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'Es wird langsam Zeit'

Der Müller, sein Stiefel und 'das Ding'

Thomas Müller konnte gar nicht genug bekommen. 50, 60 Mal trat er am Dienstagmittag nach dem Training an den Elferpunkt. Erst gegen Lukas Raeder, dann gegen Manuel Neuer. „Das kann nicht schaden“, sagte er später bei FCB News zu seiner Sonderschicht Elfmeterschießen. Nein, wenige Tage vor dem großen Spiel überlässt Müller nichts dem Zufall. In seinem dritten Champions-League-Finale will er endlich den Henkelpott in den Händen halten.

Bei den ersten beiden Versuchen hat Müller schon eine Hauptrolle gespielt. 2010 gegen Inter Mailand (0:2) hatte er den zwischenzeitlichen Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber an Torwart Júlio César. 2012 gegen den FC Chelsea traf er kurz vor Schluss zum 1:0, am Ende jubelte aber erneut die falsche Mannschaft. „Für mich wird es langsam Zeit, dass ich das Ding hole“, sagte er jetzt, „wenn man dreimal verloren hat, hat man so einen Loser-Stempel drauf.“

Dass Müller innerhalb kürzester Zeit überhaupt schon wieder nach dem Pott greift, daran hat er selbst entscheidenden Anteil. Unmittelbar nach dem verlorenen Finale dahoam im letzten Jahr rappelte er sich auf und machte seine Teamkollegen per Rund-SMS heiß auf die neue Saison (fcbayern.de berichtete). Mit acht Toren und zwei Vorlagen ist er in dieser Spielzeit der erfolgreichste Münchner in der Champions League und erzielte so viele Treffer wie in seinen vier Königsklassen-Saisons zuvor.

Auf Messis Spuren

„Ich kann mich in diesem Jahr nicht beschweren und hoffe, dass es so weitergeht“, meinte der insgesamt erfolgreichste FCB-Profi dieser Saison (22 Pflichtspieltore), der im Finale am Samstag zu einem elitären Kreis hinzustoßen könnte: Trifft er, wäre er einer von nur insgesamt vier Spielern, die in zwei Champions-League-Endspielen trafen (wie Raul, Eto’o, Messi). Solche statistischen Besonderheiten lassen den 23-Jährigen aber kalt. „Dass ich weiß, wo das Tor steht, ist ja nichts Neues“, sagte er.

„Thomas Müller wird eine ganz wichtige Rolle im Endspiel einnehmen“, ist Jupp Heynckes überzeugt. Der FCB-Chefcoach lobte seinen Dauerläufer als „absoluten Leistungsträger“ und „einen der Garanten, dass wir offensiv, aber auch defensiv überragend sind. Thomas spielt eine absolute Topsaison. Er ist aus der Truppe überhaupt nicht wegzudenken, nicht verletzungsanfällig, sehr laufstark, agil, locker, wenn man locker sein muss.“

Diese Lockerheit wird Müller auch in den Tagen vor dem Finale nicht verlieren. „Ich werde nicht verkrampft rumlaufen, sondern ganz normal meinen Stiefel machen“, kündigte der an - und wer Müller kennt, weiß, dass ihm das so auch zuzutrauen ist. Für Matthias Sammer besitzt der Torschützenkönig von 2010 „fast eine goldene Art. Er ist Bayern München mit seiner ganzen Persönlichkeit.“ Ein Siegertyp. Und einer, der nichts dem Zufall überlässt.

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