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Ribérys 'kleiner Bruder'

Alaba feilt an den 'letzten ein, zwei Prozent'

Plötzlich lag er da - mit schmerzverzerrtem Gesicht. Die Physiotherapeuten eilten herbei. „Nicht schon wieder im Trainingslager, der arme David“, murmelte ein Fan, der am vergangenen Donnerstag die zweite Einheit des FC Bayern in Katar beobachtete. Doch schnell machte sich Erleichterung breit. Alaba stand auf, schüttelte sich kurz und weiter ging’s - ohne Probleme. „Mir ist jemand auf den Zeh gestiegen, da tut nur der erste Schmerz richtig weh“, berichtete er.

Es war zum Glück nur eine Lappalie. Aber viele erinnerten sich an das Sommer-Trainingslager des deutschen Rekordmeisters im Juli im Trentino zurück, als das 20 Jahre alte Bayern-Juwel in einem Testspiel einen Ermüdungsbruch im linken Fuß erlitt. Alaba, der sich damals in einer blendenden Früh-Form befand, fiel in der Folge zwölf Wochen aus. Es war die erste schwerwiegende Verletzung in der noch jungen Karriere des österreichischen Fußballer des Jahres.

„Das war keine einfache Zeit“, blickte Alaba nun im Gespräch mit fcbayern.de noch einmal zurück. Die Stressfraktur war damals auf Grund der hohen Belastungen entstanden. Dem FCB-Eigengewächs blieb nichts anderes übrig, als mit dieser neuen Situation umzugehen. Fast ein Jahr war es für Alaba nur bergauf gegangen, „das war ein bitterer Rückschlag“, so der Linksverteidiger.

Doch Alaba blieb positiv und steckte sich neue Ziele: „Ich habe einfach versucht, in der Reha jede einzelne Einheit mit Vollgas durchzuziehen.“ Dies sei „anstrengend und ermüdend“ gewesen, die Unterstützung von Jupp Heynckes habe ihm aber sehr geholfen. „Er war in dieser Zeit ein sehr starker Rückhalt für mich und hat mir immer Mut zugesprochen. Das hat mich motiviert.“

Leidensgenosse Gomez

Auch die Physiotherapeuten und Fitnesstrainer haben „super Arbeit“ geleistet, so Alaba, „vielen Dank nochmal dafür!“ Alabas Leidensgenosse während der Reha war Mario Gomez, der nach seiner Sprunggelenksoperation Teil 1 der Hinrunde ebenfalls verpasste. „Wir haben uns jeden Tag gesehen, viel gesprochen und uns gegenseitig aufgebaut. Ich glaube, das hat nicht nur mir, sondern auch Mario gutgetan“, erklärte Alaba.

Am 11. Oktober war es dann endlich so weit: Alaba feierte beim Testspiel gegen Unterhaching in Heimstetten sein Comeback. Der Hype war riesig, zig Kamerateams und Journalisten rissen sich um den Youngster, der erst im Februar 2010 im DFB-Pokal gegen Greuther Fürth als Profi beim FC Bayern debütiert hatte. „Spätestens da habe ich dann schon gespürt, dass mein Leben sich in den letzten Jahren ziemlich verändert hat“, blickte Alaba zurück.

Wie ein 'kleiner Bruder'

Der Österreicher scheint all das aber prächtig wegzustecken. In den Wochen nach seinem Comeback eroberte er sich seinen Stammplatz schnell zurück. Mit Franck Ribéry zusammen bildet Alaba die wohl gefürchtetste linke Seite der Bundesliga. „Franck und ich sind einfach ein super Team“, findet Alaba, den Ribéry als „seinen kleinen Bruder“ bezeichnete. „Wir haben ein tolles Verhältnis, auch privat“, verriet der Franzose.

Aktuell arbeitet Alaba an den „letzten ein, zwei Prozent“, die ihm nach der langen Verletzungspause noch fehlen. „Ich will wieder 90 Minuten Vollgas geben können. Das wird nach diesem Trainingslager der Fall sein“, glaubt der pfeilschnelle Linksfuß, der neuerdings von Heynckes auch zum Eckenschützen befördert wurde. Alaba ist erst 20, seine Zukunft scheint rosig - sofern er von Verletzungspech verschont bleibt.

Für fcbayern.de in Doha: Nikolai Kube