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'Drucksituation' gemeistert

Nichts für die 'Geschichtsbücher', aber 'wichtig'

Kurz und knackig fiel sie aus, die Bankettrede von Karl-Heinz Rummenigge nach dem 1:0-„Arbeitssieg“ des FC Bayern beim LOSC Lille. „Es war sicherlich kein Spiel, das in die Geschichtsbücher der Champions League eingehen wird. Aber es waren wichtige Punkte“, erklärte der Vorstandsvorsitzende und eröffnete rund zwei Minuten später das Buffet im Theater-Saal des Teamhotels im Norden Frankreichs. Zuvor waren Spieler und Verantwortliche des deutschen Rekordmeisters mit Applaus von den geladenen Gästen empfangen worden.

Denn: Der FCB lieferte beim letztjährigen Dritten der Ligue 1 zwar „kein Spektakel“ (Bastian Schweinsteiger), die „Drucksituation“ nach der Niederlage beim FC BATE Borisov aber meisterten die Münchner schlussendlich souverän. „Das hat die Mannschaft gut gemacht“, führte Rummenigge weiter aus: „Wir haben noch zwei Heimspiele und können auch in der Champions League hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.“

Von Beginn an hatten die Bayern in Lille das Zepter übernommen. Defensiv brannte über 90 Minuten so gut wie nichts an, offensiv reichte am Ende das Elfmetertor von Thomas Müller (20. Minute) zum ersten Auswärtserfolg in dieser noch jungen CL-Saison. Der Nationalspieler trat erstmals in seiner Karriere in einem Pflichtspiel vom Punkt für den FC Bayern an. „Ich war ganz cool, hatte mir aber eigentlich eine druckfreiere Ausgangslage für meinen ersten Elfmeter gewünscht“, berichtete Müller später.

Der 23-Jährige, der im Training regelmäßig Strafstöße gegen Bayerns Nummer zwei Tom Starke übt („Da wird immer schön gezockt.“), guckte Lilles Keeper Mickael Landreau aus und schob den Ball überlegt ins rechte, untere Eck. „Thomas hat eine spezielle Art, Elfmeter zu schießen“, analysierte Schweinsteiger mit einem Augenzwinkern, „er hat ein paar Jahre warten müssen, jetzt ist er endlich dran.“ In Lille erledigte Müller seinen Job perfekt und stellte so die Weichen auf Sieg.

In der zweiten Halbzeit hatte der Offensivmann dann sogar das 2:0 auf dem Fuß. Doch es fiel nicht - und so kam Lille in der Endphase noch einmal auf. „Sie haben dann alles auf eine Karte gesetzt“, sagte Jupp Heynckes. Die drei Punkte entführte dennoch der FCB. Das Fazit des Cheftrainers: „Wir haben nicht so gut gespielt, aber die Mannschaft hat gefightet und deshalb verdient gewonnen.“

Seine Spieler sahen dies ähnlich. Kapitän Philipp Lahm, der den siegbringenden Elfmeter herausgeholt hatte, stellte klar: „Wir können es besser.“ Man habe sich „schwer“ getan, „auch im läuferischen Bereich“. Aber am Ende sei entscheidend gewesen, „dass man gut verteidigt und wenige Chancen zugelassen hat“. Müller erklärte: „Wir mussten uns strecken und auch kämpferisch dagegenhalten. Wir haben alles reingehauen.“ Holger Badstuber sprach von einer „kleinen Schlacht“, am Ende habe man ein „immens wichtiges Spiel“ gewonnen.

Ribéry angeschlagen

Gegen einen Gegner, der aggressiv, manchmal auch „hart“ zu Werke ging, wie Schweinsteiger anmerkte: „Das war schon okay so. Aber Franck hätte man besser schützen müssen.“ In der Tat bekam Rückkehrer Ribéry in der ersten Halbzeit den einen oder anderen Schlag ab, zur Pause musste er auf Grund muskulärer Probleme ausgewechselt werden. „Es war komisch, ich hatte ein Gefühl wie ein Krampf. Das ist schade“, berichtete er. Das Risiko einer schlimmeren Verletzung wäre zu groß gewesen, wenn Ribéry weitergespielt hätte.

Auch ohne den sich in Topform befindlichen Franzosen schaukelte der FCB den Dreier über die Bühne. „Jetzt haben wir es wieder selbst in der Hand. Das ist das Wichtigste“, resümierte Sport-Vorstand Matthias Sammer. Und Rummenigge rief in Erinnerung, dass dies das dritte Spiel in einer Woche gewesen sei. „Da spürt man schon, dass die Kräfte etwas nachlassen.“ Mit Rinderfilet in Rotweinsauce oder gebratenen Seeteufel-Medaillons konnten sich die Bayern auf dem Mitternachtsbankett dann schon wieder etwas stärken.

Für fcbayern.de in Lille: Nikolai Kube

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