. Großes Kompliment an die Mannschaft.“

Mario Gomez (44. Minute) und Arjen Robben (69.) sorgten mit ihren Treffern für „sehr zufriedene“ (Rummenigge) Gesichter im Lager der Bayern. Sportdirektor Christian Nerlinger sprach von einem „Traumergebnis“ und Cheftrainer Jupp Heynckes resümierte: „Das war ein verdienter Sieg und bis auf wenige Momente eine souveräne Vorstellung meiner Mannschaft.“ Für Arjen Robben, der neben seinem Tor auch noch einen Assist beisteuerte, war es „ein großer Schritt“.

Allerdings auch ein hart erkämpfter: Denn die Bayern hatten im ersten Durchgang Probleme mit der aggressiven, bissigen Spielweise der Franzosen. Um ein Haar hätte Stürmer Loic Remy OM früh in Führung geschossen (7.). „Zum Glück“ sei dies nicht passiert, blickte Kapitän Philipp Lahm zurück. In dieser Anfangsphase habe man „zu viele Bälle verloren und einige Konter bekommen“, sagte Jérôme Boateng.

Das Tor von Gomez fiel dann zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt kurz vor dem Pausenpfiff. „Das war eine Befreiung“, fand Boateng. Während Marseille-Coach Didier Deschamps darin den Knackpunkt sah („Das hat uns schwer getroffen.“), freute sich Heynckes über die tolle Entstehung des elften CL-Tores von Gomez: „Über zwei, drei Stationen in die Spitze. Dieses vertikale, direkte Spiel - das ist das, was wir in den letzten Wochen wesentlich besser machen.“

Nach dem Wechsel hatten die Münchner dann bedingt durch die Führung mehr Räume. „Die haben wir ganz gut genutzt“, sagte Lahm. Sportdirektor Nerlinger lobte die „Abgeklärtheit“, mit der der FC Bayern im zweiten Durchgang agierte. Robben gestaltete den Sieg schließlich noch komfortabler. „Ein super Doppelpass mit Thomas Müller“, fand Heynckes. Und so kann der deutsche Rekordmeister entspannt dem Viertelfinal-Rückspiel am kommenden Dienstag in München entgegenblicken.

Ribéry fordert volle Konzentration

Jedoch nur nicht zu entspannt, warnten Spieler und Verantwortliche. „Wichtig ist, dass wir mit Respekt und Konzentration dann auch den zweiten Schritt Richtung Halbfinale machen, wo wir dann zu 99 Prozent auf Real Madrid treffen würden“, forderte Rummenigge in seiner Bankettrede. Franck Ribéry, der an seiner alten Wirkungsstätte von den Marseille-Fans ausgepfiffen und vom Bayern-Anhang gefeiert wurde, mahnte: „Wir dürfen nicht schon denken, wir spielen gegen Real - nein, nein!“ Der Franzose forderte „volle Konzentration und Disziplin“.

Auch Bastian Schweinsteiger, der in Marseille erstmals seit drei Partien wieder im Kader stand und im zweiten Durchgang eingewechselt wurde, bremste die Euphorie. Noch sei nichts entschieden: „Die haben in Dortmund auch drei Tore gemacht. Man muss aufpassen und sehr konzentriert zu Werke gehen.“ Er selbst wird dann gelbgesperrt nicht dabei sein können, was er angesichts seiner langen Pause bedauert. „Für mich ist das nicht so gut. In meiner Phase bin ich um jede Minute Spielpraxis froh.“

Wermutstropfen: Zu viele Gelbe Karten

Neben Schweinsteiger sahen mit Lahm, Toni Kroos, Luiz Gustavo und David Alaba vier weitere Bayern-Spieler den gelben Karton vom spanischen Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo. Damit droht Kroos, Luiz Gustavo sowie Müller und Boateng, die bereits nach Marseille mit der Last von zwei Gelben Karten gefahren waren, bei der nächsten Verwarnung eine Sperre. Eine Tatsache, die FCB-Coach Heynckes ärgerte: „Das ist das Einzige, was ich bemängeln muss. Das ist viel zu viel.“

Überstrahlen konnte dies die Freude über den fünften Pflichtspielsieg in Serie allerdings nicht. Auch die Rückkehr von Schweinsteiger sorgte für Erleichterung. „Wir brauchen Spieler mit seiner Qualität im Endspurt“, stellte Rummenigge fest. Schweinsteiger sei eine „große Option für den Trainer“. Der Genesene selbst zeigte sich „froh“, wieder gesund zu sein - und richtete als Vize-Kapitän gleich einen Appell an seine Kollegen: „Noch ist das Halbfinale nicht sicher. Real Madrid muss man komplett ausblenden!“ Und auch fürs Feiern ist noch keine Zeit.

Für fcbayern.de in Marseille: Nikolai Kube

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