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13 Spiele, 13 Aufstellungen

Bayern rotiert von Sieg zu Sieg

„Never change a winning team.“ Sir Alf Ramsey, Englands Nationoalcoach beim WM-Triumph 1966, prägte diese Fußball-Weisheit, die der FC Bayern 46 Jahre später auf den Kopf stellt. Denn in den bisher 13 Pflichtspielen dieser Saison vertraute Trainer Jupp Heynckes 13 verschiedenen Startformationen. Das Ergebnis: Zwölf Siege und ein Bundesliga-Startrekord (8 Siege) mit der besten Offensive (26 Tore) und der beste Defensive (2 Gegentore) der Liga.

„Zu einer Fußball-Mannschaft gehören mehr als elf Spieler und jeder bekommt seine Chance“, sagte Heynckes, der bislang nur die lange kranken oder verletzten Daniel van Buyten und Diego Conteto, Ersatztorwart Tom Starke sowie die Jungprofis Mitchell Weiser und Patrick Weihrauch nicht eingesetzt hat. „Wir sind alle Stammspieler“, meinte Xherdan Shaqiri. Oder, wie Thomas Müller sagte: „Es gibt keine Stammelf mehr. Der Trainer entscheidet vor jedem Spiel neu, wer spielt.“

Meistens, wie zuletzt beim Auswärtsspiel in Lille, änderte Heynckes seine Startelf im Vergleich zum Spiel davor auf einer oder zwei Positionen. Zweimal, gegen Bremen und Valencia, rotierte er aber auch vier Mal. Treffen könne es jeden, selbst Manuel Neuer, meinte der Cheftrainer, der mit seinen Wechseln die Breite seines Kaders ausnutzt. „Man muss gewisse Garantien haben, um Wechsel durchführen zu können“, meinte er.

Die Entscheidung, wer spielt und wer nicht, falle ihm nie leicht. „Ich werde keinen Zylinder hinlegen, die Namen reinlegen und dann die Lose herausziehen“, sagte der 67-Jährige. Stattdessen berücksichtige er „viele Faktoren“: Wie ist die Form der Spieler? Wer passt zu wem? Wie sieht der Spielplan aus? Wer ist der Gegner? „Zum Beispiel gegen Valencia hat Toni Kroos im vorderen Mittelfeld gespielt, weil ich wusste: Valencia spielt defensiv, da brauche ich einen kreativen Kopf, einen Passgeber, der in die Tiefe spielt und auch selbst zum Abschluss kommt.“

'Alles für das Wohl der Mannschaft'

Der Plan ging auf: Kroos spielte stark, erzielte beim 2:1-Sieg ein Tor - und saß eine Woche später, beim 3:0 gegen Wolfsburg, auf der Bank. „Da war mir klar, dass Xherdan Shaqiri im vorderen Mittelfeld spielt. Das ist ein Spieler, der mit dem Rücken zum Gegner spielt und Ballannahme, -mitnahme und Drehungen perfekt macht“, erklärte Heynckes. Shaqiri bereitete einen Treffer mustergültig vor.

Die Spieler haben das Wechselspiel zwischen Bank und Rasen verinnerlicht. „Wir haben viele starke Spieler und manchmal spielt einer nicht. Natürlich ist das nicht einfach, aber wir haben im Moment eine gute Stimmung“, sagte Franck Ribéry. Heynckes erklärte: „Rotation muss akzeptiert werden, das habe ich der Mannschaft vor der Saison gesagt. Wichtig ist, dass die Spieler wissen, dass ich das alles für das Wohl der Mannschaft tue.“

Nur die Abwehr steht

Vorteile hat die Rotation viele: Durch die Konkurrenzsituation werden die letzten Prozente aus den Spielern herausgekitzelt; möglichst viele Spieler erhalten Spielpraxis, entsprechend gut ist die Atmosphäre im Team und plötzliche Ausfälle können besser kompensiert werden; die Mannschaft ist durch die Umstellungen für den Gegner unberechenbarer; die Spieler können immer wieder mal durchschnaufen. „Meine Erfahrung sagt mir: Wenn wir das so handhaben, dann haben wir auch im Februar, März, April, Mai genug Substanz, um erfolgreich Fußball spielen zu können“, sagte Heynckes.

Keine Verschnaufpause gab es bislang nur für Torwart Manuel Neuer und die Abwehr. Philipp Lahm, Jérôme Boateng, Dante und Holger Badstuber bildeten in den letzten elf Pflichtspielen die Viererkette. Da sich David Alaba (Ermüdungsbruch), Rafinha (Bänderriss) und Diego Contento (Haarriss) verletzten, fehlten Heynckes einfach die Alternativen. Inzwischen sind aber alle zurück und es dürfte jetzt auch für die Abwehr gelten: „Man kann bei keinem einzigen Spieler ausschließen, dass er mal in den Genuss kommt, neben mir auf der Bank zu sitzen.“

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