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Fürstner kehrt zurück

'Von Schweinsteiger einiges abgeschaut'

Die Schaltzentrale des ersten Pflichtspielgegners des FC Bayern im Jahr 2013 ist an der Säbener Straße kein unbekanntes Gesicht: Stephan Fürstner, einst groß geworden im junior team des FCB, kehrt am Samstag zurück an seine alte Wirkungsstätte, wenn er mit der SpVgg Greuther Fürth in der Allianz Arena gastiert.

In zehn Jahren beim FC Bayern durchlief der 25-Jährige zahlreiche Nachwuchsteams, allein bei der zweiten Mannschaft stand Fürstner 96-mal auf dem Feld. Sein erstes und einziges Bundesliga-Spiel für den FCB bestritt Fürstner beim 1:1 in Mönchengladbach im Mai 2007. Beim Kleeblatt setzte sich der gebürtige Münchner nach seinem Wechsel 2009 schnell durch und zählt nun zu den Eckpfeilern der Büskens-Elf. fcbayern.de sprach mit ihm.

Das Interview mit Stephan Fürstner:

fcbayern.de: Hallo Stephan! Eigentlich solltet ihr am vergangenen Dienstag gegen die SpVgg Unterhaching den Ernstfall proben, die Partie ist wegen akuter Personalnot jedoch ins Wasser gefallen. Wie angespannt ist die personelle Situation?
Fürstner: „Es ist sehr schade, dass das Spiel abgesagt werden musste. Für mich wäre ein solcher Test noch mal wichtig gewesen, denn auch ich habe zuletzt krankheitsbedingt pausiert. Einige von denen, die uns derzeit fehlen, waren für die Startelf vorgesehen, von daher ist es bitter. Aber wir haben einen großen Kader und werden die Ausfälle kompensieren.“

fcbayern.de: Auch im Trainingslager im türkischen Belek hatte Trainer Mike Büskens nicht seinen gesamten Kader beisammen. Konnte sich die Spielvereinigung dennoch adäquat auf die Rückrunde vorbereiten?
Fürstner: „Das Fazit fällt positiv aus, angefangen mit dem Hallenturnier in Frankfurt, wo wir zum Ende hin gute Leistungen gebracht haben. Aber auch in den drei Testspielen im Trainingslager haben wir gezeigt, dass wir guten Fußball spielen können. Dass noch nicht alles klappt, ist aber auch klar.“

fcbayern.de: Zumal es vier Neuzugänge zu integrieren gilt. Welchen Eindruck machen Nikola Djurdjic, Matthias Zimmermann, Jung-Bin Park und Tom Mickel bisher?
Fürstner: „Sie haben sich gut eingefügt und ansprechende Leistungen abgeliefert. Tom ist sehr jung und macht als dritter Torhüter Druck auf Max Grün und Wolfgang Hesl. Zimbo (Matthias Zimmermann, Anm. d. Red.) sorgt hinten rechts für ordentlich Wirbel, ist zudem variabel einsetzbar. Und Nikola ist derzeit zwar angeschlagen und fraglich für Samstag, wird uns mit seinen Toren aber definitiv weiterhelfen.“

fcbayern.de: Angreifer Djurdjic wird von den Medien als möglicher „Retter“ gehandelt. Kann er der entscheidende Baustein sein?
Fürstner: „Unser Manko war in der Hinrunde sicher auch die Chancenverwertung. Aber ich denke, es wäre vermessen, alles an einem Spieler festzumachen. Er braucht uns genauso, wie wir ihn brauchen. Es geht nur gemeinsam. Jeder muss an seine Grenzen gehen - und darüber hinaus.“

fcbayern.de: Der Rückstand auf den rettenden 15. Tabellenplatz beträgt bereits zehn Punkte. Mit welcher Maxime startet die Spielvereinigung am Samstag in die Rückrunde?
Fürstner: „In erster Linie wollen wir so schnell wie möglich da unten raus. Hoffenheim liegt drei Punkte vor uns, deshalb wollen wir zunächst Platz 16 angreifen. Insgesamt tun wir aber gut daran, nicht so sehr auf die anderen zu schauen, sondern unsere Stärken auszuspielen und Punkte zu holen.“

fcbayern.de: Und so am Ende den Klassenerhalt zu schaffen?
Fürstner: „Bei uns glauben alle daran. Es ist unser Job, an 34 Spieltagen alles zu geben, und nicht nur an 17. Es gab schon die verrücktesten Tabellenkonstellationen in den vergangenen Jahren. In der Hinrunde haben wir viele Erfahrungen gesammelt, die uns in der Rückserie weiterhelfen. Wir kämpfen bis zum Ende und legen alles in die Waagschale, damit wir das, was uns viele nicht mehr zutrauen, noch schaffen.“

fcbayern.de: Euer Kapitän Mergim Mavraj charakterisiert dich als „zuverlässigen Spieler, der für die Balance sorgt“. Außerdem sprichst du viel und versuchst, den jüngeren Spielern zu helfen. Siehst du dich selbst als jemanden, der voran geht?
Fürstner: „Ich spreche ungern über mich selbst, aber natürlich versuche ich, mich einzubringen. In den letzten Jahren habe ich viele Spiele gemacht und mir entsprechend einiges angeeignet. Das sind Erfahrungen, die ich weitergeben kann.“

fcbayern.de: Die Erfahrungen beim FC Bayern haben dich sicher auch weitergebracht.
Fürstner: „Ganz klar, diese Zeit hat mich sehr geprägt. Ich hatte das Glück, schon in ganz jungen Jahren bei den Profis mittrainieren zu dürfen. Und ich wusste, dass ich in kürzester Zeit viel lernen musste, um nicht unterzugehen. Owen Hargreaves, Mark van Bommel, Bastian Schweinsteiger - von diesen Persönlichkeiten konnte ich mir einiges abschauen.“

fcbayern.de: Zu wem aus deiner Münchner Zeit hast du noch Kontakt?
Fürstner: „Zu einigen Leuten im Verein. Der Kontakt ist nie abgerissen. Ich bin oft in München, und dann schaue ich auch beim FC Bayern vorbei. Regelmäßig telefonieren wir nicht, weil ich in Fürth gewisse Aufgaben zu erfüllen habe, aber wenn es Kontakt gibt, dann fällt er sehr herzlich aus.“

fcbayern.de: Frotzelt man per SMS vor solch einem Spiel? Schließt man gar Wetten ab?
Fürstner: „Nein, das nicht. Dafür sind die Ausgangspositionen zu unterschiedlich. Nichtsdestotrotz werden wir alles daran setzen, aus München etwas mitzunehmen. Die Bayern werden in der Liga sicher weiterhin vorneweg marschieren, aber vielleicht lassen sie gegen uns ja Punkte liegen. Darüber würden wir uns riesig freuen.“

fcbayern.de: Ist das Spiel denn ein undankbarer, weil schwieriger Auftakt, oder ein guter, weil die Spielvereinigung vermeintlich wenig zu verlieren hat?
Fürstner: „Das ist egal. Wir gehen in jedes Spiel als Underdog, weil wir zum ersten Mal in der Liga dabei sind. Das heißt aber nicht, dass wir uns kleiner machen als wir sind. Wir haben in jedem Spiel eine realistische Chance. Und an die glauben wir.“

fcbayern.de: Und aus emotionaler Sicht? Ein besonderes Spiel oder eines wie jedes andere?
Fürstner: „Zum einen ist es ein besonderes Spiel, weil wir gegen die derzeit beste deutsche Mannschaft spielen dürfen. Ich selbst war zehn Jahre dort und bin sehr dankbar für diese Zeit. Ich habe immer davon geträumt, in der Allianz Arena zu spielen. Meine ganze Familie wird im Stadion sein. Aber trotz aller Freundschaft will ich das Spiel natürlich gewinnen. Wir brauchen die Punkte.“

Das Interview führte: Marco Donato

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