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Altin Lala im Interview

'Scholl war mein schlimmster Gegenspieler'

182 Mal lief er in der Bundesliga auf. 182 Mal für Hannover 96. Altin Lala kannte eigentlich keinen anderen Verein in Deutschland - bis vor zwei Wochen. Denn da begann für den perfekt deutsch sprechenden Albaner im Alter von 36 noch einmal ein neues Kapitel seiner Karriere. Lala startete als Spieler des FC Bayern II in die Vorbereitung auf die kommende Saison. Dort wird der Mittelfeldregisseur mit den Münchnern in der Vierten Liga antreten. Im Gespräch mit fcbayern.de erklärt Lala, warum der Schritt zum FCB trotzdem der richtige für ihn ist. Zudem spricht er unter anderem über frühere Duelle mit seinem jetzigen Trainer Mehmet Scholl und seinen emotionalen Abschied aus Hannover.

Das Interview mit Altin Lala:

fcbayern.de: Altin, welche Stadt ist schöner: Hannover oder München?
Altin Lala: „Um das zu beurteilen, kenne ich München noch nicht gut genug. Fest steht: München ist größer, städtischer. Eine Stadt mit viel Kultur und einer großen Tradition.“

fcbayern.de: Und welcher Verein ist besser: Hannover 96 oder der FC Bayern?
Altin Lala: „Das ist eine fiese Frage. (lacht) Ich habe 14 Jahre, also einen Großteil meiner Karriere, bei 96 verbracht. Die Zeit dort war richtig gut, der Verein hat sich super entwickelt. Dazu habe auch ich meinen Teil beigetragen. Aber jetzt beginnt noch einmal ein neues Kapitel, auf das ich mich richtig freue.“

fcbayern.de: Blicken wir trotzdem zunächst noch einmal zurück. Der 5. Mai war ein besonderer Tag für dich. 45.000 Fans haben dir in Hannover im Stadion einen tollen Abschied bereitet. Wie hast du diesen Tag erlebt?
Altin Lala: „Ich habe mit einem Blumenstrauß gerechnet - und dann das. Diese Dimensionen habe ich nicht erwartet. Die Choreographie, die T-Shirts mit meinem Namen drauf, die Ehrenrunde, die Bilder auf der Videowand. Ich bin ein Typ, der sich gut im Griff hat. Aber da konnte auch ich die eine oder andere Träne nicht verdrücken. Später wurde mir dann auch noch ein VW-Bus aus meinem Geburtsjahr 1975 geschenkt. Das kann man mit nichts bezahlen, Wahnsinn.“

fcbayern.de: Und jetzt beginnt das Kapitel FC Bayern…
Altin Lala: „Jawohl, da freue ich mich richtig drauf. Mit fast 37 noch mal eine Steigerung. Nicht schlecht, oder?“

fcbayern.de: Wie fühlt sich das Bayern-Trikot denn an?
Altin Lala: „Natürlich ist es erst einmal komisch, wenn man zuvor 14 Jahre ein anderes Trikot getragen hat. Das ist einfach ein ungewohntes Bild. Aber ich fühle mich schon jetzt auch in diesem helleren Rot sehr wohl.“

fcbayern.de: Allerdings spielst du nicht mehr Bundesliga, sondern Regionalliga Bayern. Warum dieser Schritt zum FCB?
Altin Lala: „Fakt ist: Irgendwo in der Zweiten oder Dritten Liga hätte ich nicht spielen wollen. Warum dann aber in der Vierten? Das ist einfach zu beantworten: Ich stehe bei einem der größten Vereine der Welt unter Vertrag. Das alles kennenzulernen, reizt mich ungemein. Und: Es motiviert mich, die Entwicklung von jungen, talentierten Spielern zu verfolgen und aktiv zu unterstützen. Es kann schließlich gut sein, dass der eine oder andere in absehbarer Zeit Bayern-Profi oder Nationalspieler wird.“

fcbayern.de: Wie kam der Kontakt zustande?
Altin Lala: „Im November letzten Jahres klingelte plötzlich nach einem Länderspiel mein Telefon. Michael Tarnat war dran, er sagte: 'Hast du Lust beim FC Bayern Fußball zu spielen?' Ich habe nur geantwortet: 'Tanne, du hast dich verwählt!' Dann sagte er: 'Altin, das meine ich ernst.' Es war ein nettes Gespräch, ich fühlte mich sehr geehrt. Erst mal habe ich mir aber Bedenkzeit erbeten, da ich erst mit meiner Frau und meinen Kindern sprechen musste.“

fcbayern.de: Wie ging es dann weiter?
Altin Lala: „Wenige Tage später hat Mehmet Scholl angerufen und mir erklärt, welche Rolle ich spielen soll. Ich habe nochmal Rücksprache mit meiner Frau gehalten und dann schnell zugesagt. Es ist eine große Ehre, bei diesem Klub des Weltfußballs spielen zu dürfen. Auch, wenn es nur die zweite Mannschaft ist.“

fcbayern.de: Mehmet Scholl kanntest du ja bereits aus zahlreichen Duellen auf dem Platz…
Altin Lala: „Oh ja, ich als Sechser und er als Zehner. Unsere Wege haben sich oft gekreuzt. Und ehrlich gesagt: Mehmet war mein schlimmster Gegenspieler. Seine schnellen Haken, das war einfach nur unangenehm. Ich habe immer versucht, ihn zu jagen. Aber das war richtig, richtig schwer.“

fcbayern.de: Nun seid ihr Kollegen. Er als Trainer, du als sein Führungsspieler. Wie arbeitet es sich mit ihm?
Altin Lala: „Er ist sehr deutlich und weiß genau, was er will und wie unser Spiel aussehen soll. Der erste Eindruck ist sehr, sehr positiv.“

fcbayern.de: Welche Rolle sollst du in dieser Mannschaft einnehmen?
Altin Lala: „Ich soll unser junges Team führen, genau wie Tobi Schweinsteiger und Stefan Buck. Das geht schon in der Kabine los: Es ist wichtig, dass alle Respekt voreinander haben und niemand Alleingänge startet. Denn Fußball ist ein Mannschaftssport, alle müssen gemeinsam in eine Richtung gehen. Auf dem Platz spreche ich viel. Die Jungs sind teilweise noch ungestüm. Da muss ich ihnen Ratschläge geben, sie sollen abgezockter werden. Auch taktisch versuche ich, mit meiner Erfahrung zu helfen.“

fcbayern.de: Welchen Eindruck machen die vielen Talente auf dich?
Altin Lala: „Es sind richtig gute Jungs dabei, ich sehe viel Potential. Aber: Sie haben noch einen weiten Weg vor sich. Sie müssen sich im Herrenfußball durchbeißen. Ich werde sie dabei unterstützen!“

fcbayern.de: Nur ein Jahr? Oder sehen die Bayern-Fans Altin Lala länger in München?
Altin Lala: „Unterschrieben habe ich für ein Jahr. Ich will einen guten Job machen und dann schauen wir mal, ob der Verein bzw. Mehmet Scholl mit mir zufrieden ist. Es ist nicht auszuschließen, dass ich noch ein weiteres Jahr dranhänge.“

fcbayern.de: Liebäugelst du mit einem Profi-Einsatz, zum Beispiel gegen Hannover 96?
Altin Lala: „Die Fans werden mich mit Sicherheit in der Allianz Arena sehen - auf der Tribüne als Zuschauer!“ (lacht)

Das Interview führte: Nikolai Kube



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