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'Irreal, unbeschreiblich'

FCB-Frauen feiern ausgelassen die 'Sensation'

Die am Kreuzband verletzte Julia Simic humpelte auf Krücken auf den Platz, nach zwei drei Schritten warf sie einfach ihre Gehhilfen beiseite und hüpfte auf ihrem gesunden Bein hinter ihren jubelnden Mannschaftskolleginnen her. Diese feierten nach dem 2:0 (0:0)-Erfolg im DFB-Pokalfinale gegen den haushohen Favoriten 1. FFC Frankfurt bereits ausgelassen den ersten Pokalsieg überhaupt für die Frauenfußballabteilung des FC Bayern.

„Ich habe mich schon fünf Mal zwicken lassen, um das zu realisieren“, sagte Ivana Rudelic, die mit ihrem Tor in der Nachspielzeit alle Zweifel an der „Sensation“, wie Trainer Thomas Wörle den erträumten, aber nicht erwarteten Triumph bezeichnete, beiseite räumte. Zuvor hatte Stürmerin Sarah Hagen mit ihrem Führungstreffer in der 63. Minute den Weg zum größten Erfolg seit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft im Jahr 1976 geebnet.

„Wir sind überwältigt“, beschrieb Wörle seine Gemütslage nach der Partie im Kölner RheinEnergieStadion. Im dritten Pokal-Finale nach 1988 und 1990 hatte seine junge Mannschaft den mit zahlreichen Nationalspielerinnen gespickten Titelverteidiger und Rekordpokalsieger beinahe über die gesamten 90 Minuten im Griff. „Wie die Mannschaft die Vorgaben von der ersten bis letzten Sekunde umgesetzt hat, ist sensationell“, analysierte der 30-jährige Trainer.

Vor 15.678 Zuschauern zeigte seine Elf keine Spur von Nervosität gegen den Champions-League-Finalisten, der am kommenden Donnerstag im Münchner Olympiastadion gegen Olympique Lyon um die europäische Krone kämpft. „Man hat von der ersten Sekunde gesehen, dass wir mutig und selbstbewusst zu Werke gegangen sind“, meinte Wörle, der seinem Team „ein riesen Kompliment“ aussprach. „Wir haben auch daran geglaubt. Aber das ist eine Sensation, das muss man ganz klar sagen.“

„Nach den ersten zehn Minuten habe ich gewusst: heute ist was drin“, gestand Mittelfeldspielerin Vanessa Bürki. Wörle wusste, dass sein Team gegen die Hessinnen „über sich hinauswachsen musste, um irgendwie unsere kleine Chance am Leben zu erhalten. Die Mädels haben das gemacht und noch ein paar Schippen oben drauf gepackt. Wir haben ein Stück Geschichte geschrieben. Ich bin so stolz, das ist Wahnsinn.“

Stolz konnten auch seine Spielerinnen sein. Anfang Dezember waren sie in der Liga noch Vorletzte, fünf Monate später stehen sie frei von allen Abstiegssorgen auf Platz sechs und krönten nun eine starke Rückrunde mit dem ersten Pokalsieg. „Ich bin so stolz Kapitän dieser Mannschaft zu sein. Sie hat sich zerrissen, nicht nur heute, sondern das ganze Jahr über“, freute sich Spielführerin Kathrin Längert, die den elf Kilogramm schweren Pokal in den Kölner Himmel hob.

Babys lernen fliegen

„Das ist ein bisschen so, als wären die Babys aus dem Nest gefallen und hätten fliegen gelernt“, beschrieb sie die Entwicklung des Teams. Großen Anteil daran hatten auch die beiden Winterzugänge Niki Cross und Sarah Hagen. „Richtig gute Fußballerinnen und super Typen“, charakterisierte Längert die beiden US-Amerikanerinnen, die mit ihrer „typisch amerikanischen Lässigkeit und ihrem Selbstbewusstsein“ dazu beigetragen haben, „dass wir nach der Winterpause die Trendwende geschafft haben.“

„Das Spiel zu gewinnen ist irreal“, zeigte sich Hagen nach dem Spiel noch genauso ungläubig wie die meisten ihrer Mannschaftskolleginnen. „Ich kann es noch gar nicht so recht glauben, das hätte keiner gedacht. Ich freue mich riesig“, suchte Bürki nach dem Triumph noch nach den passenden Worten. „Einfach unbeschreiblich“ fand es die erst 18 Jahre alte Lena Lotzen. „Ich glaube, wir realisieren das erst in ein paar Tagen, jetzt ist das alles zu frisch und neu.“

Freuen konnten sich die FCB-Frauen nach dem „Highlight der Saison“ (Längert) über Lob von höchster Stelle. „Die Mannschaft hat Großartiges geleistet. Sie hat in einem Finale, in dem sie krasser Außenseiter war, die Sensation geschafft. Ein großes Kompliment an Trainer Thomas Wörle und Abteilungsleiterin Karin Danner. Sie haben mit einer sehr jungen Mannschaft, mit Begeisterungsfähigkeit und mit Leidenschaft diese Sensation erreicht“, gratulierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge aus Berlin.

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