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'Wir sind bereit'

Nach Torparty 'volle Konzentration auf Juve'

Die Titelentscheidung wurde vertagt, eine Meisterfeier hatten Mannschaft und Verantwortliche ohnehin von vornherein ausgeschlossen - dafür waren die 90 Minuten auf dem Rasen ein unvergessliches Fußballfest. „Was die Mannschaft heute gespielt hat, war absolute weltklasse“, schwärmte Karl-Heinz Rummenigge nach dem 9:2 (5:0)-Erfolg gegen den Hamburger SV. „Man hat gesehen, dass sie ihre eigene Party veranstaltet hat.“

Trainer Jupp Heynckes sprach nach dem höchsten Bayern-Heimsieg in der Liga seit 25 Jahren (8:1 gegen Schalke am 9. April 1988) und dem vierthöchsten in der Vereinsgeschichte von „Bilderbuch- und Lehrbuchfußball“. „Damit haben wir im Leben nicht mit gerechnet“, war selbst Sportvorstand Matthias Sammer, der nach den letzten Spielen gemahnt hatte, „die Zügel wieder anzuziehen“, überrascht von der überschäumenden Spielfreude und dem Torhunger der Mannschaft. Arjen Robben betonte: „Wir wollten heute wieder ein Zeichen setzen.“

Gesagt, getan! Dabei wussten die Bayern bereits vor dem Anpfiff am Ostersamstagabend, dass sie die Meisterschaft noch nicht perfekt machen können, da am Nachmittag Dortmund in Stuttgart gewonnen hatte. Von fehlender Motivation konnte danach aber keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: „Wir wollten noch eine Schippe mehr drauflegen für die Zuschauer, die heute bei dem Wetter gekommen sind“, sagte Bastian Schweinsteiger, der die neun Eier im FCB-Osternest als „kleinen Dank“ an die Fans bezeichnete.

Rummenigge 'nicht traurig'

Enttäuscht, dass die Meisterschaft noch nicht unter Dach und Fach ist, war beim FC Bayern keiner. „Jetzt warten wir halt noch ein bissl. Wir wissen ja, dass an der Meisterschaft nicht mehr viele Wege vorbeiführen“, meinte Thomas Müller. Auch Rummenigge war „nicht traurig“. Er habe ohnehin noch nicht mit einer Entscheidung gerechnet. Der FCB-Vorstandschef freute sich vielmehr über das furiose Spiel der Mannschaft: „Sie hat heute zum x-ten Mal bewiesen, dass sie ein würdiger und extrem verdienter Deutscher Meister wird.“


Mit einem Sieg am nächsten Samstag in Frankfurt können die Bayern die Meisterschaft aus eigener Kraft perfekt machen, ohne von Ergebnissen auf den anderen Plätzen abhängig zu sein. Doch daran dachte am Samstagabend kaum einer. In den Köpfen drehte sich alles um das anstehende Champions-League-Duell mit Juventus Turin. Von Euphorie sei nach dem 9:2-Kantersieg gegen den HSV in der Kabine daher nichts zu spüren gewesen, berichtete Rummenigge: „Es gab keinen Champagner, sondern nur Wasser - volle Konzentration auf Juve!“

'Das wird ein ganz anderes Spiel'

„Wir bewerten das Spiel nicht über“, versicherte Heynckes, „am Dienstag werden wir auf einen ganz anderen Gegner treffen.“ Anders als der HSV (Robben: „Sie waren ein bisschen offen.“) wird Juventus dem FC Bayern das Toreschießen nicht leicht machen, darin sind sich alle Bayern einig. „Juventus kommt über eine geschlossene Mannschaftsleistung - das sind die schwierigsten Gegner“, sagte Thomas Müller, „es wird ein ganz anderes Spiel als heute. Mit einem 9:2 rechne ich jetzt mal nicht.“

Bastian Schweinsteiger erwartet „ein sehr, sehr schwieriges Spiel. Juventus ist eine der besten Mannschaften in Europa, ist in der Champions League ungeschlagen. Sie sind sehr clever, sehr abgezockt, schlitzohrig. Sie machen aus einer Chance ein Tor.“ Doch ein Gegentor gelte es am Dienstag unter allen Umständen zu vermeiden. „Wir müssen schauen, dass wir zu null spielen. Das ist das Wichtigste.“

Gegen Hamburg gelang dem FC Bayern, bei dem Claudio Pizarro (30., 45., 53., 68.), Arjen Robben (33., 54.), Xherdan Shaqiri (5.), Schweinsteiger (19.) und Franck Ribéry (76.) für eine Torparty sorgten, dies nicht. Nach Eckbällen kam der HSV durch Jeffrey Bruma (75.) und Heiko Westermann (86.) zu zwei Ehrentreffern. Diese „Schönheitsfehler“ (Heynckes) müssen „wachrütteln“, meinte Sammer. Denn die letzten vier Gegentore kassierte der FCB allesamt nach Eckbällen. „Am Dienstag gegen Juve dürfen wir uns das nicht erlauben.“

Mit breiter Brust gegen Juventus

„Die zwei Gegentore sind ärgerlich“, fand auch Robben, der berichtete, dass in der Spielvorbereitung besonders über das Verhalten bei gegnerischen Eckbällen gesprochen worden war. „Trotzdem passiert es. Das ist schade.“ Heynckes wollte nicht zu viel Kritik üben („Das Positive überwiegt heute.“), nahm aber wohlwollend zu Kenntnis: „Die Spieler selbst ärgern sich, das habe ich in der Kabine gemerkt.“

Die zwei Gegentore haben so vielleicht noch ihr Positives. Denn sie schärfen vor dem Juventus-Spiel Konzentration und Wachsamkeit. Darüber hinaus geht der FC Bayern mit breiter Brust in das Duell mit dem italienischen Rekordmeister und souveränen Tabellenführer der Serie A. „Wir haben Respekt vor Juve, aber ich denke, Juve hat auch Respekt vor Bayern München“, sagte Rummenigge, „wenn wir so spielen wie heute Abend, haben wir beste Voraussetzungen, das Halbfinale zu erreichen.“ Nach dem 9:2 gegen Hamburg ist Robben überzeugt: „Wir sind bereit.“

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