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Heynckes im Interview

'Haben noch viel Luft nach oben'

Länderspielpausen. Beim FC Bayern tummeln sich in diesen Tagen meist nur eine Handvoll Profis auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße. So auch diesmal, Cheftrainer Jupp Heynckes zählte genau sieben. Der Rest: Entweder verreist oder nach Blessuren im Aufbau-Training. Heynckes konnte so in den vergangenen Tagen mit einer kleinen Gruppe intensiv trainieren. Zudem nahm sich der Coach des deutschen Rekordmeisters ausführlich Zeit, mit fcbayern.de zu sprechen, bevor am Mittwochnachmittag die Nationalspieler nach München zurückkehrten.

Heynckes berichtete unter anderem über die Integration von Neuzugang Javi Martínez, den Konkurrenzkampf in der Mannschaft, den kommenden Gegner Mainz und den CL-Auftakt kommende Woche gegen Valencia.

Das Interview mit Jupp Heynckes:

fcbayern.de: Herr Heynckes, am vergangenen Wochenende durften ihre Spieler ein paar freie Tage genießen. Galt das für den Trainer auch?
Heynckes: „Ja! Ich bin am Freitag nach dem Katar-Spiel nach Düsseldorf geflogen und war dann zwei Tage zuhause. Das war Erholung pur: Zwei Mal täglich bin ich mit meinem Hund spazieren gegangen, ich war viel im Garten. Das tat mal richtig gut.“

fcbayern.de: Unter der Woche standen Ihnen beim Training nur eine Handvoll Profis zur Verfügung, oft haben Sie die Gruppe mit Jugendspielern aufgefüllt. Wie schlagen sich die?
Heynckes: „Ich muss die Jungs loben: Es macht richtig Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Sie sind sehr engagiert und aufmerksam. Es ist wichtig, dass sie bei uns aushelfen. Denn nur wenn man eine größere Gruppe zur Verfügung hat, kann man gewinnbringende Trainingsformen durchführen. Das hilft dann auch Spielern wie Schweinsteiger oder Martínez, die noch nicht so lange am Mannschaftstraining teilnehmen.“

fcbayern.de: Wie weit ist Schweinsteiger schon wieder?
Heynckes: „Er hat Spaß, Freude und Lust am Fußball. Das merkt man täglich. Gegen Stuttgart hat er schon ein gutes Spiel gemacht. Das hat sein Selbstvertrauen gestärkt, er hat wieder die Sicherheit. Darüber bin ich sehr froh.“

fcbayern.de: Hat sich das positive Bild, das Sie von Martínez bereits hatten, in der ersten Trainingswoche bestätigt?
Heynckes: „Fußballerisch wird er ein großer Gewinn für uns werden. Durch ihn haben wir im Mittelfeld noch mehr Qualität, das motiviert die gesamte Mannschaft. Aber: Auch Javi muss sich erst über Leistung in die Mannschaft spielen und kämpfen. Natürlich hat er dabei meine volle Unterstützung, wie alle anderen Spieler auch.“

fcbayern.de: Wie schreitet seine Integration voran?
Heynckes: „Sehr gut. Javi ist aufgeschlossen, kommunikativ. Einfach ein lockerer Typ, einer, den jeder sofort mag. Sein Englisch ist auch relativ gut, mit einigen in der Mannschaft kann er sich zudem auf Spanisch unterhalten. Das macht die Sache für ihn etwas leichter. Und: Er hat sich überragend vorbereitet.“

fcbayern.de: Wie meinen Sie das?
Heynckes: „Javi kannte vom ersten Tag an alle Vornamen - der Spieler, der Trainer und sogar der Physiotherapeuten. Er hat sich wohl vorher über das Internet schlau gemacht. Das hat mich schon überrascht und mir imponiert.“

fcbayern.de: Ist Martínez gegen Mainz ein Kandidat für die Startelf?
Heynckes: „Das möchte ich heute noch nicht entscheiden. Die Aufstellung hängt von vielen Komponenten ab: Erst mal muss ich sehen, in welchem Zustand die Nationalspieler zurückkehren. Dann muss ich abwägen, wie wir in etwa gegen Valencia am kommenden Mittwoch spielen werden. Klar ist: Wir haben einige Optionen.“

fcbayern.de: Vor allem im Mittelfeld…
Heynckes: „Luiz Gustavo hat zuletzt überragend gespielt. Bastian auch. Toni Kroos kann überall im Mittelfeld eingesetzt werden. Und Tymo habe ich auch noch. Er ist ein Top-Profi. Wenn er gespielt hat, hat er mich nie enttäuscht. Im Gegenteil: Er hat immer seine Leistung gebracht. Ich kann diese Saison variieren - und das werde ich auch tun. Wir brauchen Konkurrenzkampf, das pusht jeden einzelnen Spieler.“

fcbayern.de: Mit dem Heimspiel gegen Mainz warten nun drei englische Wochen in Folge. Da werden alle gebraucht, oder?
Heynckes: „Auf alle Fälle! Die Spieler wissen, dass ich ein Trainer bin, der gerne mal rotiert - unabhängig von Leistung. Jeder Spieler bekommt seine Chance. So erhält jeder seine Einsatzzeiten. Und wir haben immer eine gute Atmosphäre in der Mannschaft.“

fcbayern.de: Ihre Mannschaft ist mit vier Siegen in vier Pflichtspielen in die neue Saison gestartet. Sind Sie zufrieden?
Heynckes: „Es war wichtig, dass wir gut aus den Startlöchern gekommen sind. Nach einem großen Turnier ist das keine Selbstverständlichkeit. Aber natürlich hatten wir diesmal eine ungewöhnlich lange Vorbereitung, das merkt man jetzt: Die Mannschaft ist hungrig, sie hat wieder Lust und ist relativ weit - auch im physischen Bereich. Aber es gibt noch viele Dinge zu verbessern: die Automatismen, das Umschalten. Da stecken wir mitten in einem Prozess. Die Messlatte ist noch lange nicht erreicht, da ist noch viel Luft nach oben.“

fcbayern.de: Gegen Mainz hat sich der FCB in den vergangenen Jahren stets schwer getan. Warum?
Heynckes: „Das ist ein unbequemer Gegner, der ein gutes Pressing spielt. Wir müssen am Samstag genauso aggressiv zu Werke gehen wie gegen Stuttgart, die Gangart des Gegners annehmen und vorne unsere fußballerische Klasse ausspielen.“

fcbayern.de: Nächste Woche startet die neue Champions-League-Saison. Es wartet der FC Valencia…
Heynckes: „Ich freue mich drauf. Champions-League-Spiele, das sind Feiertage des Fußballs. Aber Valencia ist eine Klasse-Mannschaft. Sie haben zuletzt in Madrid unentschieden gespielt und danach Barca das Leben richtig schwer gemacht. Das ist ein Kaliber. Trotzdem: Wir wollen gleich ein Zeichen setzen und zeigen, wer Herr im Hause ist - so wie letztes Jahr in der Gruppenphase gegen Manchester City.“

fcbayern.de: Erstmals nach dem CL-Finale werden Sie und ihre Spieler wieder live im Stadion die CL-Hymne hören. Befürchten Sie negative Assoziationen?
Heynckes: „Nein, das ist vorbei, raus aus den Köpfen. Wir haben das gut verdaut. Da gibt es keine Nachwehen mehr. Im Gegenteil: Die Hymne wird uns wieder aufs Neue inspirieren und zusätzlich motivieren!“

Das Interview führte: Nikolai Kube

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