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Mario Gomez im Interview

'Da läuft die Kugel wie am Schnürchen'

107 Tore hat Mario Gomez in den vergangenen fünf Bundesliga-Spielzeiten erzielt. Atemberaubend! Dabei begann seine Karriere einst doch ach so kurios: In der F-Jugend - in seinem allererstem Fußballspiel - schnappte sich der kleine Mario nach dem Anpfiff den Ball und steuerte auf das eigene Tor zu. Seine Mitspieler bremsten ihn glücklicherweise rechtzeitig aus, „es bestand keine Gefahr für unseren Keeper“, blickte Gomez mit einem Augenzwinkern auf diesen besonderen Moment zurück, „ich habe damals einfach das Spiel noch nicht verstanden.“

Zug zum Tor hat Mario Gomez auch heute noch. Mittlerweile weiß der Stürmerstar des FC Bayern nur zu gut, in welche Richtung er schießen, köpfen und laufen muss. Nachdem der 27-Jährige in den vergangenen zwei Jahren in der Bundesliga jeweils an der 30-Tore-Marke kratzte, warf ihn zu Beginn dieser Saison eine schwere Verletzung zurück. Gomez kämpfte sich zurück und schlug nach seinem Comeback sofort wieder ein. Am Ende des Trainingslagers in Katar blickte der Weltklasse-Stürmer mit fcbayern.de unter anderem auf das erste Halbjahr und die Tage in Doha zurück.

Das Interview mit Mario Gomez:

fcbayern.de: Mario, wie geht’s deinem Sprunggelenk? Zu Beginn des Trainingslagers musstest du schließlich zwei Tage etwas kürzer treten…
Gomez: „Gut! Das war nur etwas gestaucht, und es war ja auch nicht das in der letzten Saison verletzte. Eigentlich sollte ich nur einen Tag pausieren, aber die medizinische Abteilung meinte: 'Mario, nimm dir noch einen Tag mehr.' Wir wollten kein Risiko eingehen. Das Ärgerliche war nur, dass ich dann an dem Tag, als ich auf den Platz zurückgekehrt bin, eine noch härtere Einheit als die Teamkollegen absolvieren musste. Blöd gelaufen.“ (lacht)

fcbayern.de: Und was macht das operierte Sprunggelenk?
Gomez: „Der Fuß braucht zwar immer noch Pflege, aber ich kann alle Einheiten und Spiele Vollgas mitmachen. Es ist nichts zurückgeblieben. Es hat lange gedauert, bis ich wieder zur Mannschaft gestoßen bin. Aber diese Zeit habe ich mir bewusst gegeben. Ich wollte komplett beschwerdefrei zurückkommen, um sofort 100 Prozent geben zu können. Im Nachhinein kann ich sagen: Das war der genau richtige Weg.“

fcbayern.de: Hat es dich überrascht, dass du nach deinem Comeback keine Anlaufschwierigkeiten hattest?
Gomez: „Ich war vier Monate weg vom Fenster, ich musste bei null starten. Das war nicht einfach. Ich wusste, ich bin fit, weil ich in der Reha alles gegeben habe. Aber dass ich dann sofort wieder getroffen habe, hatte auch mit ein bisschen Glück zu tun. Die Mannschaft war super drauf und hat es mir leicht gemacht.“

fcbayern.de: Was waren die Gründe für die überragende Hinrunde des FC Bayern?
Gomez: „Sicherlich hat der breite Kader geholfen. Der Trainer konnte wechseln - wann und wie er wollte. Alle waren in Sachen Fitness und Bereitschaft auf einem Toplevel. Und die Qualität ist eh vorhanden. Zudem war die letzte Saison ein warnendes Beispiel. Sie hat gezeigt, dass man sich nicht ausruhen darf. Wir haben vielleicht das meiste Talent in der Bundesliga im Team, aber du brauchst auch den meisten Fleiß. Das ist diese Saison in den Köpfen drin, das spürt man.“

fcbayern.de: Es gab nur sieben Gegentore in der Bundesliga. Das ist ein Spitzenwert. In der Champions League aber gab es in nur sechs Spielen genauso viele. Warum?
Gomez: „Naja, drei davon haben wir uns in einem Spiel in Borisov gefangen. Dieses Spiel hat eigentlich überhaupt nicht zum FC Bayern der Hinrunde gepasst. Von der ganzen Art und Weise her. Aber es war zu diesem Zeitpunkt sogar gut, dass das passiert ist. Viele Dinge sind da in einem einzigen Spiel falsch gelaufen. Danach waren wir wieder richtig wach.“

fcbayern.de: Eine Woche Katar gehört der Vergangenheit an. Am Dienstagabend habt ihr Schalke mit 5:0 geschlagen. Wie fällt dein Trainingslager-Fazit aus?
Gomez: „Die Haupterkenntnis, die wir mitnehmen können, ist: Jeder Spieler ist brutal ehrgeizig und motiviert. Und das wird bis zum Ende dieser Saison auch so bleiben. Alle 27 Spieler sind bis an die Grenze gegangen. Das stimmt mich optimistisch. Und wenn ich mir unser Pass- und Positionsspiel ansehe: Da läuft die Kugel wie am Schnürchen. Das macht riesig Spaß und bringt jeden Spieler weiter.“

fcbayern.de: Was waren die Schwerpunkte des Trainings?
Gomez: „Unser Urlaub war nicht so lange, dass du da groß an Power verlierst. Es war einfach nur eine gute Pause, um dem Körper Ruhe zu geben und nicht ständig im Wettkampf zu sein. Im Trainingslager haben wir dann viele Dinge, die wir während der Saison trainieren, noch einmal angerissen. Der Trainer hat alles miteinfließen lassen. Die Einheiten waren sehr abwechslungsreich.“

fcbayern.de: Welchen Eindruck haben die vier Youngster Hojbjerg, Weihrauch, Wein und Zingerle auf dich gemacht?
Gomez: „Einen sehr guten. Mir war das schon vorher klar. Denn wenn du in der Jugend des FC Bayern auffällst, musst du was drauf haben. Das sind tolle Spieler, die sich total reingekniet haben. Am fünften Tag sind die Jungs in einem internen Kleinturnier sogar Zweiter geworden, Respekt.“

fcbayern.de: Trauen die sich eigentlich, einen Mario Gomez anzusprechen?
Gomez: „Na klar, aber ich habe das Gespräch auch von meiner Seite gesucht und ihnen gesagt: 'Bietet kontra, wenn euch einer in die Parade fährt. Wehrt euch, habt keine Angst mal den Schlappen hinzuhalten, wenn ihr hart angegangen werdet. Verschafft euch Respekt!' Das hat sie gefreut, glaube ich. Jeder von uns erfahrenen Spieler hat versucht, den Jungs Tipps zu geben.“

fcbayern.de: Blicken wir voraus. Woran muss nun in den nächsten Tagen in München noch gefeilt werden?
Gomez: „Wir werden genauso weitertrainieren. Und zwar mit Vollgas. Dann werden wir am 19. Januar gegen Fürth bereit sein und mit einem Sieg starten.“

fcbayern.de: Wird der FC Bayern in dieser Saison seinen Vorsprung in der Rückrunde verteidigen?
Gomez: „Wir sind viel stabiler als in der Vorsaison. Das hat schon die Hinrunde bewiesen, wir hatten keine Schwächephase. Die Mannschaft steht auch vom Gefühl her ganz anders da. Aber: Noch sind wir nicht Meister. Wir müssen in den nächsten Monaten den Beweis antreten, dass es in Deutschland nur eine Nummer eins gibt.“

fcbayern.de: Traust du dem BVB eine ähnlich überragende Rückrunde wie 2011/12 zu?
Gomez: „Wenn du nur alle sieben Tage spielst, kannst du unter der Woche den Akku aufladen. Das geht diesmal nicht. Sie werden ihre Kräfte dosieren müssen. Trotzdem müssen wir aufpassen. Der BVB hat eine starke Mannschaft und einen Toptrainer. Sie werden auf Jahre unser stärkster Konkurrent sein, dieses Duell wird die Liga prägen.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

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