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Jérôme Boateng im Interview

'Junge, ins andere Tor!'

Philipp Lahm, Thomas Müller, Manuel Neuer - alle drei normalerweise Kandidaten für das Prädikat „Dauerbrenner“. Nicht so in dieser Saison. Sowohl Lahm als auch Müller und Neuer durften bereits einmal pausieren, im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern. Anders als Jérôme Boateng. Der Innenverteidiger des FC Bayern verpasste in dieser Spielzeit bislang keine einzige Pflichtspielminute. Von Müdigkeit ist bei Boateng keine Spur, wie er im ausführlichen Interview mit fcbayern.de erklärt: „Ich spüre keinerlei Kräfteverschleiß und bin ein Typ, der sehr, sehr gut regeneriert.“

Boateng hat sich beim FCB in seiner zweiten Saison als Innenverteidiger etabliert. Seine Leistungen: Konstant gut. Mit erst vier Gegentoren ist der 24-Jährige ein wichtiger Teil der besten Defensive der Bundesliga. Nur ein Tor wollte Boateng bislang noch nicht gelingen. Dies soll sich aber schnell ändern, damit er die Sprüche seiner Freunde nicht mehr ertragen muss.

Das Interview mit Jérôme Boateng:

fcbayern.de: Jérôme, nach dem Hamburg-Spiel warst du erst weit nach Mitternacht zuhause, früh morgens gleich wieder an der Säbener Straße. Viel Zeit zum Schlafen bleibt da dann nicht mehr…
Boateng: „Das stimmt. Vor allem, weil ich nach Spielen immer mindestens bis 3 Uhr wach bin. Ich brauche einfach eine gewisse Zeit, bis ich runterkomme. Mal schaue ich mir das ganze Spiel nochmal an, mal lege ich mir eine DVD ein.“

fcbayern.de: Mit etwas Abstand - wie fällt dein Fazit des Hamburg-Spiels aus?
Boateng: „Wir haben am Anfang nicht so den Zugriff bekommen. Nach 20 Minuten wurde es besser. Dann haben wir dominiert, gut umgeschaltet, verdient gewonnen und guten Fußball gezeigt.“

fcbayern.de: Franck Ribéry war mal wieder überragend. Wie bewertest du seine derzeitige Form?
Boateng: „Er hat einfach Spaß, genau wie die ganze Mannschaft. Im Training spiele ich extrem ungern gegen ihn. Er kann rechts wie links, ist ein Ausnahmefußballer. Defensiv arbeitet er jetzt auch noch viel besser und entlastet uns Verteidiger damit. Aber: Wir arbeiten ja auch für ihn.“ (lacht)

fcbayern.de: Du hast noch keine Pflichtspielminute in dieser Saison verpasst…
Boateng: „Ich will immer spielen und spüre derzeit noch keinerlei Kräfteverschleiß. Ich bin ein Typ, der sehr, sehr gut regeneriert. Zudem ist mein Körper deutlich leistungsfähiger geworden.“

fcbayern.de: Was tust du dafür?
Boateng: „Ich schufte täglich im Kraftraum, mal vor, mal nach dem Training. Das ist mir extrem wichtig und gibt mir ein gutes Gefühl. Auch auf die richtige Ernährung lege ich viel wert, ich esse oft Nudeln, Gemüse, Salat.“

fcbayern.de: Von Verletzungen bist du zuletzt auch verschont geblieben. Bist du froh darüber?
Boateng: „Oh ja. Die letzte Saison war die erste in meiner Karriere, die ich ohne größere Blessuren überstanden habe. Wir haben einfach eine super medizinische Abteilung und Fitnesstrainer, die regelmäßig wichtige Übungen mit mir machen. Ich fühle mich einfach topfit und austrainiert.“

fcbayern.de: Es ist nun deine zweite Saison beim FC Bayern…
Boateng: „…und ich bin hier mittlerweile so richtig angekommen. München gefällt mir immer besser, meine Familie aus Berlin besucht mich regelmäßig. Das macht es mir einfach. Und: Bei diesem Verein ist es auch wirklich nicht schwer sich wohlzufühlen. Der Wechsel hierher war ein wichtiger Schritt für mich.“

fcbayern.de: Waren deine Zwillinge nun auch schon mal im Stadion?
Boateng: „Ja! Allerdings können sie bislang nur zu Bundesliga-Spielen kommen, die Champions League findet zu spät statt. Da müssen sie im Bett sein.“

fcbayern.de: Dann haben sie dich ja schon als Innenverteidiger auflaufen sehen. Endlich hast du deine feste Position beim FCB gefunden. Bist du zufrieden damit?
Boateng: „Darüber bin ich wirklich froh. So komme ich leichter in einen Rhythmus.“

fcbayern.de: In der Nationalmannschaft spielst du selten Innenverteidiger. Ärgert dich das?
Boateng: „Wir haben in Deutschland viele gute Innenverteidiger. Ich versuche trotzdem, auch beim DFB meine Spiele zu machen. Ich werde mich weiterentwickeln und auch dort um meinen Platz als Innenverteidiger kämpfen. Ich hatte schon viele gute Gespräche mit dem Bundestrainer: Er sagt, dass er froh ist, mich zu haben, weil ich überall in der Viererkette spielen kann. Auf kurz oder lang sieht er mich als Innenverteidiger.“

fcbayern.de: Apropos Trainer. Wie wichtig ist Jupp Heynckes für dich?
Boateng: „Extrem wichtig. Er ist eine Vertrauensperson. Jupp Heynckes hat viel Erfahrung, ihm kann keiner etwas vormachen. Er hat eine sehr positive Ausstrahlung auf die Mannschaft.“

fcbayern.de: Wie bewertest du deine persönliche Entwicklung?
Boateng: „Ich habe auch letzte Saison schon nicht so schlecht gespielt. Aber ich hatte das eine oder andere Mal einen Bock in meinem Spiel. Diese Saison war das bislang nicht so gravierend. Ich gebe alles und versuche, dieses Niveau zu halten bzw. mich weiter zu verbessern. Aber: Ich bin nun mal auch keine Maschine.“

fcbayern.de: Wann erzielst du denn nun endlich dein erstes Bundesliga-Tor?
Boateng: „Dazu müsste ich bei Ecken öfter nach vorne, wegen meiner Schnelligkeit bleibe ich aber meist hinten. Der Trainer sagt zwar, dass ich ab und zu mal mit Luiz Gustavo tauschen soll. Aber das machen wir nicht so häufig. Das ist auch nicht so wichtig. Hauptsache: Hinten brennt nichts an und wir gewinnen.“

fcbayern.de: Dann müsstest du diese Frage aber nicht mehr beantworten…
Boateng: „Klar: Ich will unbedingt das erste Tor machen, das juckt mich. Ich muss mir schließlich auch schon ständig Sprüche von meinen Freunden anhören, vor allem von meinem besten. Der sagte nach dem Leverkusen-Spiel: 'Junge, ins andere Tor!'“ (lacht)

fcbayern.de: Ist dieses Eigentor mittlerweile vergessen?
Boateng: „Naja, ich habe mich schon geärgert und hatte danach schlechte Laune. An solchen Abenden ist es nicht so angenehm, den Abend mit mir zu verbringen. Das Tor war unglücklich, aber ich hätte vorher auch besser stehen müssen. Dann entsteht diese Situation erst gar nicht. Im Pokal gegen Kaiserslautern wurde ich dann schon wieder angeschossen, der Ball landete am Pfosten. Das wäre des Guten aber wirklich zu viel gewesen, ein kleine Schrecksekunde war es trotzdem.“

fcbayern.de: Wie klappt das Zusammenspiel mit Dante?
Boateng: „Sehr gut. Ich glaube, das sieht man auch. Wir verstehen uns auch neben dem Platz bestens. Er ist ein super Typ, sehr lustig und positiv. Ich kann viel von ihm lernen, Dante hat viel Erfahrung. Sein Kopfballspiel beispielsweise ist beeindruckend.“

fcbayern.de: Wer gibt die Kommandos?
Boateng: „Dante redet schon deutlich mehr als ich. Ich bin nicht so der Schreihals, aber ab und zu melde ich mich schon zu Wort. Wir teilen uns das gut auf.“

fcbayern.de: In Hamburg habt ihr beeindruckend gespielt. Wie muss es in den kommenden Wochen weitergehen?
Boateng: „Ich hoffe, dass wir konstant unseren Weg gehen und uns nicht von Nebenkriegsschauplätzen aus der Ruhe bringen lassen. Es wird auch mal eine schlechtere Phase kommen, aber wir müssen als Mannschaft zusammenhalten und eine Niederlage dann schnell wieder wettmachen - genau wie nach dem Leverkusen-Spiel.“

fcbayern.de: Welche Ziele setzt du dir bis zur Winterpause?
Boateng: „Klar wollen wir als Erster in der Liga überwintern. Wenn wir gut umschalten, ist es schwer, gegen uns zu gewinnen. Und in der Champions League wollen wir natürlich Gruppenerster werden.“

fcbayern.de: Am Mittwoch wartet Lille…
Boateng: „Beim Hinspiel waren wir durch die vielen englischen Wochen ein Stück weit müde. Jetzt zuhause, mit dem Publikum im Rücken, bin ich guter Dinge, dass wir wieder erfolgreich sein werden.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

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