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'Es tut sehr weh'

Analysieren, abhaken und fokussieren

Einige gingen vorbei. Andere blieben kurz stehen, redeten mit Journalisten über das Geschehene. Die Mienen hätten eigentlich keiner Worte mehr bedurft. Enttäuschung, Niedergeschlagenheit, Frust. Dass beim Verlassen des Berliner Olympiastadions im Hintergrund die jubelnden Dortmunder zu hören waren, machte es nicht besser. „Es tut sehr weh“, fasste Arjen Robben die Stimmungslage bei den Bayern nach der 2:5 (1:3)-Niederlage im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund zusammen.

Auf den anschließenden Bankett in der Hauptstadtrepräsentanz von Bayern-Partner Deutsche Telekom, an dem Mitarbeiter, Sponsoren, Partner und Freunde des Vereins teilnahmen, richtete Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge deutliche Worte an die Mannschaft. „Wenn man 2:5 verliert, ist das kein Zufall, dann ist das auch nicht Pech, sondern man muss klar und deutlich sagen - das war eine Blamage.“ Als „Watschn“ bezeichnete Rummenigge jeden einzelnen Treffer der Schwarz-Gelben.

Der Vorstandschef nahm kein Blatt vor den Mund. Er wolle lieber die „ehrliche Meinung“ kundtun - auch wenn sie wehtue. Rummenigge zollte auf der anderen Seite auch dem Doublegewinner BVB großen Respekt. „Wir müssen für den Moment akzeptieren und respektieren, dass wir eben eine Mannschaft in dieser Republik haben, die national über uns steht.“ Dies müsse aber so schnell wie möglich korrigiert werden, so der 56-Jährige.

Derweil war der FC Bayern Stunden zuvor im 69. DFB-Pokalfinale keineswegs chancenlos gewesen. „Bis zur 40. Minute war es eine gute bis sehr gute Leistung“, fand Cheftrainer Jupp Heynckes, der weiter auf seinen ersten Pokalerfolg als Trainer warten muss. Den frühen Rückstand durch Shinji Kagawa (3.) hatte Arjen Robben (25., Foulelfmeter) verdientermaßen ausgeglichen. Doch dann passierten noch vor der Pause vorentscheidende Dinge: Erst traf Mats Hummels (41.) vom Elfmeterpunkt, dann legte Robert Lewandowski (45.+1) einen weiteren Treffer nach.

„Waren defensiv indisponiert“

Eiskalte Dortmunder. „Die haben aus eineinhalb Chancen drei Tore gemacht. Und dann ist es extrem schwer zurückzukommen“, erklärte Mario Gomez. Für Heynckes waren nach dem 1:3 die „Karten verteilt“. Dadurch habe der BVB voll auf Konter setzen können. Zwei davon vollendete der Pole Lewandowski (58., 81.) zu zwei weiteren Toren, Franck Ribérys (75.) zwischenzeitliches 2:4 ließ nur für kurze Zeit Hoffnung bei den 20.000 mitgereisten Bayern-Fans aufkommen.

„Wir haben es den Dortmunder zu leicht gemacht, Tore zu erzielen“, fand Sportdirektor Christian Nerlinger, der dies als „gesamtmannschaftliches Problem im Defensivverhalten“ bezeichnete. Heynckes sagte: „Wir waren defensiv indisponiert“. Schuldzuweisungen gibt es aber selbstverständlich im Team des FC Bayern keine. Denn: Noch gibt es in dieser Saison ein, „alles überstrahlendes“ (Nerlinger) Spiel, am kommenden Samstag in der Allianz Arena: Das Champions-League-Finale 2012 gegen den FC Chelsea.

Chance, Historisches zu schaffen

Und so versuchten Spieler, Trainer und Verantwortliche den Blick schnell wieder nach vorne zu richten. Ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht! „Die Mannschaft muss sich jetzt für eine hervorragende CL-Saison belohnen“, forderte Nerlinger. Rummennige erklärte auf dem Bankett: „Wir müssen uns kritisch hinterfragen und am nächsten Samstag sofort korrigieren, was wir uns eingebrockt haben.“ Coach Heynckes war sich sicher, dass die Mannschaft die Niederlage „schnell verdauen“ werde.

Ähnlich sieht das Schweinsteiger. Der Mittelfeldmotor des FC Bayern fordert allerdings, „schnell und genau“ zu analysieren, was gegen den BVB schiefgelaufen ist: „Diese Fehler müssen wir unbedingt abstellen.“ Der Vize-Kapitän hat „großer Vertrauen in die Mannschaft“, die am Samstag die Chance hat, „Historisches zu schaffen“. Nämlich im eigenen Stadion den Champions-League-Pott in die Höhe zu stemmen. Dafür müsse man „alles in die Waagschale werfen“.

Selbstbewusstsein ausstrahlen

Torjäger Gomez appellierte an seine Teamkollegen, nicht die Köpfe hängen zu lassen und rief zu voller Konzentration auf. „Wir müssen jetzt selbstbewusst sein und das diese Woche auch ausstrahlen. Wir dürfen uns nicht ablenken lassen von irgendwelchen Störfeuern, die jetzt kommen werden.“ Denn nur dann wird sich der Traum des FC Bayern, seiner zahlreichen Fans und des Vorstandsvorsitzenden Rummenigge erfüllen: „Ich hoffe, dass wir am Samstagabend glücklicher, zufriedener und auch stolzer sind als das heute Abend der Fall ist.“

Für fcbayern.de in Berlin: Nikolai Kube

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