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Der große Traum

Bayerns Finalgegner Chelsea im Portrait

Chelsea träumt. Und zwar seit neun Jahren. 2003 kaufte der russische Milliardär Roman Abramowitsch den Londoner Klub. Das Ziel war seitdem nicht nur der nationale Titel, der bis dato zum einzigen Mal 1955 gelungen war, sondern der ganz große Wurf. Jetzt könnte er gelingen. Am 19. Mai greift der FC Chelsea in der Münchner Allianz Arena gegen den FC Bayern nach dem Champions-League-Titel.

Dabei spielen die Blues in der englischen Premier League ihre schwächste Saison seit Abramowitschs Einstieg. Abgesehen vom dritten Rang 2009 erreichte Chelsea immer mindestens Platz zwei, dreimal (2005, 2006, 2010) wurden sie Meister - aktuell sind die Londoner nur Sechster! Trainer André Villas-Boas, der letzten Sommer von Europa-League-Sieger FC Porto verpflichtet worden war, musste im März seinen Platz räumen. Sein Co-Trainer Roberto Di Matteo, der von 1996 bis 2002 selbst das Chelsea-Trikot getragen hatte, übernahm interimsmäßig bis Saisonende.

Sensation im Camp Nou

Der Italiener setzt erstens wieder auf die Routiniers Frank Lampard (33), Didier Drogba (34) und John Terry (31), die zuvor auch mal auf der Ersatzbank gesessen hatten. Zweitens verordnete er dem Team eine defensivere Ausrichtung - und plötzlich kehrt der Erfolg zurück. In den bislang 15 Pflichtspielen unter Di Matteo gab es nur eine Niederlage (10 Siege). Im FA-Cup zog Chelsea ins Finale ein, in der Champions League drehte das Team im Achtelfinal-Rückspiel einen 1:3-Rückstand aus dem Hinspiel und erreichte nach Verlängerung (4:1) das Viertelfinale. Dort gab es zwei Siege gegen Benfica Lissabon (1:0 auswärts, 2:1 zuhause). Und dann kam Barcelona.

Mit einem 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel traten die Londoner am vergangenen Dienstag im Camp Nou an - und schafften tatsächlich die Sensation. Trotz mehr als einstündiger Unterzahl (Terry hatte in der 37. Minute Rot gesehen). Trotz eines 0:2-Rückstandes nach 43 Minuten. Trotz Weltfußballer Lionel Messi, der zweimal Aluminium traf. Ramires (43. Minute) und Fernando Torres (90.+1) schossen die mit Mann und Maus verteidigenden Engländer zu einem 2:2 und damit zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte ins Champions-League-Finale.

'Ein Wahnsinn'

„Heute haben wir gezeigt, aus welchem Holz wir geschnitzt sind“, sagte Trainer Di Matteo nach dem Schlusspfiff, „wir haben eine schwierige Saison hinter uns, aber wenn es wirklich wichtig wird, scheinen wir immer noch eine Schippe drauflegen zu können. Das haben die Spieler wohl irgendwie im Blut.“ Stürmer Juan Mata meinte: „Nach dem schwierigen Jahr ist es ein Wahnsinn, dass wir das Finale erreicht haben.“ Und Terry, der wie Branislaw Ivanovic, Raul Meireles und Ramires (alle 3. Gelbe) im Finale gesperrt ist, sagte: „Vor drei oder vier Monaten hätte das keiner vorhergesagt.“

2008 stand der FC Chelsea, der auf internationaler Ebene bislang zwei Erfolge im Europacup der Pokalsieger (1971, 1998) vorweisen kann, schon einmal im Champions-League-Finale. Damals mussten sich die Blues in Moskau in einem rein englischem Endspiel Manchester United nach Elfmeterschießen (6:7 n.E.) geschlagen geben. Diesmal wollen Drogba, Lampard, Cech & Co. es besser machen.

Gegen den FC Bayern hat Chelsea ganz gute Erfahrungen gemacht. Das bislang einzige Aufeinandertreffen mit dem deutschen Rekordmeister entschieden sie für sich. Im CL-Viertelfinale 2004/05 setzten sich die Engländer durch: An der Stamford Bridge gewannen sie 4:2 und kamen trotz einer 2:3-Niederlage im Rückspiel im Münchner Olympiastadion ins Halbfinale. Chelsea träumt!

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