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Fachmann, Stratege, Genie

Karl Hopfner feiert 60. Geburtstag

Man kann es Zufall nennen. Oder Schicksal. Oder Fügung. Denn wer weiß schon, was aus dem FC Bayern geworden wäre, wenn sich Karl Hopfner an jenem Tag im Oktober 1982 nicht die Süddeutsche Zeitung gekauft hätte. Wenn er stattdessen beispielsweise krank im Bett gelegen hätte. Wenn ihn jene Annonce nicht erreicht hätte, mit der alles begann.

Am heutigen Dienstag feiert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des FC Bayern seinen 60. Geburtstag. 29 Jahre davon, also fast sein halbes Leben lang, steht er in Diensten des deutschen Rekordmeisters und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der FC Bayern national zum Maß aller Dinge und international zu einem hochangesehen Topklub geworden ist. Franz Beckenbauer sagt: „Ohne Karl Hopfner wäre der FC Bayern nicht das, was er heute ist. Trotz Uli Hoeneß. Trotz Karl-Heinz Rummenigge.“

Auch Uli Hoeneß betont: „Karl Hopfner ist mit dafür verantwortlich, dass der FC Bayern wirtschaftlich da steht, wo er heute steht. Er wird viel zu wenig genannt bei den Erfolgen des FC Bayern in den letzten 20, 30 Jahren.“ DFB-Präsident Wolfgang Niersbach würdigt Hopfner als „genauso wichtig für den FC Bayern wie die sportlichen Köpfe, die naturgemäß mehr in der Öffentlichkeit stehen. Er ist der große Stratege, der Finanzfachmann, der Organisator und Administrator im Hintergrund - ein toller Profi für den FC Bayern.“

'Schon immer' Bayern-Fan

Dass Hopfner, der nie Fußballprofi war, selbst nie in einem Verein Fußball gespielt hat (Hopfner: „Das hatten mir meine Eltern verboten“), überhaupt zum FC Bayern kam, war „reiner Zufall“ (Hoeneß). Begonnen hat alles mit einer Zeitungsanzeige. Denn der FC Bayern München e.V. suchte im Herbst 1982 per Stellenausschreibung einen Geschäftsführer. Hopfner, damals 30 Jahre alt und „schon immer“ Bayern-Fan, fühlte sich sofort angesprochen. „Das hat mich gereizt“, erzählt der damalige leitende Angestellte eines Familienbetriebs im Baunebengewerbe. Nach der Schule hatte er eine Lehre als Industriekaufmann sowie ein BWL-Studium abgeschlossen.

Im Oktober 1982 schickte er seine Bewerbung ab - und hörte erst einmal nichts vom FC Bayern. Erst ein Vierteljahr später, im Januar 1983, klingelte sein Telefon. „Da ist es mir erst wieder eingefallen, dass ich mich mal beworben hatte“, erinnert er sich. Es folgte ein Vorstellungsgespräch beim damaligen FCB-Präsidenten Willi O. Hoffmann. Dass er die Stelle bekam, kommentiert Hopfner heute augenzwinkernd: „Ich kam unter die letzten 20, die besten 19 haben abgesagt und ich bin übrig geblieben. So muss es gewesen sein.“

Von 12 zu 350 Millionen

Hoeneß erinnert sich an über 400 Bewerbungen, die damals beim FC Bayern eingingen. „Karl war einer der Wenigen, die sich völlig ohne Lobbyismus beworben hatten“, erzählt der damalige FCB-Manager, der von nun an zusammen mit Hopfner den FC Bayern auf wirtschaftlich gesunde Beine stellte. „Damals gab es bei Bayern nur zwei leitende Angestellte: Uli Hoeneß mit dem Terminus Manager und meine Wenigkeit mit dem Terminus Geschäftsführer. Es waren zwölf Mitarbeiter da und der Umsatz lag bei circa zwölf Millionen Euro“, blickt Hopfner auf seinen Start beim damals verschuldeten FC Bayern zurück.

Die Geschäftszahlen, die er auf der letzten Jahreshauptversammlung im November 2011 präsentierte, zeigen, welch enorme Entwicklung der FC Bayern seitdem genommen hat. 328,5 Millionen Euro Umsatz - der zweithöchste der Geschichte nach dem Rekord im Vorjahr (350,2 Millionen Euro) - hatte der Konzern FC Bayern München AG im Geschäftsjahr 2010/11 verzeichnet, das Eigenkapital der FC Bayern München AG beläuft sich auf 268,3 Millionen Euro. In der jährlich erscheinenden Rangliste der einkommensstärksten Klubs der Welt (Deloitte Football Money League) wurde der FC Bayern zuletzt auf Rang vier geführt.

Vom Verein zum Konzern

Das stete Wachstum des FC Bayern in den letzten drei Jahrzehnten hat Hopfner immer federführend begleitet: erst als Geschäftsführer des FC Bayern München e.V., ab 1995 auch als Geschäftsführer der Sport-Werbe GmbH, ab 2002 als Vorstand der FC Bayern München AG, seit 2009 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Die Entwicklung einer professionellen Unternehmensstruktur - vom gemeinnützigen Verein zur Aktiengesellschaft und zum Konzern - hat Hopfner entscheidend mitgeprägt.

„Alles ist größer geworden“, blickt Hopfner zurück, „vor 25 Jahren war es üblich, einen Transfer am Telefon abzuschließen. Mittlerweile ist alles mit sehr viel Papierkram verbunden. Auch die Lizenzierung für DFL und UEFA: Früher waren das zwei Blätter, mittlerweile sind das zwei Ordner.“ Hopfner hat dennoch immer alles im Griff. Finanzen und Controlling, Ticket- und Mitgliederservice, Interne Dienste, Recht, Personal und die gesellschaftliche Vertretung in den Beteiligungen der FC Bayern München AG sind seine Aufgabenfelder beim Rekordmeister. Darüber hinaus ist er Vorstandsvorsitzender des FC Bayern Hilfe e.V., sitzt er in der UEFA-Kommission für Klubwettbewerbe sowie im DFB- und im DFL-Vorstand.

„Wir haben immer die Spieler herangebracht. Die Verträge, die Ausarbeitung der Unterlagen - das hat Karl Hopfner gemacht“, meint Hoeneß voller Anerkennung für seinen langjährigen Kollegen. „Es ist immer schwer, gegen ihn anzukämpfen“, berichtet Bastian Schweinsteiger von Vertragsverhandlungen mit Hopfner, „im Rechnen kann ihn keiner schlagen.“ Für Beckenbauer ist Hopfner schlichtweg ein „Finanzgenie“. Rummenigge sagt: „Wann immer er den Daumen hebt, weiß ich, dass alles in sehr seriösen und soliden Bayern geht beim FC Bayern.“

Zusammen mit Hoeneß prägte Hopfner die „einnahmenorientierte Ausgabenpolitik“ beim FC Bayern. „Wir geben nur aus, was wir vorher verdient haben“, erklärt er. Natürlich sei jede Investition mit einem gewissen Risiko verbunden, gerade im Fall von Transfers („Wir haben es ja mit Menschen zu tun“). Aber: „Risiko darf nicht Harakiri werden. Eine gewisse kaufmännische Vernunft muss man einfach walten lassen“, betont Hopfner.

'Wir alle haben das aufgebaut'

Seit seinem Amtsantritt hat der FC Bayern nie rote Zahlen geschrieben, für Transfers wurde nie ein Kredit aufgenommen. Dies machten auch die Erfolge auf dem Rasen möglich, relativiert Hopfner („Sportlicher Erfolg bringt wirtschaftlichen Erfolg mit sich“) seinen eigenen Verdienst und verweist auch auf andere Beteiligte. Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge zum Beispiel. „Wir alle haben das aufgebaut, ebenso wie die Mannschaft und sämtliche Mitarbeiter des Klubs.“

Dass er weniger im Licht der Öffentlichkeit steht als ehemalige Weltklassespieler wie Rummenigge, Hoeneß oder Beckenbauer, findet Hopfner „normal“. Die Öffentlichkeit „ist auch nicht sein Ding“, meint Niersbach. Die größte Belohnung für Hopfner sind Titel. „Wenn man Titel holt, hat man das Gefühl, nicht alles falsch gemacht zu haben“, berichtet der passioniert Golfer und Rotwein-Liebhaber. „Sehr loyal und harmonisch“, so beschrieb Rummenigge das Verhältnis zu seinem Vorstandskollegen. „Er ist einer, der sich nicht in den Vordergrund stellt. Und auch privat ist er ein äußerst sympathischer Mensch“, erzählt Beckenbauer.

Nur Zufall, Schicksal oder Fügung führten dazu, dass sich die Wege des Kaisers, Rummenigges und des FC Bayern mit denen des Straßenfußballers Hopfner („Bei uns war es früher so: Raus aus der Schule, rauf auf den Mariahilfplatz und kicken“) kreuzten. Hoeneß sagt: „Wir sind sehr glücklich, dass dieser Zufall zum Glücksfall wurde.“

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