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Wettschießen um die Kanone

Gomez will 'hartnäckigen' Huntelaar abfangen

Es lief die 32. Minute. Die Bayern-Fans feierten seit Spielbeginn ihre Helden von Madrid, immer wieder schallte Finale, oho durch die Allianz Arena. Da stürmte Thomas Müller auf das Tor des VfB Stuttgart zu, verzögerte kurz und legte den Ball quer. Mario Gomez schob zum 1:0 ein, sein 26. Saisontor - eines der leichteren Sorte und gleichbedeutend mit der alleinigen Führung in der Bundesliga-Torschützenliste.

Sekunden später ertönte der Tor-Alarm in der Arena: „Schalke - Hertha BSC 1:0, Torschütze Huntelaar“, war auf der Videowand zu lesen. Ein Raunen ging durchs Publikum, der Hunter hatte zeitgleich nachgelegt - im Wettschießen um die Torjägerkanone. Und während Gomez nach den kräftezehrenden 120 Minuten plus Elfmeterschießen unter der Woche gegen den VfB zur Pause ausgewechselt wurde, setzte Schalkes Klaas-Jan Huntelaar (87.) im Fernduell mit Gomez einen weiteren Treffer obendrauf. Aktueller Stand: Huntelaar 27, Gomez 26.

Am letzten Spieltag wird nun die Entscheidung fallen, wer der Ballermann der Bundesliga-Saison 2011/12 werden wird. Verteidigt TORero Gomez seinen Titel aus der vergangenen Spielzeit (28 Tore) oder schnappt ihn sich zum ersten Mal der Hunter? „Ich werde nächste Woche wieder versuchen zu treffen. Wenn‘s reicht, ist es schön. Wenn nicht, werde ich dem Klaas-Jan gratulieren, dann hat er es verdient. Er ist sehr hartnäckig“, erklärte Gomez nach Bayerns 2:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart.

Die Torjägerkanone. Ein Titel, der für Gomez natürlich nicht oberste Priorität hat. Zwei „Riesenziele“ habe er vor Augen, berichtete der FCB-Stürmer. Dies sei aber nicht die Kanone, sondern der DFB-Pokal sowie die Champions League. In beiden Finals (12. und 19. Mai) will Gomez mit Toren seinen Teil dazu beitragen, dass die Münchner am Ende die begehrten Trophäen in den Nachthimmel stemmen können.

Handküsse für Müller

Nichtsdestotrotz hätte der Nationalspieler nichts dagegen, einen dritten - persönlichen - Titel zu gewinnen. Daraus macht Gomez keinen Hehl, auch deshalb habe er in der für den FC Bayern nicht mehr allzu bedeutenden Partie gegen Stuttgart eine Halbzeit lang gespielt. „Natürlich schiele ich auf die Kanone“, verriet der 26-Jährige. Dessen sind sich auch seine Teamkollegen bewusst.

Und so war es für Müller „selbstverständlich“, den Ball vor dem 1:0 querzulegen und nicht selbst den Abschluss zu suchen - was auch durchaus möglich gewesen wäre. „Er redet noch ein Wörtchen um diesen Titel mit. Jetzt müssen wir dem Mario auch am letzten Spieltag in Köln noch ein paar Tore auflegen, damit er nochmal angreifen kann“, erklärte Müller. Gomez bedankte sich brav, schickte Handküsse in Richtung seines Kollegen und umarmte ihn. „Das war sehr, sehr uneigennützig“, sagte Gomez nach Schlusspfiff.

Huntelaar 327 Minuten länger auf dem Platz

Kampflos wird Gomez die Torjäger-Kanone Huntelaar („Ich will diesen Titel holen“) also nicht überlassen - auch wenn Schalkes Sportlicher Leiter Horst Heldt dem FC Bayern mit einem Augenzwinkern riet: „Wenn die Bayern einen Titel holen wollen, sollten sie Gomez im letzten Bundesligaspiel in Köln mal eine Pause gönnen. Er soll sich ruhig ein bisschen schonen.“

Und wenn es am Ende tatsächlich nicht ganz reichen sollte, kann sich Gomez beispielsweise mit einem Blick auf die Statistik trösten: Huntelaar stand in dieser Bundesliga-Saison bislang 327 Minuten (umgerechnet 3,6 Spiele) länger auf dem Platz und hatte somit deutlich mehr Zeit für seine Treffer. Und: Huntelaar schoss zwei Elfmetertore mehr als Super-Mario. Oder Gomez schaut nach Saisonende einfach zuhause in die Vitrine: „Das steht sie nämlich schon!“

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