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Emotionale 77. Minute

Schweinsteiger 'beflügelt', Martínez 'glücklich'

Es lief die 77. Minute in der Allianz Arena. Der vierte Offizielle streckte seine Anzeigetafel in die Höhe, die 31 und die 8 leuchteten auf. Gleichbedeutend damit, dass Bastian Schweinsteiger nun Platz machen würde für Javier Martínez, den spanischen Neuzugang des FC Bayern. Die Zuschauer erhoben sich, Schweinsteiger umarmte seinen neuen Mitspieler herzlich. Ein warmer Empfang für Geburtstagskind Martínez, der nach der Partie übers ganze Gesicht strahlte und erklärte: „Das ist alles echt beeindruckend und sehr emotional. Dieser Klub, diese Mitspieler. Einfach toll.“

Einen tollen Abend erlebte aber auch Schweinsteiger, der den Applaus, der in der 77. Minute aufbrandete, auch für sich verbuchen kann. Bayerns Vize-Kapitän stand erstmals seit dem Champions-League-Finale gegen Chelsea wieder in der Startelf des Rekordmeisters - und überzeugte als Denker und Lenker im Mittelfeld! „Ich freue mich besonders für Bastian, er hat richtig gut gespielt“, sagte Trainer Heynckes, „Das, was er angedeutet hat, zeigt mir, dass der FC Bayern nur mit einem sehr guten Schweinsteiger sehr erfolgreich sein kann.“

Seit seiner Fußverletzung Anfang des Jahres hatte er schmerzhafte Monate verlebt - auch mental: Dreimal Zweiter mit Bayern, das Halbfinal-Aus bei der EM und als besonderes Drama die bittere Niederlage im CL-Finale. „Es ist sehr gut gelaufen für mich heute. So macht Fußball Spaß“, bemerkte der Mittelfeldchef, der seine Leistung mit dem Kopfballtreffer zum 6:1 (30. Bundesliga-Tor) krönte, erleichtert.

Schweinsteiger ging gegen Stuttgart weite Wege (lief über 10 Kilometer, 75 Ballkontakte), dirigierte lautstark und bestimmte mit seinen Pässen das Tempo des Spiels. Nur in der ersten halben Stunde hatte der Nationalspieler, genau wie der Rest der Mannschaft, leichte Eingewöhnungsprobleme. „Es hat ein bisschen gedauert, bis wir uns gefunden haben“, resümierte Heynckes, der Schweinsteiger in den kommenden Wochen wieder „integrieren“ will: „Er muss Tritt fassen.“

Und so kommt dem Trainer mit Sicherheit nicht ungelegen, dass sein Vize-Kapitän von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die anstehenden Länderspiele nominiert wurde. „Es ist gut, dass er die nächsten 14 Tage hier ist. Die Zeit braucht er, um in seine beste Verfassung zu kommen“, weiß Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Man spüre bei Schweinsteiger, dass er zuletzt „gut trainiert“ habe und „körperlich langsam wieder“ zu alter Form finde.

Schweinsteiger selbst bestätigte, dass er noch „etwas Rückstand“ habe. Aber: „Daran werde ich arbeiten und dann gegen Mainz wieder voller Kraft sein.“ In der vergangenen Woche habe er das erste Mal seit Februar wieder beschwerdefrei trainieren können. „Dieses Gefühl beflügelt, da tritt man dann gleich anders auf“, gewährte der 28-Jährige Einblick in sein Seelenleben. Auch am Tag nach dem 77-minütigen Einsatz war „alles im grünen Bereich“, wie Schweinsteiger bei FCB News verriet. „Ich bin nur etwas müde.“

Eine 'emotionale und beeindruckende' Woche

Martínez wird es ähnlich ergehen - bei all dem, was in den letzten Tagen „auf ihn eingestürzt“ (Heynckes) ist. Am Sonntag endete für den jungen Spanier mit seinem Debüt in der Allianz Arena eine „sehr emotionale und beeindruckende“ Woche. Seine ersten Minuten im Bayern-Trikot waren verheißungsvoll. Als Martínez nach wenigen Sekunden einen Pass locker aus dem Fußgelenk über 40 Meter präzise zu Thomas Müller schlug, staunten die 71.000 in der Arena nicht schlecht. „In den wenigen Minuten hat man schon ein bisschen was von seinen Qualitäten sehen können. Wir freuen uns sehr auf ihn“, berichtete Rummenigge.

Bayerns Vorstandsvorsitzender hatte sich bereits am Freitag ein persönliches Bild von Martínez gemacht, als er sich beim Mittagessen der Profis mit dem Spanier in „ordentlichem“ Englisch unterhielt. „Er ist sehr höflich, ein netter Mann“, sagte Rummenigge. Auch Nationalspieler Müller gewann einen positiven Eindruck vom Spanier: „Er strahlt viel Positives aus.“ Oft antworte Martínez mit einem Lächeln, „weil er noch kein Deutsch versteht“, berichtete Müller mit einem Augenzwinkern.

Mit offenen Armen empfangen

Damit es mit der Kommunikation schnellstmöglich noch besser klappt, paukt Martínez ab sofort Deutsch. „Ich werde versuchen, das Maximale zu geben“, sagte der 24-Jährige und ergänzte: „Mit meinem Transfer ging am Ende alles so schnell, so dass ich mich noch gar nicht richtig einleben konnte. Aber die Leute hier haben mich mit offenen Armen empfangen.“ Die 77. Minute am Sonntagabend wird Martínez noch lange in Erinnerung behalten. Denn: „Vor einer solchen Kulisse ein solcher Sieg, ich bin wunschlos glücklich.“

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