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Heynckes' Analyse

'Genießen und den Ball flach halten'

Stadt, Wetter, Spiel - es war eine perfekte Reise des FC Bayern nach London. Die Münchner können positiv in die Zukunft blicken. Kurz vor dem Rückflug nach München am Mittwochmittag stellte sich Jupp Heynckes am Flughafen den Fragen der Journalisten. fcbayern.de fasst die Aussagen des FCB-Cheftrainers zusammen.

Frage: Herr Heynckes, wie groß ist Ihre Freude nach dem Sieg in London? Oder sind Sie in Gedanken schon beim Spiel gegen Bremen am Wochenende?
Heynckes: „Das Gleiche habe ich mir vorhin im Bus gedacht. Dass man solche Spiele gar nicht mehr genießen kann. Man macht sich Gedanken über Spielanalyse, Training, Regeneration und wie es am Samstag weitergeht. Es war gestern ein großes Spiel meiner Mannschaft und ein großer Schritt Richtung Viertelfinale. Wenn man auswärts drei Tore erzielt, ist das eine gute Basis für das Rückspiel.“

Frage: Thomas Müller wurde von der UEFA als Man of the Match ausgezeichnet.
Heynckes: „Es muss ja immer ein Spieler genannt werden. Man hätte genauso Philipp Lahm, Mario Mandzukic oder Javi Martinez nehmen können, fast jeden meiner Spieler. Wir haben gestern wieder gezeigt, dass wir außergewöhnlichen Fußball spielen auf europäischem Spitzenniveau. Auch in der zweiten Halbzeit, wo wir nicht mehr so flüssig gespielt haben, der Gegner aggressiver agiert und uns unter Druck gesetzt hat, da wusste die Mannschaft, sich aus der Umklammerung zu lösen. Was uns im Moment stark macht, ist auch, dass wir im richtigen Moment die Torchancen nutzen.“

Frage: Wie sehen Sie die Rolle von Manuel Neuer beim Gegentor?
Heynckes: „Ich denke nicht, dass man das Manuel Neuer ankreiden kann. Da haben wir im Kollektiv nicht gut ausgesehen.“

Frage: Welche Mannschaft in Europa kann den FC Bayern im Moment bezwingen?
Heynckes: „In der Champions League gibt es absolute Topmannschaften, die ein ähnliches oder sogar besseres Niveau als wir haben. Zum Beispiel Juventus Turin, das ich letzte Woche gesehen habe. Oder Manchester United, Real Madrid, Barcelona... Wir sollten den Augenblick genießen, aber den Ball flachhalten und wissen, dass man das immer wieder bestätigen muss.“

Frage: Sehen wir uns beim Finale im Mai in London wieder?
Heynckes: „So weit denken wir überhaupt nicht. Erst einmal stehen im Rückspiel noch 90 Minuten in der Allianz Arena an gegen einen Gegner, der in den letzten 15 Jahren den attraktivsten Fußball in der englischen Liga gespielt hat. Auch gestern hat man gesehen, dass sie überragende Fußballer haben. Nur der moderne Fußball ist eine Kollektivarbeit. Da sind wir vielen Mannschaften voraus. Unser Umschaltspiel nach hinten funktioniert perfekt, nach vorne haben wir so viel Kreativität und Qualität, dass wir immer Spiele entscheiden können. Aber entscheidend ist, dass wir defensiv kompakt stehen, dass wir enge Spielfelder haben, dass die Distanzen zum ballführenden Spieler kurz sind. Das zeichnet meine Mannschaft im Moment aus.“

Frage: Am Wochenende absolvieren Sie Ihr 1000. Spiel als Trainer und Spieler.
Heynckes: „Das ist eine imposante Zahl, an der man sieht, wie die Jahre vergangen sind. Als Spieler hätte ich das nie zu träumen gewagt. Da könnte man nicht nur ein Buch schreiben, sondern mehrere. Aber das werde ich natürlich nicht tun.“

Frage: Nach dem Spiel haben Sie gestern Mario Mandzukic ausdrücklich gelobt. Ist er aktuell Ihre Nummer eins im Sturm?
Heynckes: „Ich denke nicht in den Kategorien Nummer eins, Nummer zwei, Nummer drei. Wir haben drei Topstürmer. Mario Mandzukic hat gestern wieder gezeigt, dass er nicht nur über die kämpferische Schiene kommt, sondern richtig gut Fußball spielen kann. Er hat wunderbar mitkombiniert, ist einstudierte Laufwege gegangen und war auch noch ein Vollstrecker. Besser kann es gar nicht sein.“

Frage: Man hat das Gefühl, dass die jungen Spieler wie Thomas Müller und Toni Kroos einen Entwicklungsschritt gemacht haben. Wie ist das gelungen?
Heynckes: „Junge Spieler brauchen eben Entwicklungszeiten. Bei Toni Kroos ist es eine konstante Entwicklung. Er ist ein wahnsinnig kreativer, phantasievoller Fußballer. Bei Thomas ist es imponierend, wie er im Moment Fußball spielt. Er macht unheimlich lange Laufwege, vor allem seine Sprintstrecken sind außergewöhnlich. Er ist körperlich topfit, voller Selbstbewusstsein und Sicherheit, er ist vor dem Tor gut und hat auch die Übersicht, um seine Mitspieler zu bedienen.“

Frage: Denken Sie schon an das Pokalspiel gegen Dortmund nächste Woche?
Heynckes: „Meine Gedanken kreisen nur um Werder Bremen. Dass wir regenerieren, dass wir eine Bestandsaufnahme machen, wie die Spieler das Spiel in London verkraften.“

Für fcbayern.de in London: Nikolaus Heindl

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