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'Gierig und hochmotiviert'

Bayern greift nach dem Triple

Da flimmerten sie noch einmal über die übergroßen TV-Bildschirme, die Stationen des FC Bayern auf dem Weg ins DFB-Pokalfinale: Regensburg, Kaiserslautern, Augsburg, Dortmund, Wolfsburg - 5 Siege mit 17:1 Toren. Auf dem Podium blickte Jupp Heynckes schmunzelnd zu Philipp Lahm. Der Stolz auf das Erreichte lag in diesem Blick, aber auch die Freude darüber, jetzt hier zu sitzen, und etwas Verschwörerisches. „Wir sind alle noch gierig und hochmotiviert, den dritten Triumph in diesem Jahr zu schaffen“, sagte Heynckes knapp 31 Stunden vor dem Anpfiff des DFB-Pokalfinals gegen den VfB Stuttgart (Samstag, 20 Uhr, im Liveticker bei fcbayern.de). Mit einem Sieg würden die Bayern ihrer Saison das i-Tüpfelchen aufsetzen und als erster deutscher Klub das Triple gewinnen.

„Wir haben die große Möglichkeit, etwas Einmaliges zu erreichen, was es noch nie in der deutschen Geschichte gab“, betonte Lahm auf der Abschlusspressekonferenz im Berliner Olympiastadion. An Motivation mangelt es also nicht, wie am Tag zuvor, noch in München, auch Manuel Neuer berichtet hatte: „Man merkt in der Mannschaft: Wir sind noch hungrig! Die Lust ist richtig groß. Wir wollen weitermachen, wir wollen den nächsten Titel gewinnen!“

Von einem Restkater ist eine Woche nach dem Champions-League-Sieg daher nichts zu spüren beim deutschen Rekordpokalsieger. Klar habe es nach dem Triumph von Wembley „zwei drei Tage“ gedauert, „bis man wieder zur Normalität findet“, sagte Heynckes, „aber seit Mittwoch sind wir wieder fokussiert auf das Pokalendspiel. Wir sind sicher in der Lage, den Hebel umzulegen, uns voll auf das Spiel zu konzentrieren und zu gewinnen.“

Heynckes' Abschied

Der Trainer lebt diesen Fokus einmal mehr vor. An sein anstehendes letztes Spiel als Bayern-Chefcoach verschwendet der 68-Jährige keinen Gedanken. „Ich beschäftige mich nicht damit. Die Gedanken sind im Moment bei der Mannschaft, bei der Vorbereitung auf das Spiel“, erzählte er. Erst im Urlaub mit etwas Abstand werde er sentimental werden, glaubt Heynckes.

Zum Abschied könnte sich für den scheidenden Bayern-Coach noch einmal ein Kreis schließen. Als Trainer würde er mit seinem 50. Sieg im DFB-Pokal erstmals den Pott gewinnen, den er als Spieler 1973 schon in Händen halten durfte. Natürlich würde ihn das freuen, sagte Heynckes, „nur ist es nicht so, dass es eine furchtbare Obsession ist.“ Der Bayern-Coach denkt vor allem an die Mannschaft, die mit dem Triple Historisches schaffen würde.

Van Buyten für Dante

Dabei muss Heynckes jedoch nicht nur auf die verletzten Toni Kroos und Holger Badstuber sowie den zur U21-EM abgestellten Emre Can verzichten, sondern auch auf Dante und Luiz Gustavo. „Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis“, kritisierte er die fehlende Kompromissbereitschaft des brasilianischen Verbandes, der beide Spieler zwang, zur Nationalmannschaft zu reisen. „Für die Spieler ist das eine Riesenenttäuschung“, sagte der FCB-Trainer, „ich habe selten Spieler erlebt, die so um Fassung gerungen haben.“

Für Dante wird nun Daniel van Buyten in der Innenverteidigung auflaufen. Der Belgier habe in der zurückliegenden Saison, zuletzt beim Champions-League-Rückspiel in Barcelona, bewiesen, dass auf ihn Verlass ist, meinte Heynckes. Auch beim 2:0-Sieg Ende Januar gegen Stuttgart hatte Van Buyten gespielt, in der Hinrunde gab es zudem ein klares 6:1 gegen den VfB. Am Samstag in Berlin erwarten die Münchner aber „eine schwierige Aufgabe“ (Neuer) gegen hochmotivierte Stuttgarter.

Labbadia gratuliert

Einen Tag vor dem Spiel gratuliert VfB-Trainer Bruno Labbadia dem FC Bayern zu einer „fantastischer Saison“ und Heynckes zu einer „einzigartigen Trainerleistung“. Auf dem Platz am Samstagabend dürfte mit den Höflichkeiten aber Schluss sein. „Wir sind hierhergefahren, um das Spiel zu gewinnen“, betonte Labbadia. Bayern sei zwar „die absolute Weltklasse-Mannschaft in diesem Jahr. Aber wir wissen auch, dass an einem Tag immer was geht, und hoffen, dass der Tag morgen kommt.“

Es ist also angerichtet. Am Samstag, um 20 Uhr, ist Anpfiff im Berliner Olympiastadion. Es ist das 70. DFB-Pokalfinale, das 19. für den FC Bayern, der alles daran setzen wird, zum 16. Mal den Pott zu gewinnen, um dann, wie Manuel Neuer sagte, „am Sonntag groß feiern zu können“.

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