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'Riesenkompliment!'

FCB beweist Qualität und 'unbedingten Willen'

Als alles vorüber war, als 71.000 Zuschauer ins Warme strömten und die Allianz Arena sich leerte, war Arjen Robben noch immer unter Strom. Mit breiter Brust, die Hände in die Hüften gestemmt gab der Holländer im Bauch des Stadions Interviews. Sein Trikot hatte er ausgezogen, nur die Binde am rechten Oberarm trug er noch. „Die bleibt beim Schlafen dran“, scherzte der bestens gelaunte Turbodribbler, nachdem er den FC Bayern erstmals als Kapitän angeführt hatte. „Das ist eine große Ehre, ich bin sehr stolz“, sagte er nach einem nicht nur für ihn perfekten DFB-Pokal-Abend und fügte hinzu: „Aber noch mehr bin ich stolz auf die Mannschaft.“

Denn beim 4:0 (1:0)-Pokalerfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern stand nicht der Ersatzkapitän und zweifache Torschütze (49. Minute, 88.) Robben im Mittelpunkt, auch nicht der andere Doppelpacker Claudio Pizarro (11., 58.), sondern die ganze Mannschaft. „4:0, das sieht einfach aus. Aber wir haben mit einer Mannschaft gespielt, die kaum Spielpraxis hatte und kaum eingespielt war“, erklärte Robben, „ein Riesenkompliment an diese Mannschaft!“

Neun von elf Positionen hatte Jupp Heynckes im Vergleich zum letzten Spiel geändert. Der FCB-Chefcoach nutzte die Partie, um den Stammkräften der letzten Wochen eine Verschnaufpause zu verschaffen - die Kapitäne Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger gehörten nicht einmal zum Aufgebot. Gleichzeitig konnten Reservisten oder lange verletzte Akteuren Spielpraxis sammeln. So kam Tom Starke zu seinem ersten Pflichtspiel im FCB-Trikot, Diego Contento bestritt sein erstes Saisonspiel, Rafinha und Anatoliy Tymoshchuk standen erstmals in dieser Saison in der Startelf und auch Talent Emre Can lief von Beginn an auf.

'Sehr extrem'

Er habe „sehr extrem“ rotiert, fand Heynckes selbst. Wie souverän seine bunt zusammengewürfelte Elf die Aufgabe Achtelfinal-Einzug gegen den ambitionierten und bis dato in dieser Saison noch ungeschlagenen Zweitligisten meisterte, überraschte ihn aber nicht. „Ich halte das für normal, weil wir täglich Passspiel, Laufwege, Angriffsschemen trainieren“, erklärte der Bayern-Trainer, „deswegen habe ich auch heute in der Sitzung gesagt: 'Leute, wir werden harmonieren, das habt Ihr drauf und drin.' Das haben die Spieler eindrucksvoll gezeigt.“

Als „ein Zeichen des Trainers, dass er an die Mannschaft glaubt und ihr vertraut“, bewertete Robben Heynckes' große Rotation. „Wir haben große Qualität in der Mannschaft und das haben wir heute gezeigt.“ Xherdan Shaqiri meinte: „Heute war es auch ein Spiel, in dem man sich zeigen konnte. Ich denke, das ist uns sehr gut gelungen.“ Heynckes fand durch die Partie bestätigt, „dass wir einen wesentlich breiteren und qualitativ besseren Kader als letztes Jahr haben. Und dass alle gebraucht werden.“

Darüber hinaus zeigte die Mannschaft die erhoffte Reaktion nach der unglücklichen Niederlage gegen Leverkusen vom vergangenen Wochenende. „Wir hatten von Anfang an das Spielgeschehen in der Hand und haben dann auch die Tore geschossen“, sagte Shaqiri. Heynckes meinte: „Man hat meinen Spielern den unbedingten Willen angesehen, ins Achtelfinale einzuziehen.“

'Hellwach' nach Hamburg

Allen voran Robben, der nicht nur zweimal selbst traf, sondern auch noch den Führungstreffer durch Pizarro vorbereitete und die Mannschaft unermüdlich antrieb. „Ich überrasche mich selbst. Ich hatte nicht erwartet, dass ich schon so weit bin“, sagte der Turbodribbler, der erstmals nach seiner vierwöchigen Verletzungspause (muskuläre Probleme) 90 Minuten zum Einsatz gekommen war. „Ich bin zufrieden mit heute Abend. Aber es ist noch immer Luft nach oben.“

Schon am Samstag können Robben und die Bayern da weitermachen, wo sie gegen Kaiserslautern aufgehöhrt haben. Beim wiedererstarkten Hamburger SV, der bereits in der ersten DFB-Pokalrunde ausgeschieden und daher unter der Woche spielfrei war, müsse man wieder „hellwach sein“, forderte der Holländer: „In Hamburg müssen wir genauso reagieren wie heute auf die Niederlage gegen Leverkusen. Wir können uns keine weiteren Punktverluste leisten.“ Gut gebrüllt, Captain!

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