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Keine 'Jubelsprünge'

FCB trotz Achtelfinaleinzug 'selbstkritisch'

Es war kurz vor Mitternacht, als Karl-Heinz Rummenigge beim traditionellen Champions-League-Bankett im Mannschaftshotel des FC Bayern das Wort ergriff. Eine Stunde zuvor hatte der deutsche Rekordmeister durch ein 1:1 (0:0)-Remis beim FC Valencia vorzeitig das Achtelfinale in der Königsklasse erreicht, im letzten Vorrundenspiel gegen BATE Borisov kann nun sogar noch der Gruppensieg eingefahren werden. Soweit alles im Lot im Lager des FC Bayern, der zum fünften Mal in Folge die K.o.-Runde erreicht hat.

Doch der Vorstandsvorsitzende fand keinesfalls nur lobende Worte. „Mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein, mit dem Spiel aber nicht“, sagte Rummenigge, dem die Partie „in dem sonnigen Paradies“ an der spanischen Mittelmeerküste - wie auch die vorangegangene Begegnung beim 1. FC Nürnberg - „nicht gefallen“ hat. „Wenn man eine Stunde gegen zehn Mann spielt und dann zufrieden sein muss, dass man Unentschieden spielt, ist das nicht befriedigend. Das ist mir ein Stück weit zu sehr Verwalten. Wir müssen den Schalter wieder umlegen und mehr Gas geben“, so Rummenigge weiter.

33 Minuten lang sei es ein „ausgeglichenes Spiel“ gewesen, meinte Trainer Jupp Heynckes. Bis zum Platzverweis gegen Valencias Antonio Barragán. Ab diesem Moment aber habe es seine Mannschaft gegen die in Unterzahl agierenden Gastgeber „nicht geschafft, aus ihrer Überlegenheit viele Torchancen zu kreieren“. Im Gegenteil: „Gegen elf Mann von Valencia haben wir fast besser gespielt“, analysierte Torhüter Manuel Neuer und brachte die Gemütslage im Lager des FCB auf den Punkt. „Es ist ein komisches Gefühl. Wir sind weiter, aber man kann sich nicht richtig freuen. Wir haben es nicht gut gemacht.“

Dabei hätte die Ausgangslage vor dem Anpfiff kaum besser sein können. Durch den etwas überraschenden 2:0-Erfolg des Tabellenletzten Lille in Borisov war Valencia bereits für das Achtelfinale qualifiziert und dem FCB hätte eben dieser eine Punkt genügt, um ebenfalls vorzeitig die Runde der letzten 16 Teams zu erreichen. „Uns war die Situation bewusst, dass wir mit einem Erfolg Gruppensieger werden können. Es ist sehr ärgerlich, dass wir nicht gewinnen konnten“, meinte Thomas Müller, der mit seinem Treffer in der 82. Minute den Punktgewinn sicherte.

'Werden selbstkritisch mit dem Spiel umgehen'

Kurz zuvor war Valencia durch Sofiane Feghouli (77.) trotz Unterzahl nicht unverdient in Führung gegangen. „Valencia ist keine Landkundschaft. Man hat gesehen, dass sie nicht nur eine gute Mannschaft haben, sondern auch Spieler, die sich steigern können und ans Limit gehen. Wir werden sehr selbstkritisch mit dem Spiel umgehen“, fand Heynckes deutliche Worte. „In der Champions League musst du immer hundert Prozent geben.“ Möglicherweise habe das Resultat aus Borisov dazu geführt, „dass die Mannschaft nicht die absolute Leistung gebracht hat“.

„Wir haben nach dem Gegentor gut reagiert“, hob Abwehrspieler Dante „das Positive“ des Abends hervor. „Wir nehmen den Punkt mit, das war unser Mindestziel, das haben wir erreicht“, ergänzte Toni Kroos, räumte aber auch ein: „Nach dem Platzverweis haben wir uns nicht so gut angestellt. Wir haben uns schwergetan gegen zehn Mann. Das müssen wir besser machen, diesen Anspruch müssen wir haben.“ Und Müller fügte an: „Wir werden nicht in Jubelsprünge ausbrechen. Das war kein Spiel, für das wir uns feiern lassen können.“

Hebel wieder umlegen

„Wir haben eine schwierige Woche vor uns mit den Spielen gegen Hannover, Freiburg und Dortmund“, erinnerte der Vorstandschef an die bevorstehenden Aufgaben. Seine „mahnenden Worte“ zu später Stunde hatte er dabei weniger als Kritik denn als Weckruf in die Runde gerichtet. „Wir müssen aufwachen, wir müssen ein Stück zulegen. Wir müssen wieder die Gangart hinkriegen, die uns so stark gemacht hat, die uns in der Bundesliga-Tabelle weit nach oben gebracht hat.“

Diesem Apell schloss sich auch Kapitän Philipp Lahm an. „Wir müssen den Hebel finden, dass wir wieder besser Fußball spielen. Es stehen entscheidende Wochen an, bis zum Winter kann noch einiges passieren. In der Bundesliga und der Champions League geht es um Platz eins, im DFB-Pokal um die nächste Runde. Wir müssen aufpassen, wir müssen hellwach sein und wir müssen wieder in die Spur finden. So schnell wie möglich.“ Und Thomas Müller meinte abschließend. „Wenn wir unsere Spiele weiter so medium bestreiten, wird es wieder spannend da vorne. Das wollen wir vermeiden.“

Für fcbayern.de in Valencia: Carsten Zimmermann

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