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Neuer Start-Rekord

Bayern zufrieden, aber 'nicht euphorisch'

Alle drei Tage ein Spiel - „und jetzt kommt auch noch die Wiesn dazu.“ Jupp Heynckes hat derzeit genügend Argumente, um seinen Spielern zu erklären, dass sie auch mal mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen müssen. Am Samstag - dem Eröffnungstag des 179. Münchner Oktoberfestes - nahm Bayerns Cheftrainer beim Gastspiel auf Schalke im Vergleich zum Valencia-Spiel drei Änderungen vor, ein Leistungsabfall aber war keineswegs zu sehen. Im Gegenteil.

Der - vor allem in der zweiten Halbzeit - beeindruckend herausgespielte 2:0-Auswärtssieg des FC Bayern bei einem „Titelanwärter“ (Karl-Heinz Rummenigge) zeigte Heynckes einmal mehr, dass er sich auf seinen qualitativ hochwertig besetzten Kader zu 100 Prozent verlassen kann. Javier Martínez, Claudio Pizarro und Franck Ribéry, der wegen Oberschenkelproblemen gar nicht erst mitgereist war, wurden durch Luiz Gustavo, Mario Mandzukic und Thomas Müller ersetzt.

„Man muss den Kräfteverschleiß auffangen, indem man rotiert“, erklärte Heynckes und ergänzte: „Jeder muss sein Ego zurückstellen und auch mal auf die Bank. Ich werde das so moderieren, damit es funktioniert.“ So wie aktuell. Toni Kroos (55.) und Müller (58.) schenkten Königsblau zweimal sehenswert ein und besiegelten Bayerns besten Bundesliga-Saisonstart der Klubgeschichte! 12 Punkte und +12 Tore, das gelang dem FCB zuletzt 1972/73 - damals allerdings mit weniger erzielten Treffern (13:1, jetzt 14:2).

Es war gleichzeitig Bayerns siebter Sieg im siebten Pflichtspiel dieser Spielzeit. Die Münchner führen die Bundesliga weiter punktgleich mit Aufsteiger Eintracht Frankfurt an, Dortmund und Schalke liegen je fünf Zähler zurück. „Wir hatten einen guten Start, das kann man nicht wegdiskutieren“, freute sich Sport-Vorstand Matthias Sammer, um dann aber mahnend den Finger zu heben: „Ein guter Start nutzt nur etwas, wenn man weitermarschiert.“

Am kommenden Dienstag gastiert der VfL Wolfsburg in der Allianz Arena. „In München denkt jeder, das ist eh schon erledigt. Wir dürfen uns davon nicht leiten lassen“, forderte Sammer. Vorstandschef Rummenigge erinnerte nach den „Big-Points“ gegen Schalke an die vergangene Saison: „Da hatten wir in der Spitze schon mal acht Punkte Vorsprung, das Ende ist bekannt.“ Daher müsse man mit der derzeit erfreulichen Situation „seriös“ und „nicht euphorisch“ umgehen.

Genauso, wie der Rekordmeister am Samstag bei den bis dato ungeschlagenen Schalkern agierte. Nach einer weitestgehend ausgeglichenen ersten Halbzeit, in der der FCB vor allem kurz vor der Pause etwas in Bedrängnis geriet (Heynckes: „Da waren wir erst mal froh, dass der Halbzeitpfiff kam.“), drehten die Münchner nach dem Wechsel so richtig auf. „Es war schwer, überhaupt an den Ball zu kommen“, klagte S04-Kapitän Benedikt Höwedes. Heynckes lobte sein Team: Da habe man gesehen, was für eine „Klasse“ der FC Bayern hat.

'Die Mannschaft ist hungrig'

Das Kollektiv überzeugte: Hinten brannte nichts an, im Mittelfeld gaben Schweinsteiger, Luiz Gustavo und später auch Martínez dem Spiel Struktur und offensiv wirbelten Kroos, Müller, Arjen Robben und Mandzukic. „Die Mannschaft ist hungrig, sie will etwas zeigen“, begründete Robben den starken Auftritt. Schalke-Coach Huub Stevens präsentierte sich als fairer Verlierer: „Kompliment an die Bayern, die Art und Weise war beeindruckend.“

Einmal mehr zeigte auch Taktgeber Schweinsteiger, dass er nach seiner langen Verletzungsmisere fast wieder ganz der Alte ist. Bundestrainer Joachim Löw, der von der Tribüne aus die Partie seiner Nationalspieler verfolgte, war begeistert: „Ich freue mich wahnsinnig.“ Schweinsteiger strahle eine „unglaublich starke Präsenz aus, er ist die Persönlichkeit auf dem Platz, immer anspielbar, er bewegt sich gut ohne Ball.“ Und er hatte großen Anteil daran, dass am Samstag auch in den Wiesn-Zelten gejubelt werden konnte, als das Ergebnis der Bayern verkündet wurde.

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