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'Kleine Chance' nutzen

FCB hofft auf eine 'bayerische Sternstunde'

Rennende Kameramänner, Journalisten auf Stimmenfang. Unzählige Fans, die Fotos mit den Bayern-Stars schießen wollen. Dienstagmorgen am Flughafen München. Es war nicht zu übersehen: Fußball-Deutschland, München und die FCB-Fans im Speziellen fiebern dem „bisherigen Highlight dieses Jahres“ (Thomas Müller) entgegen! Um kurz vor elf hob der Bayern-Tross mit 290 Personen an Bord ab, etwas mehr als zwei Stunden später landete er in Madrid, wo am Mittwochabend (ab 20.45 Uhr im Liveticker und im Free-Webradio auf FCB.tv) das Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real angepfiffen wird.

„Wir haben bislang eine wunderbare CL-Saison gespielt. Das Halbfinale ist schon sehr viel. Jetzt werden wir versuchen, den Traum unserer Fans wahr werden zu lassen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bevor er im A 340-600 - dem längsten Flugzeug der Lufthansa - Platz nahm. Dieses Heim-Endspiel in der Allianz Arena zu erreichen wäre etwas „Historisches“, so der 56-Jährige weiter. Denn: „Das hat noch nie eine Mannschaft geschafft - selbst große Teams wie Barcelona oder Real Madrid nicht.“

Um diesen Coup zu schaffen, müssen die Bayern im ausverkauften Estadio Santiago Bernabéu den 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel verteidigen - keine einfache Aufgabe, wie Rummenigge weiß: „Durch das Last-Minute-Tor von Mario Gomez haben wir eine kleine Chance - und die werden wir versuchen zu nutzen.“ Uli Hoeneß glaubt, dass Real „alles reinlegen“ werde, um weiterzukommen. „Aber wir auch“, fügte der FCB-Präsident an.

Aber mit welcher Taktik? Fest steht: Hält der FCB bei den Königlichen defensiv die Null, wäre der Einzug ins Finale perfekt. „Ein schwieriges Unternehmen“, ist sich Cheftrainer Jupp Heynckes bewusst. Denn der Tabellenführer der spanischen Primera Division bricht derzeit in der heimischen Liga sämtliche Tor-Rekorde (109 Treffer in 34 Spielen, alleine Ronaldo erzielte 44 Tore). „Das zeigt, dass sie ein riesiges Offensivpotential haben. Real ist in Europa fast die Nummer eins“, erklärte Heynckes.

Mit einem 'Schuss Demut' gegen Real

Defensiv wird auf den FCB also einiges zukommen. Doch auch im Angriff wollen die Münchner „Nadelstiche setzen“ (Rummenigge). Denn: „Es wird wichtig sein, ein Tor zu erzielen.“ Dann müsste Real mindestens zweimal treffen, um zumindest in die Verlängerung zu kommen. Ein Blick auf die Statistik macht Hoffnung: Madrid hat in seinen 26 Heimspielen in dieser Saison 20 Mal ein Gegentor kassiert. Und: Der FCB blieb nur in sechs von 26 Auswärtspartien torlos.

Nichtsdestotrotz. Der deutsche Rekordmeister weiß, dass es einer „bayerischen Sternstunde“ (Rummenigge) bedarf, um den Traum vom Finale zu verwirklichen. Man habe „großen Respekt“ und werde mit einem „Schuss Demut“ an die Sache herangehen, erklärte Bayerns Vorstandsvorsitzender. Cheftrainer Heynckes ergänzte: „Es wird ein ganz enges Spiel. Aber wir sind in der Lage, auch in Madrid zu gewinnen.“

Heynckes hat die Qual der Wahl

In Madrid heißt im Bernabéu, in einem der „beeindruckendsten Stadien weltweit“, wie Müller meinte. Über 80.000 heißblütige Spanier werden versuchen, ihre Königlichen, die am Samstag den Rivalen FC Barcelona mit 2:1 besiegt und damit die heimische Meisterschaft fast unter Dach und Fach gebracht haben, nach vorne zu peitschen. Kein Grund zur Sorge, findet Bastian Schweinsteiger: „Die Zuschauer sind heiß, der Gegner ist heiß. Das alleine ist Motivation genug.“

Ob Schweinsteiger, der in dieser Saison aufgrund von Verletzungsproblemen zahlreiche Spiele verpasste, in der Startelf stehen wird, ließ Heynckes am Dienstag noch offen. Der Coach hat die Qual der Wahl: Bis auf Breno und Daniel van Buyten ist der gesamte Kader mit in die spanische Hauptstadt gereist. Zudem konnte Heynckes am vergangenen Wochenende in Bremen (2:1) einige Akteure schonen. „Das hat der Trainer wunderbar gemacht“, sagte Rummenigge.

7 Vorbelastete - trotzdem volle Pulle

Die Tatsache, dass sieben Bayern-Spieler (Badstuber, Boateng, Müller, Kroos, Alaba, Lahm, Luiz Gustavo) bei einer weiteren Gelben Karte für ein mögliches Endspiel gesperrt wären, soll derweil keine große Rolle spielen. „Es nützt uns gar nichts, keine Gelbe Karte zu bekommen, wenn wir ausscheiden“, merkte Hoeneß an. Schweinsteiger versprach: „Jeder wird voll in den Zweikampf gehen - so wie es sein muss.“

Und so freut sich der FC Bayern gemeinsam mit seinen Fans (4000 werden die Münchner im Stadion unterstützen) auf einen „Leckerbissen“ und ein „hockklassiges Fußballspiel“ (Heynckes). Vize-Kapitän Schweinsteiger weiß: „Es wird sehr emotional. Es gilt, von der ersten Minute an Vollgas zu geben, giftig zu sein, und die Tugenden, für die der FC Bayern steht, auf den Platz zu bringen.“ Dann könnte der große Traum vom Finale Wirklichkeit werden.

Für fcbayern.de in Madrid: Nikolai Kube

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