präsentiert von
Menü
Lahm-Interview, Teil 2

Zwei titellose Jahre 'kann eigentlich nicht sein'

Dreimal Deutscher Meister. Dreimal DFB-Pokalsieger. 2006, 2008 und 2010. Philipp Lahm - Kapitän des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft - ist es gewöhnt, Trophäen in die Höhe zu stemmen - zuletzt immer im Zwei-Jahres-Rhythmus. Doch 2012 riss die Serie. Lahm und der FC Bayern mussten anderen den Vortritt lassen, wie schon 2011. „Das kann eigentlich nicht sein“, sagt Lahm im zweiten Teil des Interviews mit fcbayern.de, als er die vergangene Saison Revue passieren lässt.

Zudem äußert sich der 28-Jährige zur Verpflichtung von Sport-Vorstand Matthias Sammer sowie den anderen Neuzugängen und er erzählt, was er sich von der kommenden Saison erwartet. Neben dem FC Bayern und Dortmund hat Lahm einen weiteren Titelanwärter auf der Liste.

Das Interview mit Philipp Lahm, Teil 2:

fcbayern.de: Seit 1. Juli ist Matthias Sammer neuer Sport-Vorstand des FC Bayern. Wie siehst du seine Verpflichtung?
Lahm: „Ich kenne ihn noch aus Stuttgarter Zeiten: Dort haben wir ein Jahr zusammengearbeitet, als er Trainer war. Auch beim DFB bin ich ihm hin und wieder begegnet - und zwar sehr, sehr positiv. So auch dieses Mal, als wir uns am vergangenen Sonntag beim Laktattest das erste Mal getroffen haben.“

fcbayern.de: Hat dich diese Personalie überrascht?
Lahm: „Ich habe davon - genau wie fast jeder im Verein - an dem Tag erfahren, als Christian Nerlinger gehen musste. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Matthias Sammer.“

fcbayern.de: Hat dich verwundert, welch große Aufmerksamkeit dieser Verpflichtung in der Öffentlichkeit beigemessen wurde?
Lahm: „Nein, nicht ansatzweise. Beim FC Bayern war das in der Vergangenheit immer so: Wenn ein Spieler kommt oder es im Vorstand Veränderungen gibt, entsteht ein riesiger Hype. Das ist doch absolut positiv und zeigt: Der FC Bayern ist in Deutschland weiterhin das Maß aller Dinge.“

fcbayern.de: Nicht nur Sammer, sondern auch einige Spieler sind neu beim FCB. Wie bewertest du die bisherigen Transfers?
Lahm: „Ich habe ja noch nicht gemeinsam mit ihnen trainiert. Aber klar ist: Wir sind noch besser aufgestellt als vergangene Saison, der Kader ist breiter. Bislang haben wir super Transfers getätigt.“

fcbayern.de: Machen euch die Transfers von Pizarro und Co. offensiv noch unberechenbarer?
Lahm: „Wir haben sicher die Möglichkeit, zwei Systeme zu spielen. Ich kenne Pizza ja noch von früher und weiß, dass er auch super um einen Stürmer herumspielen kann. Er und auch Mandzukic sind kopfballstark. Wir haben jetzt viele Optionen, auch mit Shaqiri. Hinten sorgt Dante für mehr Konkurrenzkampf, Weiser kann überall spielen und im Tor haben wir einen Starke in der Hinterhand. Das liest sich gut, aber jetzt müssen sich alle erst mal beweisen. Und zwar nicht nur die Neuen, sondern auch die, die in der vergangenen Saison vermeintliche Stammspieler waren.“

fcbayern.de: Wie sehr schmerzen die Verletzungen von David Alaba und Rafinha?
Lahm: „Beide Ausfälle tun uns weh. Vor allem, weil sie gleich ein paar Wochen ausfallen. Sie haben hart gearbeitet und verletzen sich dann in einer der wichtigsten Phasen einer Saison. Danach müssen sie wieder bei null beginnen. Das ist schwierig. Aber sie werden sich wieder herankämpfen.“

fcbayern.de: Hast du im Urlaub noch oft schlecht geträumt wegen des CL-Finals und der EM?
Lahm: „Klar habe ich mir Gedanken gemacht. Aber nicht nur über die vergangene Saison, sondern meine gesamte Karriere. Die Sehnsucht nach weiteren Titeln ist auf alle Fälle spürbar groß bei mir.“

fcbayern.de: Welche Schlüsse hast du gezogen?
Lahm: „Details spreche ich nur im Kreis der Mannschaft an. Aber es gibt nun mal im Fußball auch Zweitplatzierte. Es ist bitter, dass es uns gleich dreimal getroffen hat. Vor allem im CL-Finale waren wir nur einen Mini-Schritt vom Titel entfernt. Bei der EM wäre natürlich auch mehr drin gewesen. Aber das passiert nun mal im Leistungssport. Jetzt ist das Vergangenheit, es geht weiter. Und wir haben wieder große Ziele!“

fcbayern.de: Wie sehen diese aus?
Lahm: „Wir sind gewohnt, dass wir Minimum jedes zweite Jahr Deutscher Meister werden. Das haben wir nicht geschafft, das kann eigentlich nicht sein. Dieser Titel muss Priorität haben.“

fcbayern.de: Von Meister Dortmund hört man, der FC Bayern sei Titelfavorit. Was sagst du dazu?
Lahm: „Ich habe mich über dieses Thema schon mal mit Reinhard Rauball (Präsident von Borussia Dortmund, Anm. d. Red.) unterhalten. Sie bleiben bewusst bescheiden - und mit der Taktik sind sie die letzten zwei Jahre ja auch gut gefahren. Ich finde: Wer zweimal in Serie den Titel holt, ist Favorit. Aber es gibt auch noch andere Meisterschaftskandidaten. Schalke habe ich da zum Beispiel auf der Rechnung, die werden ranschnuppern.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

Weitere Inhalte