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'Ein kompletter Stürmer'

Wiedersehen mit 'El Niño' Torres

El Niño wird gefürchtet - vor allem an den Ostküsten Amerikas, wo sich das Wetterphänomen in unregelmäßigen Abständen für verheerende Schäden verantwortlich zeigt. Auch im Fußball und da vor allem in Europa bzw. Deutschland ist El Niño ein furchteinflößender Name. Allerdings weniger wegen seiner Klimakapriolen, sondern vielmehr wegen seiner Torgefährlichkeit. Gemeint ist in diesem Falle natürlich kein Naturereignis, sondern ein Fußballer aus Fleisch und Blut: Fernando Torres.

Der Spanier, wegen seines eher knabenhaften Aussehens als El Niño (das Kind) genannt, hat in seiner Karriere schon die eine oder andere Erfahrung mit Deutschland bzw. deutschen Klubs machen dürfen - oft auch zum Leidwesen von FCB-Profis. Und nun? Wird er am Samstag im Champions-League-Finale im Dienste des FC Chelsea erneut zuschlagen? „Er ist ein kompletter Stürmer, strahlt sehr viel Torgefahr aus, kann den Ball halten, ist schnell, beidfüßig und kopfballstark“, analysierte Philipp Lahm den Angreifer der Blues.

Vor allem der 28-jährige FCB-Kapitän hat noch eine Rechnung mit dem Weltmeister von 2010 offen. „Nicht nur eine! Die Geschichte ging schon bei der U 19 los. Auch im EM-Finale. Da hat Fernando Torres den 1:0-Siegtreffer für Spanien geschossen“ Insgesamt erzielte El Niño sogar zweimal das siegbringende Tor für die Furia Roja in Endspielen gegen Deutschland: 2002 bei der U 19-EM und bei der EM 2008. Im letzteren Duell war es ausgerechnet Lahm, der den entscheidenden Zweikampf verlor und so das Goldene Tor der Spanier durch Torres ermöglichte.

„Das Tor geht nicht allein auf Lahm. Es war ein Missverständnis zwischen ihm und Torwart Lehmann. Lahm dachte einen Moment, er käme an den Ball. Dann zögerte er, als er Lehmann kommen sah. Ich nutzte das aus, sprintete dazwischen“, erinnert sich Torres im Sportbild-Interview selbst an die Situation im Endspiel 2008, um dann direkt abzuwinken: „Das ist jetzt vier Jahre her. Und Bayern hat eine starke Mannschaft.“

Nur ein Tor in 23 Spielen

Dass Torres selbst überhaupt noch einmal im Champions-League-Finale steht, war vor wenigen Wochen noch undenkbar. Nach der Demission von Trainer André Villas-Boas Anfang März und der 1:3- Auswärtspleite gegen den SSC Neapel im Achtelfinalhinspiel, setzte keiner noch einen Cent auf die Blues. Doch Interimstrainer Roberto Di Matteo schweißte aus der Ansammlung von Weltstars eine funktionierende Mannschaft zusammen, die nicht nur in der Verlängerung gegen die Italiener die Oberhand behielt (4:1), sondern auch Benfica Lissabon und Titelverteidiger FC Barcelona aus dem Rennen warf.

Torres selbst hatte dabei maßgeblichen Anteil am Erfolg und das nach einer zuweilen bitteren Zeit in London. Anfang des Jahres 2011 war er für 58,5 Millionen Euro vom FC Liverpool an die Stamford Bridge gekommen, wo er nach einer Meniskus-Operation lange die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Nur ein einziger Treffer in den ersten 23 Spielen für die Blues waren für den sonst so treffsicheren Angreifer eine enttäuschende Bilanz.

Eingewöhnungsprobleme in London

In der laufenden Saison blieb er sogar 13 Spiele in Folge ohne Tor, ehe er sich zurückmeldete - und wie! Ausgerechnet er, als Spanier, machte gegen Barça mit seinem 2:2-Ausgleich Chelseas Finaleinzug endgültig perfekt. Und nur wenige Tage später markierte er gegen die Queens Park Rangers seinen ersten Hattrick seit rund zweieinhalb Jahren.

„Es hat länger gedauert, als ich dachte“, räumt Torres gewisse Eingewöhnungsprobleme bei Chelsea ein und verriet, dass ihm seine Torkrise zu schaffen gemacht hatte: „Ich war besorgt. Es gab Momente, da verlor ich das Selbstvertrauen. Ich fühlte mich nicht wohl, und es ging mir nicht gut.“ Doch rechzeitig zum absoluten Saison-Höhepunkt scheint Torres wieder zu alter Stärke zurückgefunden zu haben. „Dieses Spiel hat Showtime-Charakter. Jetzt ist Chelsea dran.“

Ob Torres am Samstag in der Allianz Arena den Vorzug vor Didier Drogba erhalten und von Beginn an auflaufen wird, ist noch offen. So oder so - im Sinne des FC Bayern bleibt zu hoffen, dass sich El Niño am Samstag nicht als unheilbringendes Sturmtief präsentiert...

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