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'Jetzt wollen wir noch mehr'

'Super-Bayern' zwischen Genuss & Konzentration

So überschwänglich wie die Freude in Frankfurt ausgefallen war, so nüchtern kehrten die Bayern am Sonntag in ihren Alltag zurück. Die Reservisten vom Vortag trainierten auf dem Rasen, für die Startspieler stand Regeneration (Auslaufen, Radfahren) auf dem Programm. Wenn nicht vier TV-Übertragungswagen an der Straße geparkt und live übertragen hätten, wäre es ein ganz normaler Sonntag gewesen beim FC Bayern. Dabei war doch Großes passiert: So früh wie kein anderer Klub zuvor in 50 Jahren Bundesliga hatte der Rekordmeister am Samstag in Frankfurt die Deutsche Meisterschaft perfekt gemacht!

Und das wurde nach dem Schlusspfiff auch gebührend gefeiert. Die Mannschaft tanzte und hüpfte vor der Fankurve im Stadion und ließ ihren Trainer hochleben. Franck Ribéry stimmte per Megaphon ein „Super-Bayern, Super-Bayern, hey, hey!“ an, Thomas Müller kletterte auf den Zaun und intonierte ein „Humba, humba, tätärä!“ und Dante schnappte sich eine Plastik-Meisterschale aus dem Fanblock, mit der er über den Platz flitzte.

In der Kabine wurde mit lauter Musik, Polonaise und einem Kasten Paulaner weitergejubelt. Co-Trainer Hermann Gerland kämpfte mit den Tränen. „Man kann dieses Glücksgefühl nicht beschreiben. Ich kann nur sagen: Es fühlt sich richtig gut an“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer nach seinem ersten Meistertitel mit dem FC Bayern, den Bastian Schweinsteiger beim hart erkämpften 1:0-Sieg in Frankfurt mit einem Hackentor (52. Minute) besiegelte.

Hoeneß hocherfreut

„Man kann es kaum in Worte fassen, wie toll ich diese Meisterschaft empfinde“, war Uli Hoeneß fast sprachlos, nachdem der 23. Meistertitel der Klubgeschichte bereits sechs Spieltage vor Saisonende unter Dach und Fach war. „In all den Jahren, seit denen ich beim FC Bayern bin, kann ich mich nicht daran erinnern, dass wir so überragend und eindeutig Meister geworden sind. Das ist eine wunderbare Antwort auf die beiden letzten Jahre“, freute sich der FCB-Präsident. Der FCB 2012/13 habe „eine Mannschaft mit großem Charakter, mit tollen Typen. Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft und auf den Trainer.“


Jener Trainer sprach von einem „bewegenden emotionalen Moment“, nachdem seine erste Meisterschaft seit 23 Jahren - damals, 1990, auch mit dem FC Bayern - perfekt war. „Nicht nur, dass wir viele Spiele gewonnen haben, sondern auch die Art und Wiese, wie wir Fußball gespielt haben, war außergewöhnlich“, schwärmte Jupp Heynckes, „so wie die Mannschaft in diesem Jahr spielt, traue ich ihr alles zu.“ Kapitän Philipp Lahm fand seinen vierten Meistertitel „fast noch einen Tick schöner an als die anderen. Es ist etwas Besonderes, die Schale schon am 28. Spieltag zu bekommen. Das hat noch keine Mannschaft geschafft, deshalb ist unsere Freude riesengroß.“

Champagner über den Wolken

Auf dem Heimflug stießen die Bayern mit einem Glas Champagner auf den Turbo-Titel an. „Ihr seid ein großartiges Team. Ihr habt Außergewöhnliches geleistet. Prost!“, sagte Karl-Heinz Rummenigge in einer kurzen Ansprache über den Wolken und gab den Spielern mit auf den Weg: „Feiert zuhause! Wir haben in Turin noch etwas vor.“ Die Wasserfontäne, mit der die Flughafen-Feuerwehr den Bayern-Flieger zurück in München begrüßte, blieb dann auch die einzige Meisterdusche an diesem Abend.

Zu präsent war in den Köpfen der Bayern schon jenes Champions-League-Spiel in Turin am kommenden Mittwoch. „Feiern kann man verlegen, Juventus kann man nicht verlegen. Dieses Spiel wird all unsere Kraft und Power benötigen“, betonte Sammer. Die Mannschaft stehe jetzt vor der Frage: „Wollen wir mehr oder wollen wir nicht mehr? Wollen wir alles oder wollen wir nur ein bisschen? Das ist der Unterschied zwischen groß und ganz groß.“

'Wollen eine Super-Super-Saison machen'

„Unser erstes großes Ziel haben wir erreicht. Um diese Saison zu krönen, müssen wir weitermachen“, forderte Hoeneß, „jetzt wollen wir aus einer Super-Saison noch eine Super-Super-Saison machen. Es wäre fatal, wenn wir diese Chance auf den Einzug ins Champions-League-Halbfinale und nächste Woche aufs Pokalendspiel nicht nutzen.“

Die mahnenden Worte der Verantwortlichen sind offenbar bei der Mannschaft angekommen. „Ich spüre, dass sie einerseits ihre Freude zeigt und andererseits die Konzentration hochhält“, erzählte Hoeneß. Am Sonntag war dann auch ein Großteil der Spieler bereits vor den Ordnern an der Säbener Straße, die um 9.30 Uhr ihren Dienst antraten. „Jeder weiß, dass wir noch weitere große Ziele haben“, meinte Lahm, Robben betonte: „Jetzt wollen wir noch mehr.“

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