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'Können jeden Gegner schlagen'

Lille will es machen wie Borisov

Willkommen bei den Sch'tis! So hieß der französische Kino-Hit aus dem Jahr 2008, der mit den Klischees spielte, die der Gegend anhaften, in der der FC Bayern am Montag gelandet ist: Nord-Pas-de-Calais, die nördlichste Region Frankreichs, zwischen Ärmelkanal und belgischer Grenze. Einen seltsamen Dialekt sprechen sie dort, trostlos soll es sein und natürlich kalt und verregnet. Als der FC Bayern landete schien die Sonne, das Thermometer zeigte 20 Grad an - so viel zu den Klischees.

Und Fußball spielen können sie natürlich auch, und wie! „Die Bayern sollten vorsichtig sein“, warnte Bixente Lizarazu am Montag im kicker vor dem LOSC Lille, auf den der FC Bayern am Dienstagabend in der Champions League trifft. In der Bild-Zeitung fügte der ehemalige Münchner hinzu: „Die Tabelle in Frankreich täuscht. Normal gehören sie in die Top drei. Irgendwann werden sie starten.“


Aktuell müssen die Doggen aber mit Platz elf vorliebnehmen, in der Champions League verloren sie die ersten beiden Partien gegen Borisov (1:3) und in Valencia (0:2). Entsprechend groß ist der Druck für die Lillois, jetzt gegen den FC Bayern punkten zu müssen. Das Beispiel Borisov hat sie zusätzlich motiviert, wie Trainer Rudi Garcia anmerkte: „Wir sollten uns von Borisov inspirieren lassen, das die Bayern geschlagen hat.“

'Nicht zu großen Respekt'

Garcia, der seinen Vornamen übrigens in Anlehnung an den deutschen Radrennfahrer Rudi Altig trägt, hat früher selbst für Lille gespielt und sitzt seit 2008 auf der Trainerbank des LOSC. Drei Jahre später führte er den Klub erstmals seit 56 Jahren wieder zu Titeln (Meisterschaft, Pokal). „In einem Spiel können wir jeden Gegner schlagen, auch einen der Favoriten auf den Champions-League-Titel“, sagte er vor dem Duell mit dem FC Bayern, „wir müssen an unsere Chance glauben und dürfen nicht zu großen Respekt haben.“

Nach einem 2:0-Sieg gegen Ajaccio und einem in letzter Sekunde erkämpften 1:1 in Bordeaux vom vergangenen Freitag ist Garcia überzeugt, „dass sich das Blatt jetzt wendet, dass der Erfolg zurückkommt.“ Immerhin stimmen die Ergebnisse wieder. Spielerisch könne sein Team aber „viel besser“ auftreten, bemängelte der LOSC-Coach zu viele Ballverluste und mangelnde Chancenverwertung. „Wir müssen den Drang haben, dann Ball mit dem Torhüter im Tor zu versenken.“

'Haben nichts zu verlieren'

Auch personell kann Garcia (Lizarazu: „der beste Trainer der Liga“) am Dienstag im Grand Stade Lille Métropole, dem modernsten und mit einem verschließbaren Dach ausgestatteten Stadion Frankreichs, nicht aus dem Vollen schöpfen. Kapitän Rio Mavuba (Menisku-OP), Vizekapitän Mathieu Debuchy (Sperre) und Mittelfeldspieler Idrissa Gueye (Sprunggelenk) fehlen, der Einsatz von Innenverteidiger Marko Basa, der sich in Bordeaux die Nase gebrochen hat, ist sehr fraglich.

„Wir haben nichts zu verlieren“, meinte Angreifer Salomon Kalou, der im Sommer vom FC Chelsea nach Lille gewechselt ist. Der Ivorer spielte vor fünf Monaten noch mit den Blues im CL-Finale gegen den FC Bayern. Auch daraus schöpft er Zuversicht für das Duell am Dienstag, denn er weiß: „Es gewinnt nicht zwingend die Mannschaft, die den schöneren Fußball spielt.“

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