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Die letzte Chance?

Routiniers hoffen auf 'magischen Moment'

Im Londoner Stadtteil Chelsea steht das Royal Hospital Chelsea, ein Alten- und Pflegeheim für ehemalige Mitglieder der britischen Armee. Bekannt sind sowohl Einrichtung als auch ihre Bewohner unter dem Namen Chelsea Pensioner. Das Bild eines Chelsea Pensioner diente dem nahe gelegenen Fußballklub FC Chelsea nach der Gründung im Jahre 1905 als erstes Vereinsemblem, was den Spielern des Klubs in den nächsten Jahren den Spitznamen Chelsea Pensioner einbrachte.

107 Jahre nach ihrer Gründung schicken sich die Nachfahren dieser Generation am Samstag in der Münchner Allianz Arena an, erstmals die Trophäe in der Champions League an die heimische Stamford Bridge zu holen. Für einen Großteil der Blues, so der aktuelle Spitzname des Londoner Klubs, könnte es die letzte Chance auf einen großen internationalen Titel sein: Sie sind zum Teil deutlich älter als 30 Jahre, weshalb sie in der heimischen Presse - auch in Anlehnung an ihre Wurzeln - schon mal als „Rentnerband“ (The Sun) tituliert werden.

„Wir sprechen ja nicht von alten Jungs, die ihre Karriere auslaufen lassen wollen. Wir sprechen von Spielern, die gewinnen wollen“, stellte Mittelfeldspieler Frank Lampard, 33, zu Wochenbeginn klar. „Finals sind dazu, um gewonnen zu werden“, lautete die lapidare Antwort von Angreifer Didier Drogba, 34, auf die Frage, ob das Endspiel gegen den FC Bayern die letzten Chance der Old Boys sei. Sein Trainer Roberto di Matteo pflichtete ihm bei: „Keiner weiß, ob er jemals wieder so ein Finale erreicht, auch die Youngster nicht.“

Neun Spieler aus dem aktuellen Kader standen bereits vor vier Jahren im Endspiel gegen den Ligarivalen Manchester United und unterlagen erst im Elfmeterschießen. Drogba sah kurz vor Ende der Verlängerung die Rote Karte, der in München gesperrte Kapitän John Terry verschoss den entscheidenden Elfmeter. „Man hat uns als zu alt, über unseren Zenit und ohne Zusammenhalt gegeißelt. Aber als Team vereinen wir uns, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen“, sagte der 31 Jahre alte Abwehrchef.

Di Matteo schätzt seine Routiniers

„Wir haben vier Jahre darauf gewartet, wieder in dieser Situation zu sein und die Chance zu haben, uns an die Spitze des europäischen Fußballs zu setzen“, sagte Drogba am Freitag vor dem letzten Training seiner Mannschaft vor dem großen Finale. Neben dem Ivorer und Terry gehören auch Vize-Kapitän Lampard, Ashley Cole (31), Florent Malouda (31) und Paulo Ferreira (33) zur Ü30-Fraktion. „Diese Erfahrung ist unschätzbar. Ohne die kannst du nicht gewinnen“, so Lampard.

Di Matteo der den kriselnden Traditionsklub vor drei Monaten übernahm und bis ins Finale der Königsklasse führte, weiß, was er an seinen Routiniers hat. „Lampard ist ein geborener Anführer. Wenn er gebraucht wird, ist er da“, sagte er über den Mittelfeldspieler, der unter seinem Vorgänger André Villas-Boas nicht immer erste Wahl war, nach dem Wechsel auf der Trainerbank aber „mit den Herausforderungen gewachsen ist“. Drogba, dessen Zukunft nach dem Finale von München noch ungewiss ist, werde als „Legende dieses Klubs in die Geschichte eingehen“, prophezeite Di Matteo.

Chelseas schwierige Saison

Und das am besten mit einem Erfolg gegen den FC Bayern in dessen Finale dahoam. „Es ist ein tolles Gefühl, dabei zu sein in diesem Finale. Wir haben es verdient und werden alles daran setzen, es zu gewinnen“, so Drogba, der nach dem sechsten Platz in der Liga von einer „schwierigen Saison“ sprach. „Wir wurden viel kritisiert, das ist völlig normal. Wenn wir morgen siegen, wird sich daran niemand erinnern. Dann werden alle sagen: Es war eine fantastische Saison.“

„Meine Spieler haben alle Qualitäten die man braucht, um dieses Spiel zu gewinnen. Diese Qualitäten haben uns so weit gebracht. Ich bin sehr zuversichtlich“, sagte Di Matteo, der neben Terry die ebenfalls gesperrten Branislav Ivanovic, Raul Meireles und Ramires ersetzen muss. Dafür stehen ihm wohl die zuletzt verletzten Malouda, Gary Cahill und David Luiz zur Verfügung. Drogba jedenfalls hofft auf einen „magischen Moment“, um diese „tolle und riesige Herausforderung“ zu bewältigen.

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