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'Außenseiter' Juventus

'Wir sind nicht gekommen, um zu verlieren'

Mit großem Respekt, aber ohne Angst, tritt der italienische Tabellenführer Juventus Turin am Dienstagabend zum Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale beim FC Bayern an. „Wir waren lange nicht dabei, wollen aber zeigen, dass wir nicht zufällig im Viertelfinale stehen“, sagte Juventus-Trainer Antonio Conte am Montag vor dem Abschlusstraining seines Teams in der Münchner Allianz Arena.

Bereits am Sonntagnachmittag ist die alte Dame in der bayrischen Landeshauptstadt angekommen, um sich optimal auf das Duell der beiden Rekordmeister vorzubereiten. Erstmals seit der Saison 2005/06 steht Juventus wieder in der Runde der letzten Acht, die letzte Halbfinalteilnahme liegt gar noch drei Jahre länger zurück. Kein Wunder also, dass Conte den Bayern, in den letzten drei Spielzeiten immerhin zweimaliger Finalist, die Favoritenrolle zuschanzte.

„Wir sind in der Außenseiterrolle. Es ist eine tolle Sache für uns, uns mit einem Gegner wie Bayern München zu messen. Das ist eine große Aufgabe. Aber wir haben das feste Vorhaben, ein tolles Spiel abzuliefern. Wir freuen uns auf ein großartiges Spiel in einem großartigen Wettbewerb“, meinte Conte, der mit 22 Spielern die Reise nach München angetreten hat und wohl seine beste Formation aufbieten kann.

So viel Tiefstapelei hat Juventus allerdings gar nicht nötig. Nach dem 2:1-Sieg im Derby d’Italia bei Inter Mailand führt der amtierende Meister die Serie A souverän mit neun Punkten Vorsprung an, die Titelverteidigung rückt immer näher. In der Königsklasse sind die Italiener neben Borussia Dortmund in dieser Saison das einzige ungeschlagene Team. Nur vier Gegentore kassierte Juve in bislang acht Champions-League-Partien, seit 490 Minuten ist der viermalige Welttorhüter Gianluigi Buffon nun schon ohne Gegentreffer.

Mythos Juventus

Dieser hat nicht die allerbesten Erinnerungen an das letzte Duell mit dem FCB, dem 4:1-Sieg der Münchner im Dezember 2009 in Turin. „Das war sicherlich die schlimmste Leistung, die wir in der jüngeren Vergangenheit abgeliefert haben. Wir sind von Anfang bis Ende fertig gemacht worden. Ich hätte fast Rückenprobleme bekommen, weil ich den Ball so oft aus dem Netzt holen musste. Das war kein schöner Abend damals“, so der 35 Jahre alte Weltmeister von 2006.

Doch inzwischen hat sich Juventus wieder zu einer „europäischen Spitzenmannschaft“ entwickelt, wie Bayern-Trainer Jupp Heynckes voller Anerkennung sagte. „Juventus ist ein Mythos, ein Verein mit großer Tradition. Auf der einen Seite spielen sie typisch italienisch, auf der anderen Seite haben sie große Offensivqualitäten und Fantasie in ihrem Spiel. Sie sind als Mannschaft sehr gut strukturiert, aggressiv und sehr laufstark“, charakterisierte Heynckes den nächsten Gegner.

Mehr als nur Pirlo

Und sie haben einen Andrea Pirlo in ihren Reihen. Der Filigrantechniker wechselte 2011 vom AC Mailand zu den Bianconeri und prägt dort im Mittelfeld deren Spiel. „Ein genialer Fußballspieler. Das Herzstück der Juve-Mannschaft, der Architekt, das Hirn der Mannschaft“, schwärmte Heynckes. Für Buffon hat sein Mannschaftskollege „dieses Stück mehr als andere, er steht auf dem Podium der allergrößten Spieler“. Und Conte meinte: „Er ist Einer, der unser Spiel besser macht.“

Doch Juventus ist viel mehr als nur Pirlo. Die Mannschaft agiert als homogenes Kollektiv in einem für italienische Teams eher ungewöhnlichen 3-5-2-System. Vieles deutet darauf hin, dass Conte am Dienstagabend einen weiteren Mittelfeldspieler anstelle eines Stürmers einsetzt, dann eher aus einem 3-6-1 agieren lässt ohne dabei aber seine grundsätzliche Ausrichtung zu verändern. „Wir müssen taktische Disziplin an den Tag legen und mit viel Hingabe spielen“, erklärte Conte.

Und so wurde Conte, als Spieler mit Juventus selbst viermaliger CL-Finalist, doch noch etwas forscher in seinen Aussagen. „Wir haben das Spiel gut vorbereitet, wir wissen um die Stärken und die wenigen Schwächen. Wir werden versuchen, diese Schwächen möglicherweise noch größer zu machen und zuzuschlagen. Wir sind nicht hierher gekommen, um zu verlieren.“

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