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OM hofft auf Wunder

Ausgeruht gegen die 'große, starke Maschine'

Vergangenen Dienstag machte sich der FC Bayern auf den Weg nach Marseille, zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League. Das Bodenpersonal am Flughafen streikte, zahlreiche Flüge fielen aus. Der Bayern-Tross startete zum Glück trotzdem pünktlich. Den Spielern blieben somit lange, nervige Wartezeiten erspart. Sechs Tage später hat es nun Olympique Marseille erwischt. Die Franzosen kamen allerdings deutlich weniger glimpflich davon: Gegen 12 Uhr sollte OM in München landen - aufgrund eines Fluglotsenstreiks in Frankreich wurde es 17.30 Uhr.

„Es hätte schon besser laufen können“, sagte Trainer Didier Deschamps auf der Pressekonferenz in der Allianz Arena am Montag vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League beim FC Bayern (Dienstag, 20.45 Uhr). Defensivspieler César Azpilicueta erzählte: „Wir waren früh am Flughafen und haben dann nur gewartet. Der Abflug wurde immer weiter nach hinten verschoben.“

Als Ausrede für ein mögliches Ausscheiden gegen den FC Bayern will Trainer Deschamps die beschwerliche Anreise aber keinesfalls gelten lassen. Zumal sein Team am vergangenen Wochenende die Beine hochlegen konnte, während der deutsche Rekordmeister das schwere Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg absolvieren musste. Marseilles Ligapartie gegen Tabellenführer Montpellier war auf den 11. April verlegt worden, um sich voll und ganz auf das CL-Viertelfinale gegen den FCB konzentrieren zu können.

Ein Vorteil für Olympique? „Jetzt konnten wir mal wieder spezifisch arbeiten, was in den vergangenen englischen Wochen nicht möglich war“, berichtete Deschamps. Daher sei die Pause „sehr positiv“ gewesen. „Über mangelnde Frische werden wir uns nicht beklagen können.“ Müde Bayern erwartet der OM-Coach keinesfalls, der deutsche Rekordmeister sei die hohe Belastung gewohnt: „Sie sind weiterhin die große, starke Maschine, die auf allen Hochzeiten tanzen kann.“

Auswärtsstark in der Champions League

Aktuell sind dies noch drei. OM ist angereist, um das zu ändern. Trotz der 0:2-Niederlage im Hinspiel wollen die Franzosen in München „das Unmögliche möglich“ (Steve Mandanda) machen. Es habe im Fußball schon genügend Wunder gegeben, erinnerte Keeper Mandanda, der vor einer Woche gesperrt gefehlt hatte: „Wir müssen einfach alles geben und an unsere Chance glauben.“ Teamkollege Azpilicueta ist überzeugt davon, dass man „die Qualität“ habe, das Blatt noch zu wenden.

Optimismus bei den Spielern, die wohl nicht vergessen haben, dass sie in dieser Saison in der europäischen Königsklasse erst ein einziges Mal auswärts als Verlierer den Platz verlassen haben. In Dortmund und Piräus siegten die Franzosen, beim FC Arsenal erkämpften sie sich immerhin ein Remis. Und das 1:2 bei Inter Mailand war eine Niederlage, die Marseille gerne in Kauf nahm, da sie den Einzug ins CL-Viertelfinale bedeutete.

Vorzeichen stehen 'nicht besonders gut'

Deschamps klingt da schon weit weniger euphorisch. Der OM-Trainer, dessen letztes Europapokalspiel als Spieler das CL-Finale 2001 gegen den FC Bayern war (Deschamps gehörte zum Kader des FC Valencia, kam aber nicht zum Einsatz), war am Montagabend mit den Gedanken wohl eher bei den jüngsten Auftritten seiner Mannschaft: Seit neun Pflichtspielen wartet Marseille auf einen Sieg. Noch schlimmer: Acht der vergangenen neun Partien gingen sogar verloren.

„Man muss realistisch sein: Nach diesem Hinspiel-Ergebnis steht den Bayern das Tor ins Halbfinale weit offen“, sagte Deschamps. Die Vorzeichen seien „nicht besonders gut“. Zumal es sein Team mit einem „sehr heimstarken Gegner“ zu tun bekomme: „Uns steht viel Qualität gegenüber. Das macht es umso schwieriger.“ Auch das französische Volk glaubt nicht an das Wunder von München. In einer L'Équipe-Umfrage meinten mehr als 90 Prozent, OM sei chancenlos.

“Mal schauen, was dabei herauskommt“

Ganz abgeschrieben hat aber auch Deschamps, der ohne den gesperrten Ex-Bayer Alou Diarra auskommen muss, das Halbfinale der Champions League mit Sicherheit nicht. „Wir werden alles aus uns herausholen und dann schauen wir mal, was dabei herauskommt“, erklärte Deschamps. Für sein Team gehe es um das „Image auf internationaler Bühne“. Der Coach forderte: „Ich erwarte eine würdevolle Leistung auf hohem Niveau. Viele Vereine würden gerne im Viertelfinale stehen und mit uns tauschen.“

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