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Die tragischen Helden

Badstuber, Gustavo und Alaba fehlen im Finale

Präsident Uli Hoeneß sprach von einer „Katastrophe“, Trainer Jupp Heynckes fand es „sehr bitter“. Für drei Profis des FC Bayern platzte der Traum vom Champions-League-Finale im eigenen Stadion trotz des Triumphes in Madrid wie eine Seifenblase. Wenn der deutsche Rekordmeister am 19. Mai in der heimischen Allianz Arena nach der Krone des europäischen Fußballs greift, müssen David Alaba, Holger Badstuber und Luiz Gustavo gesperrt zuschauen.

„Ich habe großen Mitleid mit den Jungs“, erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in seiner Bankettrede nach dem vierten Finaleinzug in der Champions League nach 1999, 2001 und 2010. Heynckes beklagte den „Wermutstropfen, drei so wichtige Spieler für das Finale verloren zu haben“. Es war eine komische Situation für das Bayern-Trio: Auf der einen Seite die gigantische Freude über den Triumph im Estadio Santiago Bernabéu, auf der anderen Seite die schmerzhafte Enttäuschung über die Sperre.

Alaba traf es bereits nach wenigen Minuten, Luiz Gustavo und Badstuber sahen in der ersten Halbzeit der Verlängerung Gelb. Eigentlich keine große Sache - wäre da nicht diese „diskussions- und wahrscheinlich veränderungswürdige“ (Rummenigge) Regel, nach der, anders als bei Welt- und Europameisterschaften, die Gelben Karten im laufenden Wettbewerb bis ins Halbfinale mitgenommen werden.

Der 19 Jahre junge Alaba musste bereits ab Minute fünf mit dem Laster leben, in einem möglichen Endspiel nicht dabei sein zu können. Reals Angel di Maria zog ab, Alaba bekam den Ball im Liegen gegen die Hand. Elfmeter und Gelb. Eine harte, aber regelkonforme Entscheidung des guten ungarischen Schiedsrichters Viktor Kassai. „Ich habe gedacht: Das kann jetzt nicht wahr sein“, erklärte Alaba später.

Für einen kurzen Moment sei er geschockt gewesen. Doch was blieb dem Österreicher anderes übrig, als einfach weiter Vollgas zu geben. „Ich habe versucht, mich abzulenken und nicht verrückt zu machen.“ Dies gelang bestens, Alaba war einmal mehr ein athletischer, zuverlässiger und für sein Alter unglaublich souveräner Linksverteidiger. Noch dazu verwandelte er eiskalt den ersten Strafstoß im Elfmeterschießen - wie schon im DFB-Pokal-Halbfinale in Gladbach.

„Der Trainer hat mich gefragt. Dann hab ich gesagt: Na gut, dann schieß ich halt den ersten“, blickte Alaba in seiner schüchtern sympathischen Art zurück. Der Youngster ebnete damit den Weg ins Finale. Dass er dieses nun verpassen wird, sei „bitter und enttäuschend. Aber es geht weiter.“ Gleiches gilt für Badstuber und Luiz Gustavo, die in der Verlängerung von Schiedsrichter Kassai verwarnt wurden.

„Natürlich ist das für mich ein etwas zwiespältiges Gefühl“, erklärte Innenverteidiger Badstuber, bei dem die Trauer aber wohl erst in einigen Tagen einsetzen wird. „Jetzt bin ich erst mal einfach nur stolz auf die Spieler, die Mannschaft und den Verein.“ Fußball sei ein Mannschaftssport, da gehören solche persönlichen Schicksale einfach dazu, so der Nationalspieler. Einen Hehl über seine Enttäuschung machte Badstuber aber nicht: „Es wird dann richtig bitter, wenn ich im Finale auf der Tribüne sitze.“

Auch bei Chelsea fehlen vier Stammspieler

Bayerns tragische Helden. Die Mitspieler litten mit. „Schade, dass nicht alle spielen können. Das hat ein Champions-League-Finale nicht verdient“, fand Philipp Lahm. Toni Kroos erklärte: „Wir hatten heute das zwölfte Champions-League-Spiel. Wenn man dann jemanden bestraft, der sich in zwölf Partien drei Gelbe Karten holt, ist das unglücklich.“ Doch Jammern hilft nichts, der FCB muss im Finale damit klarkommen - genau wie Chelsea, bei denen mit Terry, Ivanovic, Ramires und Mereiles gleich vier Stammspieler gesperrt fehlen werden.

„Der Trainer wird das gut lösen, davon bin ich überzeugt“, blickte Rummenigge voraus. Hoeneß appellierte an die Kollegen, „einfach für die Gesperrten mitzukämpfen“. Trainer Heynckes schnappte sich das Trio in der Stunde des Erfolgs sofort und baute sie auf: „Natürlich habe ich gesehen, dass sie enttäuscht waren.“ Nun bekämen die Fans weltweit im Finale „überragende Spieler“ nicht zu sehen. Das sei „sehr bitter“. Die Kollegen müssen es nun im Finale richten - auch für die ihre drei tragischen Helden.

Für fcbayern.de in Madrid: Nikolai Kube

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