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'Es ist einfach passiert'

Müller: Erst Kreisklasse, dann Matchwinner

Er rutschte ihm über den Spann, flog ein paar Zentimeter am Ziel vorbei oder landete beim Gegenspieler - der Ball und Thomas Müller wurden an diesem Samstagnachmittag auf Schalke lange keine Freunde. „Heute habe ich mich schon ziemlich geärgert, als ich den einen oder anderen Ball nicht stoppen konnte - wie wenn ich in der Kreisklasse spielen würde“, sagte Müller nach dem Schlusspfiff, als sich die Reporter um ihn scharten. Denn am Ende war der 23-Jährige der Spieler des Spiels.

Ein Tor und eine Vorlage steuerte Müller zum 2:0-Sieg des FC Bayern auf Schalke bei und bedankte sich anschließend bei seinen Mitspielern, „dass sie mir trotzdem noch ein paar Bälle hingespielt haben“. Denn: „Über weite Strecken ist es heute nicht so gut gelaufen.“ Auch Jupp Heynckes sprach von „unglücklichen Situationen“ Müllers. „Der letzte Pass fehlte oder der letzte Laufweg.“

Trotzdem dachte der FCB-Chefcoach „keine Sekunde“ darüber nach, ihn auszuwechseln. „Thomas ist unberechenbar. Er ist immer agil und zeigt großes Engagement. In der zweiten Halbzeit ist er dafür belohnt worden, dass er 90 Minuten unheimlich unterwegs war.“ Auf Schalke bestritt Müller mit Abstand die meisten Zweikämpfe (27), war der FCB-Akteur mit den meisten Torschüssen (4) sowie den meisten Flanken (4) - und am Ende der Matchwinner.

Innerhalb von vier Minuten versöhnte sich Müller mit Ball und Spiel. Erst der feine Doppelpass mit Toni Kroos, der das Führungstor erzielte (55. Minute), dann der spektakuläre Treffer zum 2:0 mit Tunnel und verblüffendem Abschluss aus spitzem Winkel. „Ich würde sagen, es war Außenrist, aber fragen sie mich nicht - es ist einfach passiert“, wusste Müller selbst nicht genau, wie er den Ball da ins lange Eck befördert hatte. Heynckes schmunzelte: „Das war der Thomas Müller, wie wir ihn kennen.“

'Bisher eine überragende Saison'

Dass Thomas Müller wieder ganz der Alte ist, zeigt auch seine Gesamtstatistik. Mit vier Treffern führt er die Torschützenliste nach vier Bundesligaspielen an - so viele hatte er in der letzten Saison erst nach dem 26. Spieltag auf dem Konto. Darüber hinaus bereitete er vier Treffer vor und war somit an gut der Hälfte aller FCB-Ligatore (14) in dieser noch jungen Saison beteiligt. „Thomas spielt bisher eine überragende Saison“, ist Jupp Heynckes voll des Lobes.

Müller selbst führt seine gute Form auf akribische Arbeit zurück. „Ich habe versucht, mich gut vorzubereiten, und fühle mich körperlich gut“, sagte er. Dazu kommt eine mentale Stärke, ein unerschütterlicher Glaube an sich selbst. „Ich bin aus der Jugend gewohnt, dass in meinem Spiel nicht alles rund läuft“, erzählte Müller nach dem Sieg auf Schalke. Und: „Ich habe das Glück, dass ich von Haus aus einen relativ klaren Kopf habe und versuche, Dinge abzuhaken, wenn mal was Negatives passiert. Heute hat es wunderbar funktioniert.“

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