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Wie aus dem 'Bilderbuch'

FCB bleibt trotz Gala 'auf dem Boden'

Es hielt sie nicht mehr auf den Sitzen, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner. Denn das, was die Führungsetage des FC Bayern und die 67.997 anderen Zuschauer in der Münchner Allianz Arena in den ersten 33 Minuten des Champions-League-Spiels gegen den LOSC Lille geboten bekamen, war schier außergewöhnlich und zum Genießen: Noch nie zuvor in der Historie der europäischen Königsklasse führte eine Mannschaft so schnell so hoch wie der FCB am Mittwochabend!

„Wie aus einem Guss, das waren Bilderbuchkombinationen mit wunderschönen Torabschlüssen“, fasste Cheftrainer Jupp Heynckes die Eindrücke der ersten Halbzeit treffend zusammen. Nach dem Wechsel ließen es Dreifach-Torschütze Claudio Pizarro (18. Minute, 28., 33.), Bastian Schweinsteiger (5.), Arjen Robben (23.) und Co. etwas gemütlicher angehen. Am Ende stand ein 6:1 (5:0)-Heimsieg, der auch noch deutlich höher hätte ausfallen können.

„Ich bin total zufrieden. Denn wenn wir zehn Stück geschossen hätten, was durchaus möglich gewesen wäre, dann wären jetzt die Euphorie-Korken schon nach oben geflogen“, erklärte Rummenigge, „das brauchen wir nicht!“ Der Vorstandsvorsitzende stellte auf der anderen Seite allerdings auch klar: „Wir freuen uns. Ich finde es gut, dass wir jetzt so eine Kontinuität und Stabilität in der Mannschaft haben.“

Es war eine geschlossen starke Teamleistung der Bayern, die den ersten Durchgang für die überforderten Gäste aus Nordfrankreich zu einem „Albtraum“ machte, wie Trainer Rudi Garcia anerkennen musste: „Es sah aus wie ein Jugendteam gegen eine erfahrene Mannschaft.“ Torhüter Mickaël Landreau, trotz der sechs Gegentore bester Akteur beim LOSC, sah Bayern „von einem anderen Planeten. Ich muss zugeben, dass sie mich sehr beeindruckt haben.“

'Müssen weitermarschieren'

Und so verließen die Spieler des FCB mit einem Strahlen die Allianz Arena. „Wir können stolz sein und sind überglücklich. Wir haben umgesetzt, was uns der Trainer aufgetragen hat“, sagte Schweinsteiger. Teamkollege Robben, der in der zweiten Hälfte mehrfach an Keeper Landreau gescheitert war, fand „alles richtig schön. Da muss man es auch auf dem Platz genießen.“ Euphorie beim FC Bayern? Keineswegs!

Spieler und Verantwortliche werden in diesen Tagen trotz der tollen Leistungen nicht müde zu erwähnen, dass „die Konzentration hochgehalten“ (Robben) werden muss: „Wir haben eine super Mentalität in Mannschaft und werden mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben.“ Auch Sport-Vorstand Matthias Sammer („Die Mannschaft muss begreifen, dass jedes Spiel bei null losgeht. Wir müssen weitermarschieren.“) und Trainer Heynckes („Gegen Frankfurt wird es deutlich schwerer.“) warnten vor nur den geringsten Nachlässigkeiten.

Gruppe F heiß umkämpft

Während der FC Bayern in der Bundesliga mit sieben Punkten Vorsprung die Tabelle anführt, gestaltet sich die Situation in der Champions-League-Gruppe F trotz des Kantersieges kompliziert. Bayern und Valencia führen das Ranking zwar mit jeweils neun Punkten an, Borisov aber lauert mit sechs Zählern auf Platz drei. Schlägt der FC BATE das bereits ausgeschiedene Lille am kommenden Spieltag vor heimischem Publikum, droht dem Verlierer der Partie Valencia gegen Bayern am letzten Gruppenspieltag sogar noch das Aus.

„Wir sind vorne dabei und natürlich ist es unser Ziel, Gruppensieger zu werden. Dafür brauchen wir aber noch mindestens vier Punkte“, weiß auch Kapitän Philipp Lahm. In Valencia in zwei Wochen soll somit also mindestens ein Unentschieden her, besser ein Sieg. Dann wäre Bayern bereits sicher im Achtelfinale. Dabei mithelfen soll unter anderem Schweinsteiger, der gegen Lille einmal mehr seine Topform unter Beweis stellte, sich aber über eine kleinliche Gelbe Karte des rumänischen Schiedsrichters ärgerte.

Nach Lille ist vor Frankfurt

Es war die zweite Verwarnung des Nationalspielers in der laufenden CL-Saison, bei der nächste wäre Schweinsteiger für eine Partie gesperrt. „Bis auf die Gelbe Karte hat der Abend richtig Spaß gemacht“, merkte der leicht angefressene Vize-Kapitän an. Es dauerte jedoch nicht lange, da war der Zorn bereits wieder verraucht. Denn nach Lille ist vor Frankfurt - und da werden 99 Prozent nicht reichen.

„Wir müssen gut regenerieren und den eingeschlagenen Weg weitergehen“, forderte Sammer. Monsieur Ribéry, der gegen seine Landsleute einmal mehr nicht zu stoppen war, erwartet gegen den überraschend starken Aufsteiger (aktuell Tabellendritter) nichts anderes als den nächsten Dreier. „Wir müssen schon morgen vergessen, was heute war“, sagte der Franzose und verabschiedete sich in die kalte Münchner Herbstnacht.

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