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'Verschärfter' Konkurrenzkampf

Hoffnung auf die 'letzten paar Prozent'

Jupp Heynckes war einfach nur glücklich. 6:1 gegen Stuttgart gewonnen, nach zwei Spieltagen Tabellenführer der Bundesliga. Der Hauptgrund für Heynckes‘ Glückseligkeit war allerdings ein anderer. Es ging um ein Ereignis, das sich vor dem Spiel gegen den VfB zugetragen hatte: Arjen Robben, stark erkältet, suchte Sonntagmittag das Gespräch mit seinem Coach. Heynckes verriet Details: „Arjen kam und sagte: 'Trainer, ich fühle mich nicht gut. Wir haben so eine gute Mannschaft, so viele Spieler. Es ist besser, wenn einer spielt, der 100 Prozent gesund und leistungsfähig ist.'“

Heynckes saß auf dem Podium des Presseraums in der Allianz Arena, als er davon berichtete. Der 6:1-Sieg stellte ihn zufrieden, diese Geschichte aber bereitete ihm „eine besondere Freude. Das spiegelt den Geist der Mannschaft wieder, das fand ich richtig klasse.“ Robben hatte verzichtet. Und so sprangen andere in die Bresche. Der Kader ist in dieser Saison qualitativ so stark besetzt, dass Heynckes den Ausfall eines Weltklasse-Manns wie Robben bestens kompensieren konnte.

Vor allem im Mittelfeld herrscht dichtes Gedränge. „Konkurrenzkampf war vorher schon da, jetzt hat er sich aber noch verschärft“, merkte Thomas Müller an. Der Nationalspieler gab gegen Stuttgart eine gute Bewerbung für einen Stammplatz ab. An vier der sechs Bayern-Tore war Müller direkt beteiligt (2 Tore, 2 Assists), das gelang ihm zuvor noch nie in seiner Karriere. „Mich freut es, dass ich nach zwei Spielen drei Tore auf dem Konto habe. Da habe ich letzte Saison deutlich länger für gebraucht“, erklärte der Offensivspieler.

Neben Müller trugen sich gegen Stuttgart auch die Mittelfeldspieler Luiz Gustavo, Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger in die Torschützenliste ein. Franck Ribéry zeigte ebenfalls eine starke Leistung. „Es ist wichtig, dass auch aus dem Mittelfeld die Tore kommen“, sagte Sturmspitze Mario Mandzukic, der sein Trefferkonto auch in die Höhe geschraubt hatte (5. Tor im 4. Pflichtspiel). „Bei Bayern gibt es halt einfach viele gute Spieler, jeder muss sich immer beweisen. Aber trotzdem haben alle Spaß“, erklärte Müller.

Gedränge auf der Sechser-Position

Heynckes hat die Qual der Wahl. Auch, weil mit der Verpflichtung von Javier Martínez der Kader weiter verstärkt wurde. Für die zwei Sechser-Positionen stehen nun mit Schweinsteiger, Martínez, Luiz Gustavo und Anatoliy Tymoshchuk vier Kandidaten zur Verfügung. Auch Toni Kroos, Emre Can oder David Alaba können dort eingesetzt werden. Und so wird nicht jeder dieser Akteure in den kommenden Wochen in jedem Spiel über die volle Distanz zum Einsatz kommen. Kein Problem, sagt Heynckes: „Die Spieler respektieren, dass auch andere mal 20, 25 Minuten oder von Anfang an spielen.“

Luiz Gustavo beispielsweise, der am Sonntag defensiv und offensiv glänzte, sieht in der aktuellen Mannschaft „unglaubliche Qualität“. Dass der Druck auf jeden Einzelnen nun steige, sei normal. Denn: „Ich spiele bei einem großen Verein. 1,5 Jahre bin ich jetzt hier - und ich hatte jeden Tag Druck. Ich bin das schon gewöhnt.“ Er mache einfach jeden Tag gewissenhaft seine Arbeit, der Rest ergebe sich von selbst.

Der FC Bayern 2012/13. Eine Mannschaft mit noch mehr Qualität in ihren Reihen als in der vergangenen Saison. Manuel Neuers Hoffnung: „Es könnte sein, dass das die paar Prozent bringt, die uns letztes Jahr fehlten!“

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