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Ribéry, Beckenbauer, Deschamps

Olympique Marseille im Portrait

Bis 1899 reicht die Geschichte von Olympique Marseille zurück, ein Pflichtspielduell mit dem FC Bayern (seinerseits nur ein Jahr später gegründet) hat es aber noch nie gegeben. Die Verbindungen zwischen den beiden traditionsreichen Klubs, die sich nun im Viertelfinale der Champions League erstmals gegenüberstehen, sind dennoch eng, zumindest enger, als man mit Blick in die Europapokal-Geschichtsbücher denken könnte.

Die sichtbarste Verbindung soll am 28. März und 3. April maßgeblich daran beteiligt sein, dass sich der FC Bayern gegen OM, wie der neunfache französische Meister genannt wird, durchsetzt: Franck Ribéry trug von 2005 bis 2007 das weiß-blaue Trikot des Klubs aus Marseille, dann wechselte er nach München. Und auch FCB-Innenverteidiger Daniel van Buyten hat eine Vergangenheit an der französischen Mittelmeerküste: Von 2001 bis 2003 schnürte er für Olympique seine Fußballschuhe.

Und dann ist da Franz Beckenbauer. Le Kaiser, wie der heutige FCB-Ehrenpräsident auch in Marseille genannt wird, agierte in der Saison 1990/91 zunächst als Cheftrainer, später als Sportdirektor OMs und erreichte mit dem Klub das Finale des Landesmeistercups, das allerdings mit 3:5 i.E. gegen Roter Stern Belgrad verloren wurde.

Und dann ist da noch Robert Louis-Dreyfus. Der 2009 verstorbene Geschäftsmann machte in den 90er Jahren Bayern-Partner adidas zum größten Sportartikelhersteller Europas und saß bis in die Saison 2002/03 im Verwaltungsbeirat des FC Bayern. Ab Dezember 1996 war Louis-Dreyfus Hauptaktionär und Präsident von Olympique Marseille, heute ist seine Gattin Margarita Hauptaktionärin. „Sie ist eine gute Bekannte von Uli Hoeneß“, berichtete OM-Präsident Vincent Labrune nach der Auslosung am Freitag.

Größter Triumph in München

In Marseille hat Robert Louis-Dreyfus Ende der 90er Jahre den krisengeschüttelten und fast insolventen Klub - nach einer Bestechungsaffäre um Präsident Bernard Tapie wurde OM eine Meisterschaft (1993) aberkannt und 1994 in die zweite Liga zwangsversetzt - wieder nach oben geführt. Zweimal erreichte Olympique unter Präsident Louis-Dreyfus das Finale des UEFA-Pokals (1999, 2004). International ließ Marseille also wieder aufhorchen, national dauerte es aber bis 2010, ehe die Durststrecke beendet war: Nach 18 Jahren gewann OM endlich wieder die Meisterschaft.

Mit dem Titel sowie den Vizemeisterschaften 2009 und 2011 scheint Marseille endlich an seine erfolgreichsten Jahre rund um 1990 anzuknüpfen. Vier Mal in Folge (1989, 1990, 1991, 1992) wurde der Klub damals Meister, erreichte die Halbfinals im Pokalsiegercup (1988), im Landesmeistercup (1990) sowie das Landesmeistercup-Endspiel (1991). 1993 folgte schließlich der bis heute einzige französische Triumph in der (damals neu geschaffenen) Champions League. Im Finale besiegte OM im Münchner Olympiastadion den AC Mailand mit 1:0.

Deschamps auf der Bank

Als Erster reckte damals Didier Deschamps den Henkeltopf in die Höhe - heute sitzt der langjährige OM-Spieler auf der Trainerbank Marseilles. Der inzwischen 43 Jahre alte französische Welt- und Europameister hat den Klub seit seinem Amtsantritt im Mai 2009 auf Erfolg getrimmt. Nach Platz eins (2010) und zwei (2011) in der Liga erlebt OM nun auf internationalem Parkett seine erfolgreichste Saison seit Jahren.

In der Champions-League-Gruppenphase belegten die Franzosen, die den deutschen Meister Borussia Dortmund zweimal besiegten (3:0, 3:2), Platz zwei hinter Arsenal London. Im Achtelfinale setzten sie sich gegen Inter Mailand aufgrund der Auswärtstorregelung durch. Im heimischen Stade Vélodrom, das derzeit für die EM 2016 auf 67.000 Zuschauer ausgebaut und überdacht wird, gewann OM 1:0, das Rückspiel in Mailand endete nach zwei Toren in der Nachspielzeit 1:2.

Eine starke Achse

Deschamps kann sich in seinem 4-2-3-1-System auf eine starke Achse stützen. Im Tor ist Kapitän Steve Mandana ein großer Rückhalt, der französische Nationaltorhüter ist im Hinspiel gegen den FC Bayern aber ebenso wie Innenverteidiger Souleymane Diawara gesperrt. Im defensiven Mittelfeld agiert mit Nationalspieler Alou Diarra, von 2000 bis 2002 im Kader des FCB II, ein erfahrener Mann. Davor auf der Zehn zieht Mathieu Valbuena die Fäden im Offensivspiel, mit elf Vorlagen ist er der beste Vorbereiter der Ligue 1. Und in der Sturmspitze ist Loic Remy der torgefährlichste Marseillais, flankiert auf den Flügeln von André Ayew und Morgan Amalfitano.

In dieser Saison drückt Olympique, das in der Liga als Achter keine Titelchancen mehr besitzt, aber vor allem in der Offensive der Schuh. Nur neun Tore gelangen OM in den acht Champions-League-Partien dieser Saison, in der Ligue 1 traf der Klub in 27 Spielen 34 Mal ins Schwarze. Dafür ist auf die Defensive Verlass. Hinter Real Madrid (4 Gegentore) kassierte Marseille die wenigsten Gegentore (6) aller Viertelfinalisten, in der Liga verfügt der Klub über die drittbeste Abwehr (27).

Auf diese Stärke baut Marseille auch beim überfälligen Duell mit dem FC Bayern. In einer Blitzumfrage auf der Homepage des Klubs nach der Auslosung hielten 55 Prozent der OM-Fans das Weiterkommen für „machbar“, nur acht Prozent glaubten, das Los sei „zu schwer“.

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