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Sammer im Interview, Teil 1

'Wir befinden uns in einem Prüfungsjahr'

Matthias Sammer hat auch in der Länderspielpause keine Zeit durchzuschnaufen. Im Büro des FCB-Sportvorstands geben sich die Besucher die Klinke in die Hand. Trotzdem nahm sich der 45-Jährige Zeit, um mit fcbayern.de über den Status quo beim FC Bayern zu reden.

Im ersten Teil des Interviews zieht Sammer Bilanz. Wie waren seine ersten vier Monate beim deutschen Rekordmeister? Wie zufrieden ist er mit der sportlichen Entwicklung? „Das letzte Jahr war mit Sicherheit gut“, meinte er, „aber Fakt ist: In dieser Saison können wir uns mit gut nicht zufrieden geben. Unser Anspruch ist sehr gut. Das bedeutet: Titel!“

Das Interview mit Matthias Sammer, Teil 1:

fcbayern.de: Herr Sammer, der Vereinsfußball befindet sich in einer kurzen Länderspielpause. Ist das eine Möglichkeit, um als Sport-Vorstand des FC Bayern endlich mal durchzuschnaufen?
Sammer: „Nein, im Gegenteil: Es geht sogar unruhiger zu als sonst. Es gibt viele Sachen zu erledigen. Zu einen gilt es, strategische Entscheidungen zu treffen. Und zum anderen bin ich im regelmäßigen Kontakt mit den jeweiligen Trainern und Sportdirektoren der Verbände, um mit ihnen über die Belastung unserer Spieler zu sprechen. Am Ende entscheiden die Nationaltrainer natürlich selbst, wen sie wie lange auflaufen lassen. Aber ich versuche, ihnen Zusammenhänge zu erklären.“

fcbayern.de: Rund vier Monate sind Sie nun im Amt. Wie viel Freizeit bleibt Ihnen abseits des Jobs?
Sammer: „Sehr wenig im Moment. Aber das ist für mich selbstverständlich, denn ich möchte den Verein fühlen und verstehen lernen. Dafür investiere ich viel Zeit. Das ist aber alles mit meiner Familie von vornherein so besprochen.“

fcbayern.de: In Ihren ersten Wochen beim FC Bayern erklärten Sie, dass Sie sich erst einmal ein Bild vom Klub machen müssen. Ist diese Phase jetzt abgeschlossen?
Sammer: „Vom Profibereich habe ich mir mittlerweile einen recht guten Überblick verschafft, auch vom Umfeld. In der nächsten Phase wird nun der Nachwuchsbereich im Mittelpunkt stehen, damit beginne ich um den Jahreswechsel herum.“

fcbayern.de: War dafür bislang noch keine Zeit?
Sammer: „Über Ergebnisse und Entwicklungen war ich immer informiert, im Detail konnte ich dem Nachwuchsbereich aber noch nicht so viel Beachtung schenken. Absolute Priorität hatte in meinen ersten Monaten die erste Mannschaft - vielleicht sogar mehr, als eigentlich angedacht. Demnächst werde ich mir ein genaueres Bild vom junior team machen: konzeptionell, inhaltlich, personell.“

fcbayern.de: Karl-Heinz Rummenigge sagte kürzlich, dass er die Mannschaft trotz zuletzt guter Leistungen frühestens im Mai/Juni 2013 lobt. Wie bewerten Sie die sportliche Lage?
Sammer: „Wir befinden uns in einem Prüfungsjahr, an dessen Ende Abschlusszeugnisse vergeben werden. Das letzte Jahr war mit Sicherheit gut. Aber Fakt ist: In dieser Saison können wir uns mit gut nicht zufrieden geben. Unser Anspruch ist sehr gut. Das bedeutet: Titel! Wir können uns nicht im Mai hinstellen und sagen: 'Bis Anfang November hatten wir mal eine ganz gute Phase.' Da machen wir uns lächerlich.“

fcbayern.de: Von Zufriedenheit ist also keine Spur?
Sammer: „Bis hierher können wir zufrieden sein, ganz klar. Der Erfolg gibt uns auch Selbstbewusstsein für den weiteren Weg, wir dürfen uns aber von Zufriedenheit nicht leiten lassen und auf keinen Fall nachlassen. Die Aussagen der Spieler sind bescheiden und zielorientiert, das ist genau richtig so.“

fcbayern.de: Am Donnerstag findet die Jahreshauptversammlung des FC Bayern statt - Ihre erste. Was erwarten Sie?
Sammer: „Wenn man das noch nicht erlebt hat, hat man keine Erwartungen oder Ansprüche zu stellen. Es ist nicht der Zeitpunkt für mich, dort in Erscheinung zu treten. Ich werde bescheiden im Hintergrund die Dinge beobachten und kann eines versprechen: Dass ich versuchen werde, weiter das zu tun, was wir von unseren Spielern verlangen: konzentriert zu arbeiten.“

Der zweite Teil des Interviews mit Matthias Sammer erscheint am Donnerstag (15. November).

Das Interview führten: Nikolai Kube und Nikolaus Heindl

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