präsentiert von
Menü
Rekorde und viel Wehmut

'Der FC Bayern ist eine Oase der Ruhe'

Viele Worte brauchte Uli Hoeneß bei seiner Begrüßung nicht, da brandete der Applaus im Audi Dome das erste Mal so richtig auf. „Hier ist alles rot, hier fühle ich mich besonders wohl!“ Der Bayern-Präsident sprach den 2.591 anwesenden Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung 2012 aus dem Herzen, der Abend konnte beginnen. Und es wurde ein großartiger!

Karl Hopfner verkündete Rekordzahlen (Umsatz: 373,4 Millionen Euro; Gewinn nach Steuern: 11,1 Millionen Euro), das neue Präsidium um Hoeneß, Hopfner sowie Rudolf Schels wurde mit 97-prozentiger Mehrheit gewählt und die beiden scheidenden Vizepräsidenten und künftigen Ehren-Vizepräsidenten Fritz Scherer und Bernd Rauch wurden feierlich verabschiedet. Der Audi Dome bildete den passenden Rahmen für eine Veranstaltung, der auch ohne die ganz großen Pokale keinesfalls der Glanz fehlte.

„Wir stehen ausgezeichnet, mustergültig da. Das macht uns glücklich und stolz“, erklärte Karl-Heinz Rummenigge. Hoeneß ergänzte: „Es ist ein Traum, Präsident dieses Vereins zu sein. Das gibt mir ein Gefühl der Zufriedenheit, des Spaßes und der Lebensfreude.“ Und auch Hopfner sieht den FCB „für die Zukunft gerüstet. Wir sind Herr im eigenen Haus.“

Pünktlich um 19 Uhr hatte die diesjährige Jahreshauptversammlung am Donnerstag begonnen, über vier Stunden später endete sie - ohne die Fußball-Mannschaft des FC Bayern, die sich nach den Länderspielen und vor dem wichtigen Auswärtsspiel in Nürnberg am kommenden Samstag zuhause von den Strapazen erholte. Auch Cheftrainer Jupp Heynckes ließ sich entschuldigen, ein grippaler Infekt macht dem 67-Jährigen seit Tagen zu schaffen. „Schade“, fand Hoeneß, „denn ich hätte ihm nach seinen überragenden Leistungen bis zu diesem Zeitpunkt das Bad in der Menge gegönnt.“

Stellvertretend für das Profiteam nahm Bastian Schweinsteiger in der ersten Reihe neben Sport-Vorstand Matthias Sammer Platz und wurde von den Mitgliedern frenetisch begrüßt. Ebenfalls in der Halle: Das Basketballteam des FCB. Und sie alle beobachteten, wie Scherer und Rauch nach ihren Reden sichtlich gerührt „Auf Wiedersehen“ sagten. „Ich gehe mit einem guten Gewissen“, berichtete Rauch. Scherer sagte, er werde dem FC Bayern „immer treu bleiben“.

Dann übernahm Rummenigge - und das Sportliche rückte in den Vordergrund. „Wir können bis hierhin mit den Leistungen hochzufrieden sein. Das ist guter, erfolgreicher Fußball und es macht einen stabilen Eindruck“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Aber: Genau das habe er vor einem Jahr an gleicher Stelle auch gesagt, das Ende sei bekannt. „Das Beste wäre: Einfach weitermachen und es ein Stück besser machen als in der letzten Saison.“ Der „wichtigste und ehrlichste“ Titel sei, so Rummenigge, die Deutsche Meisterschaft.

Hoeneß lobt die Einkaufspolitik

Präsident Hoeneß, der den FC Bayern vor den zahlreich anwesenden Medienvertretern im Anschluss an die Jahreshauptversammlung als „Oase der Ruhe“ bezeichnete, lobte insbesondere die Arbeit des Vorstandes. Die Probleme der vergangenen Saison seien „fantastisch analysiert“ worden und die „Konsequenzen“ daraus gezogen worden. „Es wurde sehr, sehr gut eingekauft.“ Bestätigt sah sich der 60-Jährige in der Tatsache, dass der Audi Dome bei der Aufzählung der zehn Neuzugänge bebte. „Wir haben es geschafft, wieder in die Spur zu kommen!“

Es schwang in den Worten der Bayern-Verantwortlichen an diesem Abend aber auch Wehmut mit. Denn, so Hoeneß: „Dieser Verein befindet sich im personellen Umbruch.“ Hopfner („Die vielen lobenden Worte haben mich unwahrscheinlich gefreut, das tut schon gut.“) beendet nach rund zehn Jahren am Jahresende seine Tätigkeit im Vorstand. Als erster Vizepräsident bleibt er dem FC Bayern aber erhalten. Hoeneß selbst war vor drei Jahren ins Präsidium gewechselt.

Weichen für Zukunft sind gestellt

„Karl-Heinz Rummenigge ist der letzte Mohikaner im Vorstand“, erklärte Hoeneß, der diesen personellen Umbau „auf höchstem Niveau“ vollziehen möchte. „Wenn uns das gelingt, haben wir gute Arbeit geleistet.“ Mit Matthias Sammer (Sport-Vorstand), Andreas Jung (stellvertretender Vorstand) und dem Hopfner-Nachfolger Jan-Christian Dreesen, der Anfang des kommenden Jahres sein Amt antreten wird, sind die Weichen für die Zukunft gestellt.

Und sie alle werden gemeinsam mit Rummenigge einen Klub führen, der so beliebt und groß wie nie zuvor ist: 187.865 Mitglieder. 481 Angestellte. 3.202 offizielle Fanclubs. 231.197 Fanclub-Mitglieder. Hoeneß: „Diese beeindruckenden Zahlen sind die Konsequenz aus der tollen Zusammenarbeit aller Gremien. Der Verein ruht in sich selbst - vom Präsidium über den Vorstand bis in den Aufsichtsrat.“

Hoeneß reicht Fans die Hand

Apropos Fans. Auch bei diesem Thema ging es am Donnerstagabend harmonisch zu. Hoeneß reichte den Anhängern, die zuletzt der Südkurve in der Champions League aus Protest ferngeblieben waren, demonstrativ die Hand. „Die Tür ist für euch immer offen. Wir werden uns zeitnah zusammensetzen, mit vernünftigen Argumenten“, sagte der Präsident. Im gleichen Atemzug stellte er aber klar: „Auch der FC Bayern muss sich an die Gesetze dieses Landes halten. Ich hoffe auf Lösungen, mit denen wir alle leben können!“

Weitere Inhalte