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'Nur Wasser, kein Champagner'

Berauschende Bayern bleiben nüchtern

Von der Magie dieser Nacht wird man noch lange erzählen. Wie der FC Bayern mit nur 34 Prozent Ballbesitz ein Spiel beherrschte. Wie die Angriffe des FC Barcelona wirkungslos in der Münchner Defensive verpufften. Wie Thomas Müller von Krämpfen gebeutelt noch ein Tor erzielte. Die Magie dieser Nacht war so stark, dass Fans, Spieler und Verantwortliche wie berauscht nach Hause gingen. „4:0 gegen die beste Mannschaft der Welt - das ist wie ein Traum hier“, sagte Karl-Heinz Rummenigge unmittelbar nach Schlusspfiff, „so einen Abend habe ich auch noch nicht erlebt. Und ich bin schon lange dabei.“

„Wahnsinn. Es ist kaum zu glauben“, hatte auch Arjen Robben Mühe, das Erlebte zu verarbeiten. „Barcelona hat fünf Jahre lang Europa dominiert. Wir können stolz auf uns sein“, freute sich der Holländer über den klaren und verdienten Erfolg im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen die Katalanen, die zuletzt vor 16 Jahren eine so hohe Niederlage auf europäischer Ebene kassiert hatten. „Ich glaube, im ganzen Stadion gab es keinen, der von so einem Ergebnis geträumt hat“, meinte Rummenigge.

Jupp Heynckes sprach von einer „grandiosen Leistung“ und erteilte seiner Mannschaft ein „riesiges Kompliment“. Der FCB-Chefcoach lobte Teamwork und die läuferisch-kämpferische Einstellung („1A“) seiner Spieler. „Nur anderthalb Möglichkeiten“ zählte der 67-Jährige hocherfreut für den Gegner. „Entscheidend war die Grundordnung, die taktische Disziplin, alle waren bereit, intensivst nach hinten zu arbeiten. Das haben die Jungs super gemacht!“

Mit einem dichten Abwehrverbund riegelten die Bayern gegen das kombinations- und ballsichere Ausnahmeteam um Weltfußballer Lionel Messi, Xavi und Andrés Iniesta den eigenen Strafraum ab. „Wir haben die Räume für jeden gegnerischen Offensivspieler sehr, sehr eng gemacht“, erzählte Philipp Lahm. Und vorne setzten die Münchner mit wuchtigen Gegenstößen sowie Standardsituationen erfolgreich Nadelstiche. Thomas Müller (25./82.), Mario Gomez (49.) und Arjen Robben (73.) trafen zum Sieg.

Barcelona gratuliert

„Das war eine unglaubliche Leistung sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Ich habe es genossen“, schwärmte Rummenigge, „das gesamte Kollektiv hat heute funktioniert, wie man sich das in den kühnsten Träumen nur ausmalt.“ Selbst der Gegner (Gerard Piqué) stellte unumwunden fest: „Bayern war die bessere Mannschaft. Sie waren schneller, stärker und über 90 Minuten einfach besser.“ Xavi sagte: „Wir müssen Bayern gratulieren, sie waren klar besser.“

Währen die Fans das Finale am 25. Mai im Londoner Wembley-Stadion bereits fest eingeplant haben („Finale - oho!“), blieben die Bayern bei der Beurteilung der Ausgangssituation für das Rückspiel nüchtern. „Es gab trotz des 4:0 keine Euphorie in der Kabine. Es gab wieder nur Wasser, keinen Champagner“, berichtete Rummenigge. Denn die Bayern wissen: Sie haben die Final-Tür zwar weit aufgestoßen, aber kommende Woche in Barcelona müssen sie noch hindurchgehen.

'Nur die halbe Miete'

„Wenn eine Mannschaft so ein Spiel noch drehen kann, dann ist das der FC Barcelona“, stellt sich Bastian Schweinsteiger im Rückspiel darauf ein, dass die Katalanen „bis zum Ende kämpfen“ werden, wie es auch Barça-Assistenzcoach Jordi Roura ankündigte. „Gegen jede andere Mannschaft wären wir für das Rückspiel sehr sicher, aber das ist Barcelona“, warnte Javi Martínez.

„Es ist nur die halbe Miete“, meinte Lahm, der für das Rückspiel die gleiche konzentrierte Defensivarbeit wie im Hinspiel forderte. „Wir müssen alles in die Waagschale werfen.“ Müller warnte vor der „Energie des Camp Nou“ und formulierte die magische Formel für den Endspurt in dieser Champions-League-Saison: „Das war eine große Leistung, aber wir brauchen noch zwei große Leistungen, damit wir wirklich was in der Hand haben.“

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