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Tom Starke im Interview

'Die Sinne sind geschärft'

Das Training war längst beendet, Jupp Heynckes und die Feldspieler standen bereits unter der Dusche. Auf dem Platz vor der Geschäftsstelle an der Säbener Straße ging es trotzdem noch heiß her: Torwarttrainer Toni Tapalovic hatte sich Nachwuchskeeper Leopold Zingerle und Tom Starke geschnappt. Flanke um Flanke segelte in den Strafraum. Es wurde hart geschuftet, der Spaß kam dabei aber nicht zu kurz. Beim nachfolgenden Lattenschießen schaltete sich dann sogar Co-Trainer Peter Herrmann ein.

Training, Training, Training. Starke, seit Sommer die Nummer zwei des FC Bayern, weiß, dass er so der Mannschaft am meisten helfen kann. „Ich gebe jeden Tag Vollgas“, berichtete der 31-Jährige, der seine Rolle beim FC Bayern perfekt ausführt. Am kommenden Samstag trifft Starke mit dem deutschen Rekordmeister auf seinen Ex-Verein 1899 Hoffenheim. fcbayern.de sprach mit dem Keeper unter anderem über die anstehende Partie, seinen Integrationsprozess beim FC Bayern und seine Rolle als Nummer zwei hinter Manuel Neuer.

Das Interview mit Tom Starke:

fcbayern.de: Tom, rund drei Monate bist du nun beim FC Bayern. Bist du mittlerweile so richtig angekommen?
Starke: „Auf alle Fälle! Ich bin ein Typ, der soziale Kontakte sucht und total offen ist. Ich habe mich bestens eingelebt, meine Familie auch. Meine Kinder gehen mittlerweile hier zur Schule, die ersten Freunde sind gefunden. Noch dazu waren die vergangenen Wochen sportlich sehr erfolgreich. Es passt alles zusammen.“

fcbayern.de: Was fasziniert dich bei deinem neuen Verein am allermeisten?
Starke: „Die Ausmaße. Da komme ich am ersten Trainingstag hier her, es ist noch kein Nationalspieler da - und trotzdem schauen rund 2.000 Leute zu. Andere Beispiele: Wir jetten so eben mal für eine paar Tage nach China oder reisen quer durch Deutschland für ein Testspiel, wo 20.000 Fans warten. Die Dimension dieses Klubs ist schon der Wahnsinn und einfach nur beeindruckend.“

fcbayern.de: Wie fühlt sich das an, vor so vielen Fans zu trainieren?
Starke: „Das ist Motivation, es stachelt an. Da ist die Konzentration deutlich höher, weil sich keiner einen Lapsus erlauben darf - sonst sehen es mal eben 3.000 Leute.“ (grinst)

fcbayern.de: Hat dich das hohe Trainingsniveau beim FC Bayern überrascht?
Starke: „Naja, ich bin fest davon ausgegangen, dass mich hier eine ganz andere Klasse erwartet. Aber mit diesem Niveau habe ich dann doch nicht gerechnet, das ist schon außergewöhnlich. Extrem war vor allem der Leistungssprung, als alle Nationalspieler aus ihrem Urlaub zurückgekehrt sind. Man merkt: Hier trainieren absolute Weltklasse-Spieler.“

fcbayern.de: Du wurdest als Nummer zwei verpflichtet. Wie lebt es sich mit dieser Rolle?
Starke: „Ich wusste von Anfang an, auf was ich mich einlasse. Es macht ehrlich gesagt richtig Spaß und ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Aber: Ich gebe jeden Tag Vollgas und spekuliere natürlich schon darauf, das eine oder andere Spiel als Torwart des FC Bayern zu machen. Schließlich habe ich ja auch für drei Jahre unterschrieben. Und wenn der Trainer mich dann wirklich mal ranlässt, würde ein Traum in Erfüllung gehen.“

fcbayern.de: Wie ist dein Verhältnis zu Manuel Neuer?
Starke: „Wir sind uns charakterlich sehr ähnlich: Beide sehr offen, wir gehen aufeinander zu. Wichtig ist, dass die Situation geklärt ist und wir keine verbitterten Konkurrenten sind. Manu weiß, dass er sich auf mich verlassen kann.“

fcbayern.de: In dieser Woche hast du deine erste Champions-League-Reise mit dem FC Bayern absolviert. Abgesehen vom Ergebnis - wie war’s?
Starke: „Beeindruckend. Da steigst du in einer Lufthansa-Chartermaschine, die sich so groß anfühlt wie ein A 380. Und dann ist die auch noch voll besetzt, der ganze Flieger voll mit Leuten des FC Bayern. Wahnsinn. Aber so eine Reise ist natürlich auch etwas stressig.“

fcbayern.de: Nun steht wieder Bundesliga auf dem Programm. Es geht am Samstag gegen deinen Ex-Klub 1899 Hoffenheim. Verfolgst du die Entwicklung noch?
Starke: „Klar, ich hatte eine tolle Zeit dort und bin immer noch gut vernetzt. Sie hatten keinen guten Saisonstart. Jetzt aber haben sie die Bremse reingehauen, aus den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt. Das ist eine richtige Hausnummer. Das nächste Spiel wird hoffentlich nicht erfolgreich sein für Hoffenheim, danach können sie aber gerne wieder zahlreich punkten.“

fcbayern.de: Welche Lehren habt ihr aus der Niederlage bei BATE Borisov gezogen?
Starke: „Es war wichtig, dass jeder gesehen hat, dass es keine Selbstläufer gibt. Wenn du ein paar Prozentpunkte weniger investierst, wird es schwierig auf hohem Niveau. Ich bin mir sicher, dass Borisov ein Ausrutscher war. Die Sinne sind geschärft und ich bin optimistisch, dass wir mit einem Erfolgserlebnis in die Länderspielpause gehen.“

fcbayern.de: Es wird kein normales Bundesliga-Spiel werden. Dein ehemaliger Kollege Boris Vukcevic liegt nach seinem schweren Verkehrsunfall weiter im Koma. Wie gehst du mit dieser schwierigen Situation um?
Starke: „Es war ein Schock für mich. Wir haben uns während unserer gemeinsamen Zeit in Hoffenheim sehr gut verstanden. Er ist noch so jung. Es ist sehr, sehr bitter, was da passiert ist.“

fcbayern.de: Welche Auswirkungen wird das alles auf das Spiel am Samstag haben?
Starke: „Es ist keine einfache Situation - für uns, aber vor allem natürlich für die Hoffenheimer. Ich glaube trotzdem, dass so ein Erlebnis eine Mannschaft noch mehr zusammenschweißt.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

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